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Einsatztraining bei 500 Grad Celsius: Feuerwehrleute bezwingen den Drachen – Stadt Marburg und Landkreis Marburg-Biedenkopf schulen gemeinsam Einsatzkräfte der Feuerwehr in speziellem Übungscontainer

(Pressemitteilung Nr. 197/2012 vom 16.05.2012)
Marburg-Biedenkopf – Er faucht wild, speit Rauch, Dampf und Feuer und macht es seinen Bezwingern nicht leicht: Knapp 500 Feuerwehrleute aus der Universitätsstadt Marburg und dem Landkreis Marburg-Biedenkopf trainieren derzeit im „Fire Dragon“ („Feuer-Drachen“) die Brandbekämpfung unter realistischen Bedingungen. Mehrere hundert Grad heiß ist es in dem Spezial-Container, dunkel und eng. Rauch und Wasserdampf erschweren die Sicht, die schwere Schutzkleidung, das Atemschutzgerät auf dem Rücken und die Maske vor dem Gesicht schränken jede Bewegung der Einsatzkräfte ein. Flammen züngeln von verschiedenen Brandstellen empor, eine Feuerwalze rollt unter der Decke bedrohlich auf die Feuerwehrleute zu.

„Das Training ist kein Spaziergang und bereitet unsere Einsatzkräfte gut auf den Ernstfall vor“, erläutert Kreisbrandinspektor Lars Schäfer. Immer zu zweit nehmen die Männer und Frauen den Kampf im Inneren des „Fire Dragon“ auf, versuchen mit Wasser das Feuer in den Griff zu kriegen, die Flammenwalze zurückzudrängen und den rettenden Weg zurück ins Freie zu sichern. „Wichtig ist vor allem die Ruhe zu bewahren und konsequent das anzuwenden, was man in der Ausbildung gelernt hat“, erläutert Carmen Werner, die Leiterin der Marburger Feuerwehr das richtige Vorgehen.

Knapp zwei Wochen macht der Trainings-Container bei seiner Reise quer durch Hessen Station im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Gemeinsam haben Stadt und Kreis die Ausbildung ihrer Feuerwehrleute organisiert. Standort des Containers ist die Hauptfeuerwache in Marburg. Das Land Hessen ermöglicht diese besondere und realistische Trainingsmöglichkeit für die Feuerwehren und stellt den Übungscontainer kostenfrei zur Verfügung.

Lars Schäfer und Carmen Werner sind sich einig: „Ein solches Training kann die Lebensversicherung für Einsatzkräfte sein, wenn sie im Innenangriff einen Wohnungs- oder Zimmerband bekämpfen. „Vor allem jüngere Feuerwehrleute oder Einsatzkräfte, die noch nicht so viel Einsatzerfahrung sammeln konnten, profitieren von diesem Training“, so Schäfer. „Unter kontrollierten Bedingungen können sie hier lernen und begreifen, dass Feuer heiß ist, wie wichtig gute Schutzkleidung ist, dass diese auch Grenzen hat und dass körperliche Fitness entscheidend ist“, ergänzt Carmen Werner.

Auch das richtige taktische Vorgehen, das Sichern des Rückweges und die richtige Löschtechnik können hier unter Aufsicht und mit kalkulierbarem Risiko trainiert werden. Ein Ausbilder kümmert sich um die Zweierteams, er beaufsichtigt das Anlegen der Schutzkleidung, trainiert vor dem Einstieg in den „Schlund“ des Feuer-Drachen noch einmal den Umgang mit dem Strahlrohr und überwacht die Arbeit des Teams bei der Brandbekämpfung vom Kontrollraum aus – jederzeit bereit einzugreifen, wenn es nötig sein sollte. Um möglichst vielen Einsatzkräften das Training zu ermöglichen, ist der Zeitplan eng. Drei Teams pro Stunde – so der Zeitansatz. Ein Trainingsdurchgang dauert also 20 Minuten.

Die Einsatzkräfte kommen beim Gang durch den Trainings-Container mächtig ins Schwitzen – was an den hohen Temperaturen und der anstrengenden körperlichen Arbeit liegt. Abwechselnd an vier verschiedenen Stellen können die Trainer vom Kontrollraum aus, der durch dicke Glasscheiben vom eigentlichen Übungsraum getrennt ist, die Flammen lodern lassen. Das sorgt für Stress. Machen die Übungs-Absolventen alles richtig, gehen die Flammen aus. Machen sie einen Fehler, keimt das bereits gelöscht geglaubte Feuer schlagartig wieder auf. „Hier können und dürfen Fehler gemacht werden. Denn dafür sind solche Übungsmöglichkeiten auch da: Um aufzudecken, ob es noch irgendwo hakt, ob es Verbesserungsbedarf gibt“, erläutert Lars Schäfer. Er ist sich sicher: „Fehler, die hier in heißen Ausbildung passieren, passieren im Ernstfall kein zweites Mal.“ Dadurch werde die Arbeit der Feuerwehrleute sicherer und effektiver.
 

  Mit höchster Konzentration müssen die Feuerwehrleute in dem Übungscontainer bei hohen Temperaturen, geringer Sicht und unter großer körperlicher Anstrengung zu Werke gehen, um des Feuers Herr zu werden.
Mit höchster Konzentration müssen die Feuerwehrleute in dem Übungscontainer bei hohen Temperaturen, geringer Sicht und unter großer körperlicher Anstrengung zu Werke gehen, um des Feuers Herr zu werden.

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Bedrohlich rollt eine Feuerwalze unter der Decke des Container entlang, die Flammen schlagen sogar aus der Tür, die für das Foto geöffnet wurde.
Bedrohlich rollt eine Feuerwalze unter der Decke des Container entlang, die Flammen schlagen sogar aus der Tür, die für das Foto geöffnet wurde.
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Fotos: Landkreis
 

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