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Erfolgreich vermittelt: Edgar Backes hat nach langer Arbeitslosigkeit wieder Fuß gefasst und Freude an der neuen Arbeit – Das Projekt ComeBack@50 sorgt für nachhaltige Integration Langzeitarbeitsloser in der Altersgruppe „50 Plus“ auf dem ersten Arbeitsmarkt

(Pressemitteilung Nr. 264/2013 vom 30.07.2013)

Marburg-Biedenkopf – Wer sind die Menschen, die hinter der erfolgreichen Statistik des KreisJobCenters (KJC) und des Projekts ComeBack@50 stehen? Was bedeutet die erfolgreiche Statistik für die Betroffenen? Die Geschichte von Edgar Backes ist ein Beispiel, die den Erfolg aus der Perspektive des Betroffenen, seiner Arbeitsvermittlerin und des neuen Arbeitgebers schildert. Das Kooperationsprojekt ComeBack@50 ist der regionale Beschäftigungspakt der Landkreise Marburg-Biedenkopf und Lahn-Dill, das über 50-jährige langzeitarbeitslose Menschen in den ersten Arbeitsmarkt integriert. Dieses Jahr wird Herr Backes 56 Jahre alt. Viel zu früh, um beschäftigungslos zu sein.

Seit der Einführung des Arbeitslosengeldes II im Januar 2005 war Edgar Backes beim KJC Marburg-Biedenkopf arbeitslos gemeldet. In den folgenden Jahren wurde die Arbeitslosigkeit nur von kurzfristigen, wenige Monate dauernden Beschäftigungen unterbrochen. „Eigentlich bin ich schon seit 2004 arbeitslos gewesen. Extrem negativ war, dass ich erst meine ganzen Ersparnisse auflösen musste, bevor ich Geld vom Amt bekommen habe“, schildert Edgar Backes seine Situation im Rückblick.

Die mehrfache nur kurzfristige Unterbrechung der Arbeitslosigkeit zählte für Edgar Backes gar nicht, gefühlt bestand die Arbeitslosigkeit von 2004 bis Ende 2011. Eine unschöne lange Zeit. „Nur zwei Firmen wollten mich in dieser Zeit direkt einstellen, sonst gab es nur Angebote von Zeitarbeitsfirmen. Irgendwann merkt man die Langeweile und die fehlende Bewegung. Geglaubt habe ich nicht mehr an eine feste Arbeit“, schildert er die Situation. Dies waren keine guten Voraussetzungen, um sich auf Begleitung und Beratung durch das KreisJobCenter und das Projekt ComeBack@50 einzulassen. Versucht hat er es trotzdem – mit Erfolg: Nach dem Vorstellungsgespräch bei seinem jetzigen Arbeitgeber als Briefzusteller habe er sofort gedacht: „Das will ich bis zur Rente machen!“ Mittlerweile dauert seine Beschäftigung schon gut 18 Monate und der erste befristete Arbeitsvertrag ist auch schon um ein weiteres Jahr verlängert worden. Stolz erzählt er, dass er seit der Arbeitsaufnahme gut 30 Kilo abgenommen habe und dass er sich durch die viele Bewegung auch körperlich viel besser fühle. Er hofft, dass er noch einige Jahre die Post durch den Landkreis trägt.

In der Rückblende der Arbeitsvermittlerin von ComeBack@50 liest sich die Geschichte von Edgar Backes so: Kurz nach seinem 50. Geburtstag im März 2008 wurde er Projektteilnehmer von ComeBack@50, der Arbeitsvermittlung für über 50-Jährige im KreisJobCenter. Nach einer mehrwöchigen Eignungsfeststellung konnte er eine Beschäftigung aufnehmen, allerdings auch nur für zwei Monate. Seine Arbeitsvermittlerin erlebte ihn damals als verlässlichen Kunden, aber auch als Menschen, der drauf und dran ist, sich aufzugeben. Die kurzfristige Beschäftigung verschärfte in ihren Augen die Situation, da das erneute Scheitern im Vordergrund zu stehen schien.

2009 arbeitete Edgar Backes daher auf dem zweiten Arbeitsmarkt in einer Arbeitsgelegenheit, die ein geringfügiges Mehreinkommen, vor allem aber eine Tagesstruktur und den Austausch mit anderen Menschen garantierte. Das Programm der Bürgerarbeit schien für Herrn Backes dann eine erneute Möglichkeit, längerfristig wieder einer bezahlten Arbeit nachgehen zu können. Während dieser Zeit hielt das KJC immer wieder persönlichen Kontakt und versuchte, sowohl im Ursprungsberuf als Bodenleger als auch bei alternativen Tätigkeiten zum Ziel zu gelangen. Leider ohne nennenswerten Erfolg. „In solchen Fällen gehen einem manchmal die Ideen aus und man muss aufpassen, dass sich die Mutlosigkeit des Kunden nicht auf einen selbst überträgt“, sagt Myriam Volk, die Arbeitsvermittlerin von ComeBack@50.

