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Steht das erfolgreiche Projekt „BLEIB in Hessen“ zur Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen vor dem Aus? – Kopfschütteln und großes Unverständnis für die Entscheidung des Bundes

(Pressemitteilung 237/2015 vom 19.06.2015)

Marburg-Biedenkopf – Beim letzten Treffen des Runden Tischs Integration für den Landkreis Marburg-Biedenkopf wurde bekannt, dass das erfolgreiche Projekt zur Arbeitsmarktintegration von Bleibeberechtigten und Flüchtlingen nicht mehr fortgesetzt werden soll. Der Kooperationsverbund mehrerer freier Träger und Vereine, der vom Mittelhessischen Bildungsverband in Marburg koordiniert wird, hatte gerade die entsprechende telefonische Nachricht aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales erhalten.

Kopfschütteln und großes Unverständnis für diese Entscheidung war die einhellige Reaktion aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Das wird eine große Lücke reißen, waren sich die Vertreterinnen und Vertreter der beruflichen Schulen, von Beratungsstellen, der Agentur für Arbeit und der Landkreis einig. Von BLEIB in Hessen wurden viele Flüchtlinge in Arbeit oder die bestehenden Systeme hineingeführt und dabei eng begleitet.

„Diese „Lotsenfunktion“ wird fehlen, von allein finden viele Flüchtlinge nicht den Weg zu Arbeit, Ausbildung oder auch zunächst zum Sprachkurs“, stellte Marian Zachow, Erster Kreisbeigeordneter des Landkreises Marburg-Biedenkopf, fest. Die rechtlichen Bestimmungen sind so kompliziert, dass selbst Fachleute in den Institutionen sich gerne den Rat der „Spezialisten für Flüchtlinge“ holen. „BLEIB in Hessen kann uns dabei helfen, den Fachkräftebedarf unserer Unternehmen zu decken“, ist sich der Leiter der Agentur für Arbeit Marburg, Volker Breustedt, sicher.

Gerade in den Zeiten steigender Flüchtlingszahlen wird die Fortsetzung des Projekts als unbedingt notwendig betrachtet. Der Runde Tisch Integration appelliert deshalb an die Bundesregierung, die Finanzierung von „BLEIB in Hessen“ fortzusetzen.

Hintergrund:

„BLEIB in Hessen“ wird von einem Kooperationsverbund mehrerer freier Träger und Vereine bereits seit 2010 (mit dem Vorgängerprojekt „BLEIB in Mittelhessen“ seit 2008) umgesetzt, darunter sind auch die Praxis GmbH in Marburg und der Hessische Flüchtlingsrat in Frankfurt. In den letzten vier Jahren wurden durch das Netzwerk circa 1.500 Flüchtlinge arbeitsmarktlich gefördert und beraten. Dabei konnten 25 % in Arbeit und 50 % in Sprachkurse vermittelt werden. „BLEIB in Hessen“ ist ein zentraler Schnittpunkt zwischen Arbeitsmarkt, KreisJobCenter und Agentur für Arbeit mit den Fördermöglichkeiten auf der einen Seite und den Flüchtlingen auf der anderen. Eine individuelle und intensive Begleitung ist für viele Flüchtlinge notwendig, um den komplizierten Weg in Arbeit oder Ausbildung zu finden. Waren zunächst Flüchtlinge mit langer Aufenthaltsdauer und rechtlichen Einschränkungen im Zugang zum Arbeitsmarkt die zentrale Zielgruppe des Projekts, wurden durch die steigenden Flüchtlingszahlen in den letzten zwei Jahren zunehmend auch jüngere Flüchtlinge mit kürzerer Aufenthaltsdauer von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Projekts beraten und begleitet.

Die Finanzierung des Projekts über das Bundesministerium für Arbeit und Soziales aus dem „ESF-Bundesprogramm zur arbeitsmarktlichen Unterstützung für Bleibeberechtigte und Flüchtlinge mit Zugang zum Arbeitsmarkt“ läuft am 30.6.2015 aus. „BLEIB in Hessen“ hatte sich für das Folgeprogramm ab 1.7.2015 beworben, nun aber eine Absage erhalten.

Der Runde Tisch Integration des Landkreises wurde 2004 ins Leben gerufen. Über 100 öffentliche Einrichtungen, Freie Träger, Vereine, Migrantenorganisationen und Einzelpersonen sind beteiligt und beraten und begleiten die Entwicklung hin zu einer Gesellschaft der Vielfalt und Offenheit für verschiedene kulturelle, religiöse und soziale Hintergründe und Orientierungen. Das Netzwerk wird koordiniert vom Büro für Integration des Landkreises Marburg-Biedenkopf und trifft sich fünf bis sechs Mal im Jahr.

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