Link auf das Hauptmenü Link auf die Untermenüpunkte Link auf Inhaltsbereich
Arbeit des Jugendamtes: Das Netzwerk Frühe Hilfen – Prävention lohnt sich – Ziel des Landkreises: Nicht erst reagieren, wenn etwas passiert ist
(Pressemitteilung Nr. 204/2013 vom 12.06.2013)

Marburg-Biedenkopf – Für einen guten Start ins Familienleben informieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamtes Familien über Unterstützungs- und Beratungsangebote der Jugendhilfe, damit junge Familien von Anfang an wissen, an wen sie sich wenden können, wenn sie Hilfe brauchen. Unter dem Stichwort „Frühe Hilfen“ werden zahlreiche Angebote zusammengefasst, die der Landkreis Marburg-Biedenkopf beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Universitätsstadt Marburg und anderen Trägern Schwangeren und jungen Familien macht.

„Frühe Hilfen sind ein wichtiger Schlüssel, um die Chancen von Eltern und Kindern für eine umfassende gesellschaftliche Teilhabe zu verbessern, insbesondere wenn sie aus belasteten Lebenssituationen kommen. Unser erklärtes Ziel ist es dabei, nicht erst zu reagieren, wenn etwas passiert ist, sondern mit Frühen Hilfen vorbeugend zu unterstützen“, erläuterte der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern. Dadurch könnten familiäre Belastungen frühzeitig erkannt werden und Familien rechtzeitig die Unterstützung erhalten, die sie benötigen. „Auf diese Weise trägt das Jugendamt dazu bei, das Wohl von Kindern von Anfang an zu schützen“, so Dr. McGovern.

„Eine besondere Stärke der frühen Hilfen ist die enge und fachgebietsübergreifende Zusammenarbeit sowie die Stärkung sozialer und familienbezogener Netzwerke. So arbeiten in der Praxis zum Beispiel Familienhebammen und pädagogische Fachkräfte Hand in Hand“, so Uwe Pöppler, Leiter des zuständigen Fachbereichs Familie, Jugend und Soziales beim Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Was hinter den Frühen Hilfen steckt, lässt sich in einem Satz auf den Punkt bringen: „Keiner soll durchs Netz fallen“, so Dr. McGovern. „Wir haben durch Hausbesuche und ständige Beratungen eine Art Frühwarnsystem. Riskante Entwicklungen können wir so am besten erkennen. Bevor die Probleme größer werden, können wir dann gezielt Unterstützung anbieten. Für mich ist das Prävention pur und die zahlt sich auch aus. Jede frühe Hilfe ist unterm Strich günstiger und wirkungsvoller als alles, was man später aufwendig versucht, ins Lot zu bringen“.

Das sich Frühe Hilfen rechnen, hat auch die Professorin Dr. Uta Meier-Gräwe von der Universität Gießen mit einer Kosten-Nutzen-Studie im Rahmen eines Modellprojektes des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen berechnet. Danach können frühe Hilfen im Lebensverlauf um ein Vielfaches günstiger sein als spätere Interventionen. „Je früher Risiken erkannt und Benachteiligungen aufgefangen werden, desto eher können Gefährdungen des Kindeswohls, deren Folgen und dadurch entstehende gesellschaftliche Folgekosten vermindert werden“, so Professorin Dr. Meier-Gräwe.

Mit seinem Engagement im Bereich der Frühen Hilfen steht der Landkreis Marburg-Biedenkopf nicht erst am Anfang, sondern ist bereits an vielfältigen Aktivitäten beteiligt. Dies war auch ausschlaggebend dafür, dass sich der Landkreis mit dem Jugendamt auf eine Förderung im Rahmen der „Bundesinitiative Netzwerke Frühe Hilfen und Familienhebammen 2012 – 2015“ beworben hat, um die Arbeit in diesem Bereich zu intensivieren. Das Land Hessen, für die Umsetzung hier zuständig, hat in einem vorläufigen Bescheid auch schon die Bereitstellung entsprechender Mittel für 2013 signalisiert. Ein Schwerpunkt der Förderung liegt im Aus- und Aufbau sowie der Weiterentwicklung von Netzwerken mit der Zuständigkeit für frühe Hilfen. Im Jugendamt wurden mit der Zuständigkeit von Brigitta Opdenhövel für die Koordination der Frühen Hilfen auch die entsprechenden personellen Voraussetzungen geschaffen.

Beispiele für die Frühen Hilfen im Landkreis sind folgende Angebote:

-           Das Projekt „Null bis Sechs“ des Landkreises sowie der Städte und Gemeinden in Trägerschaft des Kinderzentrums Weißer Stein Marburg-Wehrda e.V. bietet für Eltern und Kindertagesstätten eine präventive Beratung hinsichtlich Vorbeugung, Früherkennung und frühe Förderung an.

-           „Menschenskind“, ein Projekt, das durch den Fachbereich Gesundheit in enger Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Familie, Jugend und Soziales des Landkreises Marburg-Biedenkopf und dem Fachbereich Kinder, Jugend und Familie der Universitätsstadt Marburg ins Leben gerufen wurde, richtet sich als niedrigschwelliges Präventionsangebot an 0- bis 3-jährige Kinder und ihre Familien in besonders belasteten Lebenssituationen. In einem Tandem von einer Hebamme und einer sozialpädagogischen Fachkraft werden den Familien passgenaue Hilfsangebote zur Verfügung gestellt.

-           Unterstützung von zugewanderten Eltern mit Kindern von Geburt an bis zur Einschulung durch eine aufsuchende Elternschule seitens des Büros für Integration mit dem Kinderzentrum Weißer Stein Marburg-Wehrda e.V. Ziel ist hier die Verbesserung der Bildungs- und Zukunftschancen durch eine Unterstützung bei der Erziehung und Förderung der Kinder.

-           Entwicklung passgenauer flexibler Hilfen des Jugendamtes zur Verbesserung bestehender Hilfeangebote, beispielsweise mit Beteiligung von Familienhebammen.

-           Gemeinsam wurde von den Fachbereichen Gesundheit sowie Familie, Jugend und Soziales in Zusammenarbeit mit der Stadt Marburg, Philipps-Universität Marburg, Polizeidirektion Marburg-Biedenkopf, niedergelassenen Ärzten, Kinderschutzbund und der Interdisziplinären Frühförder- und Beratungsstelle Marburg-Biedenkopf ein Wegweiser „Zukunftswege bei Kindeswohlgefährdung“ erstellt.

-           Bereitstellung einer Informationsbroschüre „Hilfreiche Informationen für junge Eltern“ mit den Angeboten des Landkreises.

-           Online-Informationsportal als Wegweiser für familienfreundliche Angebote im Landkreis: www.familienwegweiser.org

Für Dr. McGovern hat sich der Landkreis vor dem Hintergrund sich verändernder Anforderungen an Familien mit der Entwicklung einer familien- und kindbezogenen Infrastruktur gut aufgestellt.

[ schliessen ]