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Wissenschaftler beleuchtet Mitverantwortung der Kommune in der Entwicklung der Altenhilfe – Landkreis und Universitätsstadt widmeten sich gemeinsam den „Gestaltungsmöglichkeiten bedürfnisorientierter Altenhilfe“

(Pressemitteilung 205/2016 vom 19.05.2016)

Marburg-Biedenkopf – Für die Einbeziehung kommunaler Ressourcen, Strukturen und Kompetenzen in die Pflegeinfrastruktur sprach sich Professor Dr. Thomas Klie anlässlich der Beendigung der gemeinsam durch den Landkreis und die Universitätsstadt veranstaltete Vortragsreihe aus.


Der als einer der führenden Sozialwissenschaftler in Deutschland geltende Freiburger Professor ging in seinem Vortrag unter dem Titel „Sorge und Mitverantwortung in der Kommune“, den Voraussetzungen für den Aufbau und die Sicherung zukunftsfähiger Gemeinschaften auf den Grund. Dabei beleuchtete er auch die philosophischen und ethisch-moralischen Hintergründe kommunaler Zukunftsgestaltung. 


Dabei würden Bilder von Alter und Altern benötigt, die Zuversicht stiften. In der Gemeinschaftsgestaltung müsse der Blick von der Pflicht zur Tugend gehen. „Engagement gelingt aus dem Bedürfnis nach sozialer Bezogenheit heraus. Ebenso dazu gehört die Aufwertung des Lokalen sowie die Wahrnehmung und Würdigung von Vielfalt“, erläuterte Professor Klie. Auch die Wiederentdeckung echter Subsidiarität, also dem Streben nach Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und die Entfaltung der Fähigkeiten des Einzelnen seien ebenso wichtige Bestandteile, wie der Blick auf den Zusammenhang von gesellschaftlichen Strukturen und Voraussetzungen zum Engagement. „Geschlechtergerechtigkeit und ein Hilfe-Mix Freiwilliger mit Profis und Trägern sind zentrale Grundlagen“, unterstrich der Sozialwissenschaftler von der Evangelischen Hochschule Freiburg.


Als Leitbild stellte Klie die Sorgende Gemeinschaft vor: In der Gemeinde oder Kommune sorgen sich alle genauso um Zukunftsfähigkeit, Kinder, geflüchtete Menschen wie um Integration, Werte und Spiritualität, um die Anderen, Sterbende und Trauernde.


Professor Klie skizzierte die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für das Gelingen zukunftsfähiger Gemeinschaften. Dabei plädierte er für die Einbeziehung kommunaler Strukturen und Kompetenzen in der Pflegeinfrastruktur. Erste Schritte zur nötigen Stärkung der Kommunen seien im Pflegestärkungsgesetz III vorgesehen. Aber auch eine Flexibilisierung des Leistungsrechts hat Klie gefordert, wie zum Beispiel die Umstellung auf Sachleistungsbudgets und Sozialraumbudgets.


In der anschließenden Diskussion wurde die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens als neue Basis für gesellschaftlich dringend benötigtes freiwilliges Engagement angeregt, nach Wegen zur Förderung der Hilfe-Akzeptanz gefragt und angemahnt, dass gutes Altern weit mehr ist als Pflege. Auch strukturelle Veränderungsbedarfe im Pflegegesetz und insbesondere der kommunalen Rolle sind diskutiert worden.


„Der Vortrag von Professor Klie war eine gute Grundlage zur Weiterentwicklung der Strukturen in Stadt und Landkreis sowie ihrer Nachbarschafts- und Beteiligungsprojekte“, waren sich Landrätin Kirsten Fründt und Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies einig.

Über politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen für eine gute Altenhilfe sprach Professor Dr. Klie.  Foto: Landkreis Marburg-Biedenkopf

Über politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen für eine gute Altenhilfe sprach Professor Dr. Klie.

Foto: Landkreis Marburg-Biedenkopf

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