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Feierliche Vergabe des Otto-Ubbelohde-Preises des Landkreises – Elisabeth Sabo, Harald Pausch und die Hinterländer Mountainbiker erhielten den höchsten Kulturpreis des Landkreises

(Pressemitteilung 278/2016 vom 08.07.2016)

Marburg-Biedenkopf – Es gab keine freie Plätze mehr bei der diesjährigen feierlichen Verleihung der Otto-Ubbelohde-Preise am 6. Juli 2016 durch Landrätin Kirsten Fründt im kreiseigenen Schloss in Biedenkopf. Knapp 80 Personen folgten dem Programm, bei dem Elisabeth Sabo, Harald Pausch und die Hinterländer Mountainbiker mit dem mit jeweils 1.000 Euro dotierten höchsten Kulturpreis des Kreises ausgezeichnet wurden.

Landrätin Fründt verwies darauf, dass es sich bereits um die 30. Preisverleihung handelte und bedankte sich beim anwesenden, ehemaligen Landrat Prof. Dr. Kurt Kliem für die gute Idee, diesen Preis einzuführen. Seitdem haben – die aktuellen Preisträger eingerechnet - insgesamt 33 Vereine und Gruppen sowie 85 Personen (davon an 28 Frauen) den Preis erhalten, wobei bis 1998 jeweils fünf und seit 1999 drei Preisträger pro Jahr ermittelt wurden.

„Die Zahl von erneut 54 Bewerbungen in diesem Jahr zeigt mir, dass auch nach dreißig Jahren Otto-Ubbelohde-Preis das Potenzial im Kreis immer noch sehr hoch ist, zumal es - wie in jedem Jahr - eine Vielzahl sehr starker Bewerbungen gab. Umgekehrt bedeutet das aber für die diesjährigen Preisträger auch, dass Sie sich als Preisträger gegen stärkste Konkurrenz durchgesetzt haben“, so Fründt. In diesem Zusammenhang bedankte sie sich auch besonders bei den Jurorinnen und Juroren für ihre sehr engagierte und gute Arbeit!

Als Kulturdezernentin habe sie bereits viele hoch interessanteste Einblicke in die Kulturarbeit im Landkreis erhalten und sei immer wieder davon begeistert, wie viele Initiativen, Vereine und Einzelpersonen mit großem Einsatz im Kulturbereich im Landkreis aktiv sind. Deswegen sei die heutige Preisverleihung auch eine öffentliche Anerkennung und Würdigung des vielfältigen und interessanten, oft Beispiel gebenden Engagements von Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen, Gruppen und Initiativen im Kulturbereich in unserem Kreis.

Statt des sonst üblichen Festvortrags las der Krimi-Autor Ralf Kramp aus seiner im Rahmen der diesjährigen Criminale im Landkreis erstellten Krimi-Kurzgeschichte „Kopflos in Biedenkopf“. Diese Geschichte spielt nicht nur in Biedenkopf, sondern setzt sich auch auf „amüsant-mörderische“ Weise mit dem Grenzgang auseinander. Umrahmt wurde die Veranstaltung einfühlsam durch das kleine Ensemble des „hinterland jazz orchestras“ unter der Leitung von Charly Mutschler.

In der Laudatio auf die Preisträger stellte Landrätin Fründt die jeweiligen Preisträger kurz vor.

lisabeth Sabo ist eine Künstlerin mit Migrationshintergrund, die seit vielen Jahren auf hohem Niveau künstlerisch arbeitet. Diese künstlerischen Arbeiten der gebürtigen Ungarin mit deutscher und ungarischer Staatsangehörigkeit wurden in vielen Ausstellungen in Deutschland, aber auch beispielsweise in Italien und Südkorea gezeigt. Seit 1987 lebt die Bildhauerin im Landkreis. Ihr waren Projekte mit regionalem Bezug immer sehr wichtig. Hier kann beispielsweise auf die beeindruckenden Arbeiten im Rahmen der Veranstaltung „Die innere Sicht – Werke zum Holocaust“ im Dokumentations- und Informationszentrum Stadtallendorf (2013/2014) verwiesen werden. Dazu zählen aber auch die Beteiligung an der von der Universitätsstadt Marburg durchgeführten Veranstaltung zum 200-jährigen Jubiläum der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm im Jahr 2012 oder das Mitwirken beim Projekt „Kunst und Barmherzigkeit“ in fünf Marburger Kirchen im Elisabethjahr 2007 sowie die Mitwirkung bei vielen weiteren Projekten und Ausstellungen. Der erstmals 2013 ausgelobte Publikumspreis der Kunsttage Marburg-Biedenkopf ging an Elisabeth Sabo.

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf zeichnet die künstlerische Leistung von Elisabeth Sabo dem Otto-Ubbelohde-Preis aus.

