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Gemeinsame Pressemitteilung: Kreis und Arbeitsagentur kümmern sich gemeinsam um Flüchtlinge – Programm „VOICE“ stärkt das Miteinander und erleichtert Einstieg und Orientierung in Arbeitsmarkt, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft

(Pressemitteilung 213/2015 vom 10.06.2015)

Marburg-Biedenkopf – Der Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Marburg-Biedenkopf, Marian Zachow, und der Leiter der Arbeitsagentur Marburg, Volker Breustedt, haben am Dienstag in Marburg das gemeinsame Programm „VOICE“ vorgestellt. Mit diesem Programm soll Flüchtlingen Einstieg und Orientierung in Arbeitsmarkt, Wirtschaft und Gesellschaft erleichtert werden. VOICE steht als Kürzel für die fünf Säulen des Programms: „vocational“ (Berufe kennenlernen), „orientation“ (Orientierung), „information“ (Information), „culture“ (Kultur) und „experience“ (Erlebnis). Der englische Begriff „Voice“ bedeutet auch Stimme – das Programm dient auch dazu, Flüchtlingen eine Stimme zu geben.

„Wir haben das Ziel, den Spracherwerb für Flüchtlinge zu erleichtern, indem wir gemeinsam neue Möglichkeiten zum Einstieg und Kennenlernen der regionalen Arbeits- und Wirtschaftswelt, aber auch zu kulturellen und gesellschaftlichen Leben eröffnen“, so der Chef der Marburger Arbeitsagentur Volker Breustedt. „Das Projekt ist ein erster Schritt, um die Willkommenskultur zur Miteinanderkultur weiterzuentwickeln“, ergänzte Marian Zachow. Menschen willkommen zu heißen sei nur der Anfang. Es müssten die nächsten Schritte gegangen werden, damit aus dem Flüchtling von heute der Nachbar, Vereinskamerad und Arbeitskollege von morgen werde. Dafür spiele der Einstieg in den Arbeitsmarkt die entscheidende Rolle – und dazu diene das Projekt VOICE.

„Das innovative und in gewisser Weise Einzigartige an diesem Programm ist der ganzheitliche Ansatz“, erläuterte Zachow, der als Dezernent sowohl für Integration als auch für das KreisJobCenter (KJC) zuständig ist. „Wir sind davon überzeugt, dass Spracherwerb, Einstieg in den Arbeitsmarkt, Kennenlernen und Hineinwachsen in Kultur- und Wirtschaftsleben keine verschiedenen Schritte sind. Vielmehr sind es untrennbar zusammengehörige Facetten der gleichen Aufgabe: Menschen, die als Flüchtlinge hierhergekommen sind, schnellst möglich Teilhabe und Zugehörigkeit zu ermöglichen. Sowohl am Arbeitsplatz, als auch in Kultur und Gesellschaft“, unterstrich Zachow. Je früher Integration beginne, desto mehr könnten alle davon profitieren, betonte Volker Breustedt.

Um dies zu erreichen, hat seit Jahresanfang unter der Leitung des Ersten Kreisbeigeordneten eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe die Arbeit aufgenommen. Neben der Arbeitsagentur war der Landkreis Marburg-Biedenkopf mit den Bereichen Wirtschaftsförderung, Büro für Integration, Fachbereich Ordnung und Verkehr sowie KreisJobCenter vertreten. Ziel war die Entwicklung und Umsetzung eines Konzeptes zur vernetzten Integration.

„Mit VOICE haben wir Anfang des Monats gemeinsam das vernetzte Konzept gestartet, mit dem ein zukunftsweisender Weg eingeschlagen werden kann. Sprache ist eine wichtige Voraussetzung für gesellschaftliche Integration, aber auch für Arbeitsmarktintegration. Gleichzeitig ist Arbeitsmarktintegration aber auch die beste Chance, in eine Sprache hineinzuwachsen“, erläuterte Volker Breustedt. „Nirgendwo lernt man eine Sprache so gut wie im Gespräch mit Arbeitskollegen oder im regen Austausch mit Anderen“. Deswegen ziele VOICE darauf ab, gerade in der Arbeitswelt so viele Sprachanlässe wie möglich zu schaffen. Eine Besonderheit dieses Projektes ist, dass diese Integration mit fundierten Sprachkursen begleitet wird.

