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Kinderschutz: Kreis registriert leichten Rückgang bei den Gefährdungsmeldungen – Inobhutnahmen im Landkreis Marburg-Biedenkopf gegen den Bundestrend stabil/ Ziel: Erziehungskompetenz der Eltern stärken
(Pressemitteilung Nr. 276/2012 vom 25.07.2012)
Marburg-Biedenkopf – Die Zahl der Gefährdungsmeldungen, die beim Landkreis Marburg-Biedenkopf und dort beim zuständigen Fachbereich Familie, Jugend und Soziales im Jahr 2011 eingegangen sind, ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Im Jahr 2010 waren es 275 auf Kinder und Jugendliche bezogene Meldungen, in 2011 noch 233. Die Zahl der Inobhutnahmen hat sich nach einem leichten Rückgang in 2010 (69) mit 75 Fällen im Jahr 2011 auf dem stabilen Niveau der Vorjahre eingependelt  (2008:74; 2009: 74).

„Damit entwickelt sich der Landkreis Marburg-Biedenkopf in der mittelfristigen Betrachtung gegen den Bundestrend“, stellt der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern fest. Im Bundesgebiet sind im vergangenen Jahr sechs Prozent mehr Kinder und Jugendliche in Obhut genommen worden als in 2010. Bereits in den vergangenen Jahren betrugen die Steigerungsraten im Bundesdurchschnitt 8 Prozent im Jahr 2010, 4,5 Prozent im Jahr 2009 und 14,4 Prozent im Jahr 2008. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf ist hingegen seit 2008 keine nennenswerte Steigerung aufgetreten. „Dies spricht für die Arbeit des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD), der die gemeldeten Fälle sehr genau überprüft und auch dort handelt, wo es notwendig ist“, betonte Dr. McGovern.

„Die Arbeit ist sehr herausfordernd und auch belastend für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, weist Dr. McGovern auf die herausragende Stellung des ASD im Bereich des Kinderschutzes hin. Der ASD ist dabei eng mit Kooperationspartnern und mit vielen anderen Institutionen wie Beratungsstellen, Ärzten, Kinderklinik, Kinder- und Jugendpsychiatrien, Polizei oder Familiengerichte im Landkreis vernetzt. „Dies wird im Landkreis Marburg-Biedenkopf sehr gut umgesetzt und stellt ein besonderes Qualitätsmerkmal im Kinderschutz dar“, sagt der Fachbereichsleiter Uwe Pöppler. Das im Januar 2012 in Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz fordere verstärkt diese Kooperationen, die in weiten Teilen im Landkreis bereits umgesetzt werde, so Uwe Pöppler.

Bei den Gefährdungsmeldungen ist eine besondere Achtsamkeit bei den jüngeren Kindern gegeben, die oftmals noch nicht in einer Kindertageseinrichtung betreut werden. So waren in 2011 insgesamt 75 der betroffenen Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren. Der zuständige Fachdienstleiter Jürgen Rimbach betont, dass gerade hier die Zusammenarbeit mit den Kinderärzten, der Kinderklinik und den Hebammen von zentraler Bedeutung sei. So kooperiere man eng mit der Kinderklinik zusammen und nutze das dortige Kinderschutztelefon, um Fragen zügig mit medizinischen Fachleuten klären zu können.

Viele Meldungen kamen weiterhin aus der Nachbarschaft und Verwandtschaft der Kinder und Jugendlichen, aber auch anonym wird viel gemeldet (31 in 2011). Auch die Polizei hat in 41 Fällen entsprechende Meldungen abgegeben. Bei 80 Kindern und Jugendlichen haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ASD die Meldungen noch am gleichen Tag überprüft. „Die Überprüfungen finden in der Regel zu zweit statt, so dass hier schnell reagiert wird. Bei lediglich 70 von 233 betroffenen Kindern und Jugendlichen wurde kein Hilfebedarf festgestellt“, erläutert Dr. McGovern.

Die Rufbereitschaft des ASD in den Abend- und Nachtstunden sowie am Wochenende wird intensiv in Anspruch genommen: So kamen in 2011 bezogen auf 36 Kinder und Jugendliche Meldungen in diesen Zeiträumen an.

Die Zahl der Inobhutnahmen ist von 69 in 2010 auf 75 in 2011 gestiegen, davon waren 47 Kinder und Jugendliche weiblich, 28 männlich. Dass die häusliche Situation nach einer Inobhutnahme intensiv betrachtet wird, zeigen die Auswertungen der Folgesituationen. So konnten immerhin 48 der 75 Kinder und Jugendliche zu ihren Eltern zurückkehren. Dies spreche, so Dr. McGvern, für den familienorientierten Ansatz in der Arbeit des ASD, soweit dies verantwortbar umzusetzen sei. Als Gründe für die Inobhutnahmen führt Jürgen Rimbach insbesondere die Vernachlässigung von Kindern, häusliche Gewalt, Überforderung der Eltern und Alkohol- oder Drogenkonsum der Eltern an.

„Die Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz ist somit das erklärte Ziel in der Arbeit des ASD“, betont Dr. McGovern. In der Umsetzung dieses Zieles sind ebenfalls die freien Träger der Jugendhilfe und die Beratungsstellen aktiv, mit denen der ASD eng zusammenarbeite.

Ein weiterer Baustein des Kinderschutzes sind die Überprüfungen nach dem Hessischen Kindergesundheitsschutzgesetz. Hier werden dem ASD die vermeintlich nicht durchgeführten Vorsorgeuntersuchungen bei Kinderärzten gemeldet. Hier hat es in 2011 einen bisherigen Höchstwert von 422 Meldungen durch das Kindervorsorgenzentrum gegeben (in 2010: 327), wobei der Landkreis in 397 Fällen zuständig war. Die Überprüfungen ergaben, dass in 231 Fällen die Vorsorgeuntersuchungen tatsächlich bereits stattgefunden hatten, in 166 Fällen nicht. Es ist für Dr. McGovern schwer nachvollziehbar, warum es zu derartig hohen Zahl an Fehlmeldungen kommt. „In keinem einzigen Fall gab es hierdurch eine Aufdeckung einer Kindeswohlgefährdung. Trotzdem wird das Land Hessen die bis Ende 2012 befristete Gültigkeit des Gesetzes bis Ende 2017 fortschreiben“, sagt Dr. McGovern.
 

 

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