Harald Pausch ist seit vielen Jahren einer der führenden Köpfe in der Heimat- und Stadtgeschichtsforschung der Stadt Kirchhain. Mit enorm viel Eigenleistung hat Herr Pausch mitten in Kirchhain im Obergeschoss seines Geschäftshauses das kleine Dachmuseum konzipiert und aufgebaut. Besonders Schulklassen nutzen dieses Angebot rege. In insgesamt fünf Räumen werden hier Objekte zur Stadtgeschichte von der Stadtgründung bis zur Zeit des Nationalsozialismus gezeigt. Darüber hinaus ist Herr Pausch unter anderem seit vielen Jahren als Stadtführer in Kirchhain tätig. In diesem Zusammenhang hat er spezielle Themenführungen erarbeitet, wie etwa zum jüdischen Leben in Kirchhain, eine Stadtmauerführung oder auch spezielle Stadtführungen für Kinder bzw. Schulklassen. 2014 hatte er als treibende Kraft die Ausstellung „Der Krieg – ein Kinderspiel“ konzipiert, eine Ausstellung zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs und 2004 das umfangreiche Buch „Kirchhain im Ersten Weltkrieg – Kriegsalltag in einer oberhessischen Kleinstadt“ veröffentlicht.

Der Landkreis erkennt mit diesem Preis das besondere Engagement von Harald Pausch für die Aufarbeitung der Stadtgeschichte Kirchhains an.

Die Hinterländer Mountainbiker haben, wenn man so will, eine neue Sparte geschaffen: Die erfahrbare Geschichte. Die fünf aktiven Mountainbiker aus dem Hinterland beschreiben ihre selbst gesteckte Aufgabe wie folgt: „Unsere Mission lautet: Heimatnahe Geschichte in allgemeinverständlicher Form mit ihren Spuren in Nah und Fern für jedermann interessant und er’fahrbar‘ zu machen.“ Harald Becker (Angelburg), Jörg Krug (Steffenberg), Siegfried Pitzer (Wallau), Matthias Schmidt (Angelburg) und Ulrich Weigel (Eschenburg-Roth, in Oberhörlen geboren) stellen die Gruppe dar, die seit über 20 Jahren aktiv ist.

In mühevoller Kleinarbeit erstellen sie mit wissenschaftlicher Unterstützung Wegebeschreibungen in Wort und Bild. So starteten sie 1998 zu einer dreitägigen Reise ins Hochmittelalter auf der Brabanter Straße von Siegen durch den Landkreis Marburg-Biedenkopf bis nach Thüringen und berichteten im Anschluss an die Tour in Form eines Tagebuchs in Wort und Bild. Zuerst verbringt die Gruppe mehrere Wochen in diversen Bibliotheken, um die historischen Inhalte aufzuarbeiten und dann fährt die Gruppe die Routen ab. Versehen mit Höhenmessern können auch Höhenprofile der Routen erstellt und durch die Satelliten gesteuerte Navigation können auch die Wegeverläufe nachvollzogen werden. Ergänzt durch die Möglichkeiten der Luftarchäologie werden dann CD-ROM und teilweise auch Videos zu den jeweiligen Touren angeboten, die die historisch interessanten Routen nachvollziehbar werden lassen. Nicht nur in Deutschland und Europa war die Gruppe unterwegs, sondern sie haben auch die geschichtlichen Spuren hinterländer Menschen in den USA, Brasilien, China, Japan oder Namibia erforscht und abgefahren. Der Gruppe ist es ihrem eigenen Ziel gemäß gelungen, Geschichte auf ihre Art er“fahrbar“ und nachvollziehbar zu machen.

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf würdigt mit dieser Auszeichnung die ungewöhnliche und interessante Herangehensweise an historische Inhalte mit regionalem Bezug.

Im kreiseigenen Schloss in Biedenkopf wurde der Otto-Ubbelohde-Preis verliehen (v.l.n.r.): Siegfried Pitzer, Ulrich Weigel, Jörg Krug und Harald Becker (Hinterländer Mountain-Biker), Landrätin Kirsten Fründt, Harald Pausch, Elisabeth Sabo und Kreistagsvorsitzender Detlef Ruffert (bei den Hinterländer Mountain-Biker fehlt Matthias Schmidt). Foto: Landkreis

Im kreiseigenen Schloss in Biedenkopf wurde der Otto-Ubbelohde-Preis verliehen (v.l.n.r.): Siegfried Pitzer, Ulrich Weigel, Jörg Krug und Harald Becker (Hinterländer Mountain-Biker), Landrätin Kirsten Fründt, Harald Pausch, Elisabeth Sabo und Kreistagsvorsitzender Detlef Ruffert (bei den Hinterländer Mountain-Biker fehlt Matthias Schmidt).

Foto: Landkreis

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