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23 neue Dolmetscher helfen Migranten über Sprachbarrieren im Sozial- und Gesundheitswesen – Dr. McGovern: „Gesundheit ist ein wichtiger Schlüssel zur erfolgreichen Integration“ / Übersetzer erhalten nach spezieller Ausbildung ihre Zertifikate

(Pressemitteilung Nr. 72/2012 vom 27.02.2012)
Marburg-Biedenkopf – Von „A“ wie Albanisch bis „Z“ wie Zazaki, einer kurdischen Sprache: Mit der Ausbildung weiterer Dolmetscher hat der Landkreis Marburg-Biedenkopf seinen Dolmetscherdienst für das Sozial- und Gesundheitswesen erweitert. Nach intensiver Schulung stehen nun 23 weitere Dolmetscherinnen und Dolmetscher für den Einsatz bereit. Insgesamt 42 Übersetzer decken 32 verschiedene Sprachen ab. Die Männer und Frauen wurden in einer 50 Stunden dauernden Ausbildung speziell für den Einsatz im Sozial- und Gesundheitswesen vorbereitet. Der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern überreichte den neuen Dolmetscherinnen und Dolmetschern, die auf Honorarbasis arbeiten, am Samstag im Landratsamt ihre Zertifikate.

„Gerade die Gesundheit ist ein wichtiger Schlüssel zur erfolgreichen Integration. Fehlinformationen oder Unkenntnis über Aufbau und Struktur des Gesundheitswesens, über Erkrankungen, Therapien und Vorsorgemöglichkeiten können Migranten den Zugang zum Gesundheitswesen erschweren“, betonte Dr. McGovern. „Unser Ziel ist es, Migrantinnen und Migranten im Landkreis Marburg-Biedenkopf einen besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung und zu sozialen Diensten zu verschaffen“, so Dr. McGovern weiter. Kommunikationsbarrieren seien der Hauptgrund dafür, dass Migrantinnen und Migranten weder ausreichend über Gesundheitsangebote und soziale Dienste informiert sind noch diese optimal in Anspruch nehmen können.

„Ärzte, Pflegekräfte und Berater stoßen mangels eigener Kenntnisse über Sprache und Kultur von Menschen nichtdeutscher Herkunft beim Versuch der Verständigung oft an ihre Grenzen“, erläuterte Claus Schäfer, der Leiter des Büros für Integration des Kreises. Neben einer großen sprachlichen Kompetenz brächten die Dolmetscher deshalb natürlich auch Kenntnisse über kulturelle und religiöse Hintergründe mit, die oft wichtige Rahmenbedingungen darstellen, sagte Schäfer. Der Einsatz der Dolmetscherinnen und Dolmetscher für den direkten sprachlichen Austausch und ein Übersetzungsservice für schriftliche Mitteilungen seien Instrumente, um die Versorgung von Migrantinnen und Migranten weiter zu verbessern. Die Bildung dieses Dienstes im Jahr 2009 geht auf das Demografie-Projekt des Landkreises sowie auf einen Beschluss des Kreistages zurück.

Die Ausbildung dauerte 50 Stunden und fand an Wochenenden statt. Inhalte waren unter anderem:
• Struktur des Sozial- und Gesundheitswesens und medizinische Grundbegriffe
• Ethische und rechtliche Grundlagen des Dolmetschens
• Kulturelle Aspekte von Gesundheit und Krankheit im Migrationskontext
• Übersetzungstechniken und Gestaltung von Übersetzungssituationen
• Übungen zum trennscharfen Übersetzen
• Das Vorgespräch, das Hauptgespräch und das Nachgespräch
• Organisatorische Grundlagen

Ausbildungsleiterin war Eva Klein, Hauptreferent Ramazan Salman, Leiter des Ethnomedizinischen Zentrums Hannover und des ersten öffentlichen Dolmetscherdienstes in Deutschland. Kliniken und soziale Dienste aus dem Landkreis waren als Kooperationspartner beteiligt. Am Ende der Ausbildung stand eine Prüfung.

Der Dolmetscherservice, darin sind sich die Organisatoren einig, bringt Vorteile für Patienten, Ärzte und Pflegekräfte, für Einrichtungen, Krankenkassen und die Dolmetscher selbst. Patienten wird ein eigenständiges Gesundheitsmanagement durch bessere Information und Orientierung ermöglicht. Dadurch werden auch unnötige Belastungen vermieden und Komplikationen verringert. Ärzte und Pflegekräfte bekommen zudem einen besseren Kontakt zu ihren Patienten. Sie können, insbesondere vor Eingriffen, die Informations- und Aufklärungspflicht sicherstellen und auch die Beteiligung der Patienten an der Behandlung (Compliance) wird verbessert. Einrichtungen können durch die verbesserte Verständigung mit den Patienten deren Verweildauer im Krankenhaus verkürzen, Fehl- oder Mehrfachbehandlungen vermeiden und durch Einbeziehung und Anleitung von motivierten Angehörigen viel im Bereich der Vorbeugung erreichen.

Für die Krankenkassen bedeutet der Einsatz des Dolmetscherdientes eine Kosteneinsparung durch die Sicherung gleichbleibender Übersetzungs-Qualität, durch eine Optimierung der Gesundheitsversorgung und einer Vermeidung hoher Folgekosten. Auch die Motivation zur Mitarbeit bei Patienten und Angehörigen wird verbessert. Die Dolmetscherinnen und Dolmetscher selbst haben den Vorteil bezahlter Arbeit mit Expertentätigkeit für Migrantinnen und Migranten, verbunden mit einer Steigerung der Einsatzdichte und einem verlässlichen Honorar.

Organisiert wird der Dolmetscherservice vom Fachbereich Gesundheit und vom Büro für Integration des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Angefordert werden können die Dolmetscher über die Koordinierungsstelle beim Fachbereich Gesundheit (Telefon: 06421 405-4185). Die Kosten für den Dolmetschereinsatz setzen sich aus dem Honorar für den Dolmetscher und Fahrtkosten zusammen.
 

  Der Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernent Dr. Karsten McGovern überreichte den neuen Dolmetscherinnen und Dolmetschern für das Sozial- und Gesundheitswesen ihre Zertifikate.  (Foto: Landkreis)
Der Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernent Dr. Karsten McGovern (vorne, rechts) überreichte den neuen Dolmetscherinnen und Dolmetschern für das Sozial- und Gesundheitswesen ihre Zertifikate. (Foto: Landkreis)


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