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Zigarrenpresse ist „Exponat des Monats“ im Hinterlandmuseum – Presse brachte Zigarren in Form und erleichterte die Handarbeitt
(Pressemitteilung Nr. 266/2012 vom 02.07.2012)
Marburg-Biedenkopf – Bei dem Exponat des Monats Juli 2012 im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf handelt es sich um eine hölzerne Zigarrenpresse für zwanzig Zigarren. Das Gerät stammt aus den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Die Presse wurde nicht aus einem Holzblock gearbeitet, sondern besteht aus einem Brett und dem Formeneinsatz, der sich ebenfalls aus mehreren Einzelstücken zusammensetzt. Mit Hilfe der Presse konnten Zigarren mittlerer und minderer Qualität in Form gebracht werden. So war ein gleiches Aussehen der in großer Stückzahl gefertigten Rauchwaren garantiert. Die Formpresse erleichterte einen Arbeitsschritt der ansonsten weitestgehend ohne Hilfsmittel verrichteten Handarbeit. Gestiftet wurde die Presse von einer Bürgerin aus Bad Endbach.

Gefertigt wurde die hölzerne Presse von der Firma: „KARL HART / SCHWETZINGEN / BEI MANNHEIM“, wovon eine Inschrift zeugt. Neben dem Firmenhinweis ließ der Hersteller außerdem den Bedienhinweis: „Hier öffnen / und / schliessen“ sowie die Zahlenfolge „18606“ und „151“ aufstempeln.

Karl Hart hatte im Jahre 1908 einen Zigarrenpressapparat konstruiert und zum Patent angemeldet. Mit einem Firmenpartner gründete er 1910 die Firma Hart & Hertel in Mannheim. Bereits ein Jahr später verlegte das Unternehmen seinen Produktionsstandort nach Schwetzingen. Die Firma stellte Zigarrenpressen oder auch Wickelformen für den deutschen Markt, aber auch für den Export her. Nach der Trennung der Teilhaber im Jahre 1937 führte Karl Hart das Unternehmen alleine weiter. Um 1940 wurde der Betrieb zunächst mit halbautomatischen Wickelmaschinen, den so genannten Hart-Wicklern modernisiert. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges und der zunehmenden industriellen Produktionsweise in der Tabakbranche verlagerte die Firma ihre Fabrikation in den Bereich Wohnen und Hauswirtschaft sowie Innenausbau. Im Jahre 1976 schloss das Unternehmen.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts stieg der Konsum von Zigarren. Für die einzelnen von Hand ausgeführten Produktionsschritte bei der Herstellung von Zigarren wurden mehr Arbeiter benötigt als für andere Tabakwaren: Nach der Ernte wurden die Blätter getrocknet und fermentiert, häufig auch gebeizt, um dem Tabak eine besondere Note zu verleihen. Anschließend entfernte man die starren Rippen der Tabakblätter und entzog dem Blatt nochmals Feuchtigkeit. Die Zigarre wurde aus Füllung, Umblatt und einem besonders ausgewählten Deckblatt gewickelt, gepresst und gegebenenfalls mit einem umlaufenden Etikett (Bauchbinde) versehen. Oft wurden in den tabakverarbeitenden Betrieben auch die Zigarrenkisten hergestellt, befüllt und etikettiert. 

Um im Wettbewerb bestehen zu können, suchten daher die tabakverarbeitenden Betriebe eine Vielzahl neuer Arbeitskräfte. Unter anderem dehnten die Gießener Fabrikanten ihre Suche nach Arbeitern in den Salzböderaum aus und errichteten in den Dörfern Filialen ihrer Firmen. Um 1880 gab es Niederlassungen in Endbach und Hartenrod, Gladenbach und Weidenhausen. Die Unternehmen beschäftigten mit niedrigen Löhnen und einer Bezahlung nach produzierter Stückzahl vorrangig weibliche Arbeitskräfte. Als „Dazu-Verdienerinnen“ half ihnen die Beschäftigung in der Tabakindustrie dennoch das  Familieneinkommen aufzubessern.

Das Hinterlandmuseum ist täglich außer montags von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet.

  Eine hölzerne Zigarrenpresse aus den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts ist das Exponat des Monats Juli im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf. (Foto: Landkreis)
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Eine hölzerne Zigarrenpresse aus den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts ist das Exponat des Monats Juli im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf.  (Foto: Landkreis)

 

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