Deswegen werden unter dem Projektbaustein „vocational“ auch Spracherwerb und Arbeitswelt miteinander verknüpft. Bereits in diesem Monat nehmen 15 Flüchtlinge eine auf neun Monate angelegte Arbeitsgelegenheit beim Kooperationspartner Integral auf. Diese Arbeitsgelegenheiten sind auf vier Tage die Woche angelegt. Der fünfte Tag dient einem Sprachkurs, in dem die in der Arbeitswelt erworbenen spezifischen Sprachkenntnisse vertieft werden. Im kommenden Herbst sollen 15 weitere Flüchtlinge dieses Programm durchlaufen. Außerdem verbirgt sich unter „vocational“ eine intensive und über Zuständigkeitsgrenzen hinweg vernetzte Arbeitsmarktberatung und Information für alle Flüchtlinge, unabhängig von ihrem rechtlichen Status. Seit 1. Juni ist das gemeinsame Arbeitsmarktbüro für Flüchtlinge von KJC, Arbeitsagentur und Büro für Integration aktiv.

Zur Information („information“) über den Einstieg in den Arbeitsmarkt sollen jeweils am Dienstag- und Donnerstagnachmittag Besichtigungen und Informationsbesuche in Unternehmen und gesellschaftlichen Einrichtungen beitragen. Diese Veranstaltungen richten sich an alle interessierten Flüchtlinge in der Region Marburg-Biedenkopf. Hier soll ein erster Einblick in die regionale Wirtschaftsstruktur gegeben werden, aber natürlich auch das Einleben in der Region erleichtert werden. Diese Orientierungen werden vertieft durch kurze Einführungen, die in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Nah- und Mitteloststudien der Marburger Philipps-Universität derzeit in arabischer Sprache erarbeitet werden.

Daneben bieten KreisJobCenter und Arbeitsagentur unter dem Baustein Orientierung („orientation“) gemeinsame Kennenlerntage speziell für Flüchtlinge an, an denen ein erster Überblick über die Strukturen des deutschen Arbeits- und Sozialsystems gegeben wird. Außerdem finden mehrsprachige Informationsveranstaltungen zum Arbeitsmarkt statt.

Weil aber das Hineinwachsen in unsere Region nicht nur aus ökonomischem Wissen besteht, soll auch der Bereich Kultur („culture“) nicht vernachlässigt werden. Hier bietet das Programm VOICE kulturelle Veranstaltungen für Flüchtlinge an. Auch dieser Teil des Programms ist grundsätzlich für alle Flüchtlinge offen.

Abgerundet wird das Programm durch Angebote und Veranstaltungen unter dem Stichwort „experience“: Hierzu gehören unter anderem Theaterworkshops und andere handlungsorientierte Angebote. Teilnehmen an den offenen Veranstaltungen von VOICE kann ebenfalls jeder interessierte Flüchtling. Fahrtkosten für Besuche und Besichtigungen können jeweils zur Hälfte übernommen werden.

Das Büro für Integration des Kreises und die Sozialarbeiter, die sich um die Flüchtlinge kümmern, sind die Schnittstellen, Ansprechpartner und Kontaktmöglichkeiten. Der Kreis finanziert das Programm VOICE und erhält eine Förderung des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration.

Gemeinsamer Einsatz für eine gelebte Kultur des Miteinanders (im Uhrzeigersinn): Claus Schäfer (Büro für Integration), Denise Ulbrich (Fachbereich Ordnung und Verkehr), Dr. Frank Hüttemann (Stabsstelle Wirtschaftsförderung), Andrea Martin (KreisJobCenter), Volker Breustedt (Agentur für Arbeit, Marburg), Marian Zachow (Erster Kreisbeigeordneter) und Rainer Flohrschütz (Büro für Integration)  haben in Marburg das gemeinsame Programm „VOICE“ vorgestellt. Mit diesem Programm soll Flüchtlingen Einstieg und Orientierung in Arbeitsmarkt, Wirtschaft und Gesellschaft erleichtert werden. (Foto: Andreas Schmidt)

Gemeinsamer Einsatz für eine gelebte Kultur des Miteinanders (im Uhrzeigersinn): Claus Schäfer (Büro für Integration), Denise Ulbrich (Fachbereich Ordnung und Verkehr), Dr. Frank Hüttemann (Stabsstelle Wirtschaftsförderung), Andrea Martin (KreisJobCenter), Volker Breustedt (Agentur für Arbeit, Marburg), Marian Zachow (Erster Kreisbeigeordneter) und Rainer Flohrschütz (Büro für Integration)  haben in Marburg das gemeinsame Programm „VOICE“ vorgestellt. Mit diesem Programm soll Flüchtlingen Einstieg und Orientierung in Arbeitsmarkt, Wirtschaft und Gesellschaft erleichtert werden.

(Foto: Andreas Schmidt)

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