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Hygiene und Absonderung kranker Tiere kann Ausbreitung von Virusinfektion bei Tieren stoppen – Amtstierärzte geben Tipps für Pferdehalter / Fachleute sehen derzeit kein erhöhtes Risiko

(Pressemitteilung 202/2016 vom 12.05.2016)

Marburg-Biedenkopf – In einem Pferdebestand im Landkreis Marburg Biedenkopf sind mehrere Pferde vermutlich an einer Herpesvirus-Infektion erkrankt. Konsequente Hygiene und die Trennung erkrankter Tiere von gesunden Pferden sind nach Auffassung der Amtstierärzte des Landkreises Marburg-Biedenkopf geeignete Maßnahmen, um die Verbreitung dieser Viruserkrankung einzudämmen.

„Das Ziel dabei ist, die Ausbreitung der Erkrankung innerhalb eines Tierbestandes und auch in andere Bestände zu verhindern“, erläuterte Dr. Gregor Busse vom Fachdienst Veterinärwesen des Kreises. „Wir können die aktuelle Verunsicherung der Pferdebesitzer nachvollziehen“, so Dr. Busse. Gleichwohl bestehe derzeit kein höheres Risiko – eine Einschätzung, die auch von Professor Dr. Kerstin Fey, Tiermedizinerin an der Gießener Justus-Liebig-Universität, geteilt werde. „Im verdächtigen Ausbruchsbestand wurden alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet, um eine Ausbreitung zu unterbinden. Weitere Bestände sind derzeit nicht betroffen“, sagte Dr. Busse.

Zwei erkrankte Pferde mussten in der Pferdeklinik der Justus-Liebig-Universität Gießen eingeschläfert werden. Drei weitere Pferde werden in der Pferdeklinik weiter beobachtet. Bei zwei Pferden, die noch im Ursprungsbestand gehalten werden, ist die anfängliche Fieberphase zwischenzeitlich zurückgegangen. Ein Virusnachweis im Labor, der das Vorliegen dieser Krankheit belegt, ist bislang jedoch noch bei keinem Tier gelungen.

Eine Herpes-Virusinfektion bei Pferden ist nach dem Tierseuchenrecht weder anzeige- noch meldepflichtig. Die Krankheit ist nicht auf den Menschen übertragbar und bei Pferden weit verbreitet. Die Infektion verläuft häufig symptomlos, kann aber auch zu schwerwiegenden Krankheitsbildern führen. Die Erkrankung macht sich meist durch anfängliches Fieber bemerkbar. Es können sich auch krankhafte Veränderungen der oberen Luftwege entwickeln, deren Symptome in der Regel nach einigen Tagen wieder abklingen. Möglich sind aber auch neurologische, also das Nervensystem betreffende Folgen in Form von Bewegungs- und Koordinationsstörungen, Lahmheiten oder auch Schwierigkeiten beim Absetzen von Harn und Kot.

„Das Virus wird vor allem durch direkten Kontakt als Schmier- oder Tröpfcheninfektion von infizierten Tieren auf gesunde Pferde übertragen. Aber auch indirekte Übertragungen durch verunreinigte Gegenstände und Personen, die das Virus an Händen, Schuhen und Kleidung trage, sind möglich“, erläutert der Veterinärmediziner Dr. Busse. Der Rat des Tierarztes: Nach dem Kontakt zu erkrankten oder verdächtigen Pferden die Hände desinfizieren und vor dem Kontakt zu anderen Pferden die Kleidung wechseln.

Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch erster Krankheitszeichen, kann 24 Stunden bis maximal drei Wochen betragen. Wie bei vielen Viruserkrankungen ist eine eigentliche Therapie nicht möglich; Behandlungsmaßnahmen erstrecken sich auf die Linderung der Symptome und Maßnahmen zu einer Unterbindung der Übertragung auf andere Pferde.

Verdächtige Tiere sollten getrennt und möglichst entfernt von anderen Pferden und auch möglichst weit entfernt von Plätzen mit hohen Menschenaufkommen und Tierverkehr gehalten werden. Das Virus kann in der Umgebung über mehrere Wochen infektiös bleiben, ist aber gut durch übliche Desinfektionsmittel zu inaktivieren. Eine Impfung ist möglich, derzeit sind jedoch in Deutschland zugelassene Impfstoffe vergriffen. Eine Impfung schützt auch nicht zuverlässig vor einer Infektion, sondern sie soll vielmehr dazu führen, den Schweregrad der Erkrankung und die Menge an ausgeschiedenem Virus bei geimpften Pferden zu reduzieren.

„Sofern die beschriebenen Hygiene- und Schutzmaßnahmen konsequent umgesetzt werden, ist eine Ausbreitung der Infektion in andere Bestände nicht zu erwarten. Daher besteht derzeit auch kein Anlass, von einer besonderen Gefährdungslage auszugehen“, so die Einschätzung von Dr. Busse.


Die Besonderheit der Infektion mit Herpesviren ist darin zu sehen, dass viele Pferde dauernd mit dem Virus infiziert sind, ohne dass sie Symptome zeigen. Aus nicht immer ersichtlichen Gründen wird bei einzelnen Pferden die Infektion aktiv und dann kann es zur Virusausscheidung kommen – die Herpesviren müssen also nicht von außen eingeschleppt werden. „Sehr oft wird eine Virusausscheidung von Fieber begleitet – eine einfache Maßnahme, solche Pferde früh entdecken und isolieren zu können, besteht also in der täglichen Temperaturkontrolle“, ergänzt Professor Dr. Kerstin Fey. Im Verdachtsfall oder bei Fragen sei der betreuende Tierarzt der richtige Ansprechpartner.


Gut verständliche Hinweise für Tierhalter zu Herpesvirusinfektionen sind im Internet auf der Seite der Tierärztlichen Hochschule Hannover unter http://www.tiho-hannover.de/kliniken-institute/kliniken/pferde/besitzerinformationen-zu-herpesvirusinfektionen abrufbar.

Tipps für Pferdehalter: Hygiene und Absonderung erkrankter Tiere kann Ausbreitung von Virusinfektion bei Pferden stoppen.  (Foto: Landkreis Marburg-Biedenkopf)

Tipps für Pferdehalter: Hygiene und Absonderung erkrankter Tiere kann Ausbreitung von Virusinfektion bei Pferden stoppen. 

(Foto: Landkreis Marburg-Biedenkopf)

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