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Landrat Fischbach eröffnet Sonderausstellung „Lebensstationen um 1900“ im Schloss in Biedenkopf – Ausstellung ist bis zum 29. September 2013 zu sehen

(Pressemitteilung Nr. 260/2013 vom 08.07.2013)

Marburg-Biedenkopf – Das Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf zeigt in der Ausstellung „Lebensstationen um 1900“ Gegenstände aus dem städtischen Leben der wilhelminischen Kaiserzeit. Präsentiert werden Objekte, die bedeutende Ereignisse im Leben der Menschen vor rund 100 Jahren begleiteten. „Es werden die wichtigen Lebensstationen Geburt, Kindheit und Schule, Konfirmation und Berufsausbildung, Beruf und Militärzeit, Hochzeit und soziales Leben sowie Sterben und Trauer thematisiert und durch zahlreiche Exponate veranschaulicht“, sagte Landrat Robert Fischbach bei der Ausstellungseröffnung. Ziel sei es nicht, die Ereignisse und historischen Abläufe der Zeit um 1900 aufzuzeigen und zu beleuchten, sondern vorrangig Ereignisse darzustellen, die den Personen- oder Berufsstand eines Menschen veränderten. 

Neben Säuglingswäsche werden städtische Kleidungsstücke Erwachsener - darunter auch ein schwarzes Hochzeitskleid -gezeigt. Ein Augenmerk der Ausstellung liegt auf Gegenständen der Gedenk- bzw. Erinnerungskultur von Ereignissen wie Taufe, Hochzeit und Tod.

Zum Beispiel wird unter anderem auf die Schulzeit hingewiesen. Die Schulpflicht begann mit dem vollendeten sechsten Lebensjahr. Wie regelmäßig das Kind die Schule besuchte, hing oft von der Arbeit ab, die das Kind zum gemeinsamen Unterhalt der Familien beizutragen hatte. Gerade in ländlichen Gebieten konnte in den Sommermonaten auf keine helfende Hand verzichtet werden. Unregelmäßiger Schulbesuch und eine geringe Kontrolle der Lernerfolge hatten zur Folge, dass viele Kinder beim Verlassen der Schule nur über elementare Kenntnisse im Lesen und Schreiben sowie Rechnen verfügten. Reichsweit endete für über 90 Prozent der Kinder um 1900 die Schulkarriere nach der Volksschule. Nur wenige Schüler besuchten weiterführende Schulen.

Ein weiteres Beispiel ist die Zeit der Lehre. Drei Viertel aller Jugendlichen, unter ihnen überwiegend männliche Jugendliche, erlernten einen Beruf. Die Lehrzeit - für die ein Lehrgeld zu entrichten war - dauerte in der Regel drei bis vier Jahre. Eine Berufschulpflicht wurde erst 1918 eingeführt, vorrangig in Großstädten wurde dieses Bildungsangebot bereits von vielen Schülern angenommen. Aber auch in Biedenkopf sowie in umliegenden Gemeinden gab es Gewerbeschulen, die praktischen orientierten, berufsbezogenen Unterricht anboten. 

Neben den anderen Bereichen werden schließlich auch die Themen „Sterben und Trauer um 1900“ behandelt. Um 1900 lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei Frauen um 69 Jahre. Männer wurden im Schnitt 66 Jahre alt. Nur wenige konnten somit Anspruch auf ihre Altersrente erheben, deren Eintrittsalter damals bei 70 Jahren lag. In der Regel starb ein Mensch um 1900 zu Hause im eigenen Bett. Auch durch diesen Aspekt war das Sterben im Leben der Menschen viel gegenwärtiger als heute. Bis heute haben sich viele Riten um Sterben und Trauer erhalten, wenn sie auch nicht immer unmittelbar und in allen Einzelheiten von den hinterbliebenen Angehörigen durchgeführt werden. Während einige Bräuche rund um Sterben und Trauer auf dem Land im Hinterland bereits gut dokumentiert wurden, fehlen bislang Angaben zu Trauerriten in Biedenkopf. 

Diese interessante Ausstellung ist noch bis zum 29. September 2013 im Schloss in Biedenkopf zu sehen.

Landrat Robert Fischbach (rechts) eröffnete in Biedenkopf die SOnderausstellung Lebensstationen um 1900, die noch bis zum 29. September 2013 zu sehen ist. Foto: Landkreis
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Landrat Robert Fischbach (rechts) eröffnete in Biedenkopf die SOnderausstellung Lebensstationen um 1900, die noch bis zum 29. September 2013 zu sehen ist.
Foto: Landkreis

Schulbücher aus dem Kaiserreich zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Schulpflicht begann mit dem vollendeten sechsten Lebensjahr, allerdings konnten viele Kinder wegen der nötigen Mitarbeit in den Familien nicht regelmäßig am Schulunterricht teilnehmen. Foto: Landkreis
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Schulbücher aus dem Kaiserreich zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Schulpflicht begann mit dem vollendeten sechsten Lebensjahr, allerdings konnten viele Kinder wegen der nötigen Mitarbeit in den Familien nicht regelmäßig am Schulunterricht teilnehmen.
Foto: Landkreis

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