Zahlreiche fehlgeschlagene Vorstellungsgespräche brachte Edgar Backes in den vergangenen Jahren hinter sich. Auch ein Praktikum im Ursprungsberuf zeigte keinen Erfolg sondern vergrößerte eher den Frust. Eine völlige Neuorientierung in den Bereich der Metallbearbeitung konnte er sich beim besten Willen nicht vorstellen. Mitte 2011 sollte die erneute Suche nach einem qualifizierenden Praktikum in fachfremden Berufen den Umschwung bringen. Vorstellungsgespräche mit fiktiven Arbeitgebern wurden eingeübt, da die Rückmeldungen aus vorausgegangenen Gesprächen hier Verbesserungsbedarf ergeben hatten. Im Dezember 2011 dann endlich wieder ein Ernstfall: ein Vorstellungsgespräch mit Michael Gartz von der Citipost Nordhessen GmbH. Man wird sich einig und Mitte Dezember erhält Edgar Backes zunächst für zwei Wochen eine geringfügige Beschäftigung und im Anschluss ab Januar 2012 einen befristeten Jahresvertrag.

„In den ersten drei bis vier Monaten nach der Arbeitsaufnahme hält man innerlich die Luft an und hofft darauf, dass die Anforderungen der Beschäftigung angemessen sind und die Kraft der Kunden ausreicht“, meint seine Arbeitsvermittlerin. „Umso schöner ist es, wenn man einen Kunden so lange betreut und dann eineinhalb Jahre nach Arbeitsaufnahme erfährt, dass die Beschäftigung nach wie vor besteht“, freut sie sich mit Edgar Backes.

Citipost-Geschäftsführer Michael Gartz erhielt im Jahr 2011 erste Informationen zum Projekt ComeBack@50. Zu diesem Zeitpunkt plante das Unternehmen, die Briefzustellstrukturen zu verstärken. Die Bewerbervorschläge seien da gerade recht gekommen und habe die die Personalgewinnung erheblich erleichtert, erläutert der Geschäftsführer. „Grundsätzlich weiß ich Mitarbeiter in dieser Altersgruppe wegen ihrer positiven Arbeitseinstellung und Zuverlässigkeit sehr zu schätzen“, betont Michael Gartz. Die angebotene Einstiegsförderung durch das Projekt ComeBack@50 speziell in diesem Fall habe das vermeintliche Anfangsrisiko minimiert. „Heute, fast zwei Jahre später, zeigt sich, dass meine erste Einschätzung des Arbeitnehmers richtig war“, so der Geschäftsführer. „Die persönliche Begleitung durch einen Betriebsberater von ComeBack@50 werde ich bei erneutem Personalbedarf gerne wieder in Anspruch nehmen“, betont Michael Gartz.

Der Erfolg bei der Vermittlung eines Langzeitarbeitslosen wird bei allen drei Beteiligten sichtbar: Der Arbeitnehmer, der mit viel Mühe am Ende doch nicht aufgegeben hat und seine persönliche Situation in allen Lebensbereichen verbessert. Das Projekt ComeBack@50 mit seiner Projektmitarbeiterin als Mittler, damit Arbeitgeber Langzeitarbeitslose über 50-Jährige überhaupt bei der Personalauswahl berücksichtigen. Sowie der Arbeitgeber, der eine vereinfachte Personalsuche hat und einen loyalen Mitarbeiter erhält. „Es ist unser Grundsatz, keinen aufzugeben. Gerade auf die Menschen, die schon resigniert haben, müssen sich unsere Bemühungen konzentrieren. Sich nur um die zu kümmern, die ohnehin alleine eine Arbeit finden würden, bessert die Vermittlungsstatistik, ist aber eine Verschwendung von Ressourcen und entspricht nicht dem sozialen Auftrag", betont der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern.

Weitere Informationen zum Beschäftigungspakt ComeBack@50 und zum Bundesprogramm „Perspektive 50plus – Beschäftigungspakte für Ältere in den Regionen“ im Internet unter „www.perspektive50plus.de“ und „www.comeback50.de“.

Erfolgreich vermittelt: Edgar Backes hat nach langer Arbeitslosigkeit wieder Fuß gefasst und Freude an der neuen Arbeit. (Foto: Landkreis Marburg-Biedenkopf)
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Erfolgreich vermittelt: Edgar Backes hat nach langer Arbeitslosigkeit wieder Fuß gefasst und Freude an der neuen Arbeit.

(Foto: Landkreis Marburg-Biedenkopf)

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