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Exponat des Monats gibt Einblicke in die Nähkunst und in das Frauenleben in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf zeigt eine Sammelmappe mit Näh- und Stickmusterproben

(Pressemitteilung Nr. 203/2011 vom 03.06.2011)
Marburg-Biedenkopf – Das Exponat des Monats Juni 2011 im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf ist eine mit einer Kordel verschließbare hellbläuliche Sammelmappe, die im Inneren Proben von Näh- und Stickarbeiten enthält. In der Mappe befinden sich achtzehn farblich entsprechende Kartonagen mit aufgeklebten Stoffstücken, die verschiedene Näh- und Stickmusterproben zeigen. Auch Beispiele unterschiedlich geflochtener Schnüre enthält die Mappe.

Auf dem Einband der Mappe weist der handschriftlich geschriebene Ausdruck „Teilarbeiten“ auf die gesammelten Werke hin. Als ehemalige Besitzerin der Mappe wird „E. Homrighausen“ genannt. Elli Homrighausen, so der vollständige Name, wurde 1927 in Wallau an der Lahn geboren und besuchte in den Jahren 1943/44 die städtische Haushaltungs- und Gewerbeschule für Mädchen in Marburg an der Lahn. Sie starb im Alter von nur 17 Jahren im Oktober 1944 an den Folgen eines Bombenangriffes auf Wallau.

Die in der Mappe enthaltenen Nähproben wurden im Rahmen der Schulausbildung angefertigt. Handschriftlich wurde zu jedem Stück jeweils mit Tinte der Name verwendeten Näh- oder Sticktechnik verzeichnet.

Die gesammelten Arbeiten sind eine Dokumentation erlernter Arbeitstechniken und dienten eventuell als „Nachschlagewerk“ für Näh- und Stickarbeiten im Leben der Schülerinnen. Am Ende der Ausbildung sollten die Schülerinnen in der Lage sein, Ausbesserungsarbeiten mit nahezu unsichtbar eingesetzten Stoffflicken anzufertigen. Zum Lehrprogramm der Mädchenschule gehörte auch das Erlernen verschiedener Möglichkeiten, Wäsche zu stopfen und Besätze für Kleidungsschlitze anzufertigen. Die Arbeitsmappe enthält ferner Stoffstücke mit Schnittkantenbefestigungen, Eckbildungen und Verbindungen von glatten und krausen Stoffen. Daneben wurden verschiedene Flechttechniken zur Herstellung von Schnüren dokumentiert. Außerdem enthält die Mappe Stickproben mit verschiedenen Zierstichen und Hohlsäumen.

Das Abschlusszeugnis von Elli Homrighausen der Marburger Haushaltungs- und Gewerbeschule dokumentiert unter anderem Unterricht in „Handarbeit“, „Fachkunde für Näharbeit“, „Maschinennähen“ und „Ausbessern“. Außerdem erhielt sie eine Ausbildung in verschiedenen Pflegebereichen und sämtlichen Bereichen der Haushaltsführung. Der Besuch dieser und vergleichbarer Schulen diente in erster Linie nicht der Vorbereitung auf den Beruf einer Hauswirtschafterin. Vielmehr sollte das erlernte Wissen bei der Gründung eines eigenen Hausstandes angewendet werden.

Elli Homrighausen war die Großcousine von Heinrich Strohmann, dem Ehemann von Monika Strohmann aus Biedenkopf. Monika Strohmann stiftete bereits einige Gegenstände aus dem Besitz des Vaters von Elli Homrighausen, Friedrich Homrighausen, an das Museum. Die Stiftung der Mappe mit Näh- und Stickmusterproben und einiger persönlicher Dokumente erweitert die Museumssammlung von Gegenständen aus dem Frauenleben in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
 

  Monika Strohmann stiftete dem Hinterlandmuseum die Sammelmappe mit Näh- und Stickmusterproben. (Foto: Landkreis)
Monika Strohmann stiftete dem Hinterlandmuseum die Sammelmappe mit Näh- und Stickmusterproben.
(Foto: Landkreis)

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