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Mit Gülle düngen die Landwirte Pflanzen – Wenn die „Landluft“ den Anliegern stinkt: Kreis informiert und wirbt für gegenseitiges Verständnis
(Pressemitteilung Nr. 245/2012 vom 26.06.2012)
Marburg-Biedenkopf – Für die einen ist es augenzwinkernd „Landluft“, für die anderen ist es nur ekelhafter Gestank. Wenn Landwirte Gülle auf die Felder fahren, scheiden sich die Geister. Milchvieh- und Schweinehaltung sind wichtige Produktionszweige für die landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Tierhaltung gehört hier zur Landwirtschaft und zur Region. Die Ausscheidungen der Tiere, die Gülle, bringen die Landwirte als Dünger wieder auf ihre Felder. Das ist ein natürlicher und biologischer Kreislauf.

„Das Ziel ist für Landwirte und Landbewohner eigentlich das Gleiche: Der im Dünger enthaltene Stickstoff soll von den Pflanzen genutzt werden und möglichst wenig in das Grundwasser oder in die Luft gelangen“, erläuterte Landrat Robert Fischbach. Er wirbt dabei um Verständnis für beide Seiten. Sowohl die Interessen der Landbewohner, denen es manchmal stinkt wenn sie wandern, grillen oder nur lüften wollen, als auch die Interessen der Landwirte müssten nebeneinander bestehen können. „Gegenseitiges Verständnis und miteinander reden hilft, Konflikte zu vermeiden“, bekräftigt der Landrat.

Durch die Tiere, Rinder und Schweine, entsteht ein wertvoller organischer Dünger mit hohen Gehalten an wichtigen Nährstoffen für die Pflanzenernährung. Stallmist und Gülle enthalten neben Phosphat und Kalium größerer Mengen Stickstoff in Form von Ammonium, Nitrat oder in organisch gebundener Form. Die Nährstoffe werden über das Futter für die Tiere der Fläche entnommen und der Kreislauf schließt sich, wenn sie als Dünger wieder zurück auf der Fläche ausgebracht werden. Der Stickstoff kann und soll von den Kulturpflanzen über die Wurzeln aufgenommen werden und diese ernähren.

Auf der anderen Seite besteht aber die Möglichkeit, dass bei der Ausbringung und kurz danach der Ammoniumstickstoff als stinkendes Ammoniak in die Luft entweicht oder der Nitratstickstoff in das Grundwasser gelangt, wenn zu viel zum falschen Zeitpunkt gedüngt wird. „Wirtschaftsdünger, besonders Gülle, muss zeitlich gezielt in nicht zu großen Mengen in das Wachstum und damit den Bedarf der Pflanzen gedüngt werden. Das bedeutet, dass die Gülle im Spätherbst und Winter im Lager verbleibt und im Frühjahr und Sommer ausgebracht wird“, erklären die Fachleute vom Fachdienst Landwirtschaft des Landkreises. Wirtschaftsdünger muss möglichst auf alle Flächen verteilt werden, um Überschüsse auf Einzelflächen zu vermeiden. Bei dichter Bebauung bedeutet das allerdings, dass auch ortsnah gedüngt werden muss.

„Auch die Landwirte sind darum bemüht, dass es weniger stinkt“, ist sich Landrat Fischbach sicher. Gänzlich vermeiden lasse sich das Problem aber trotz optimierter Technik nicht. Und man dürfe auch nicht vergessen: Landwirte bringen die Gülle nicht zum Spaß auf die Felder: Die gedüngten Pflanzen und auch die Tiere, die die Gülle erzeugen, dienen dem Menschen als Nahrung oder Energieträger. „Wenn wir Fleisch oder Milchprodukte im Supermarkt kaufen, ist das ja nicht sprichwörtlich vom Himmel gefallen. Es wurde vielmehr von Landwirten produziert“, unterstreicht der Landrat.

Stoßzeiten der Gülledüngung sind im Frühjahr vor der Aussaat des Sommergetreides wie Mais oder Sommergerste und nach den Grasernten sowie im Sommer nach der Getreideernte. Bodenzustand und Wetter bestimmen den Zeitpunkt der Ausbringung mehr als das nahende Wochenende. Trotzdem sollte es möglich sein, sensible Flächen nur einmal im Jahr oder gar nicht mit flüssigem Wirtschaftsdünger zu düngen. Auch trägt es sehr zur Entspannung bei, vor der Düngung Anlieger über die bevorstehende Situation zu informieren und um Verständnis zu werben.

Je heißer der Tag und je höher die Flugbahn des flüssigen Düngers durch die Luft, desto mehr Ammoniak verteilt sich über das Land. Gülle muss bodennah ausgebracht werden. Bis 2015 wird veraltete Technik an den Güllefässern verschwunden sein. Moderne Fässer bringen die Gülle über Schleppschläuche aus oder der Dünger wird zum Boden hin abgestrahlt.

Je schneller der Dünger mit dem Boden vermischt wird, desto weniger kann der Sauerstoff der Luft mit dem Ammonium zu Ammoniak reagieren. Wird flüssiger Wirtschaftsdünger nicht in einen bestehenden Pflanzenbestand, sondern auf den blanken Acker ausgebracht, muss er binnen vier Stunden eingearbeitet werden.

Weitere Informationen im Internet:
Die für die Düngung relevanten gesetzlichen Grundlagen sind im Internet unter www.marburg-biedenkopf.de und dann Ländlicher Raum/Landwirtschaft/Landbewirtschaftung einzusehen.
  Gülle muss bodennah ausgebracht werden. Bis 2015 wird veraltete Technik an den Güllefässern verschwunden sein. Moderne Fässer bringen die Gülle über Schleppschläuche aus oder der Dünger wird, wie auf diesem Bild zum Boden hin abgestrahlt. (Foto: Landkreis)
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Gülle muss bodennah ausgebracht werden. Bis 2015 wird veraltete Technik an den Güllefässern verschwunden sein. Moderne Fässer bringen die Gülle über Schleppschläuche aus oder der Dünger wird, wie auf diesem Bild zum Boden hin abgestrahlt.  (Foto: Landkreis)

 

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