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Das Exponat des Monats Mai 2016 im Schloss Biedenkopf ist eine Reservistenpfeife aus dem Jahr 1914

(Pressemittteilung 189/2016 vom 03.05.2016)

Marburg-Biedenkopf - Bei dem Exponat des Monats Mai handelt es sich um eine „Reservistenpfeife“, die im Jahre 1914 gefertigt wurde. Sie gehört in den Bereich der sogenannten „Reservistika“, also der Erinnerungsgegenstände an die eigene militärische Dienstzeit. Gegenstände dieser Art waren besonders im Deutschen Kaiserreich (1871 bis 1918) beliebt und sind in vielfältigen Ausprägungen erhalten. So gibt es neben Pfeifen auch Teller und Trinkbehältnisse in diesem Zusammenhang.

Dem Museum gestiftet wurde die Pfeife von Erna Engelbach aus Eckelshausen. Sie gehörte Karl Engelbach, dem Bruder ihres Schwiegervaters, ebenfalls aus Eckelshausen. Dieser hatte die Pfeife nach seiner Dienstzeit von 1911 bis 1914 beim Leib-Dragoner-Regiment (2. Großherzoglich Hessisches) Nr. 24 erworben. Karl Engelbach fiel im Ersten Weltkrieg.

Mit Pfeifen dieser Art konnte geraucht werden, sie erinnerten aber auch an die Dienstzeit der Reservisten. Laut Literatur wurde dieser Pfeifentypus zunächst von Studenten verwendet, die zur Zeit der Befreiungskriege (1813 bis 1815) zum Militärdienst einberufen wurden und fand so seinen Weg in die Kasernen. Innerhalb der Rauchkultur wirkte der Typus der Reservistenpfeife jedoch „altmodisch“, da sich Zigarren und Shagpfeifen damals bereits allgemein größerer Beliebtheit erfreuten. Für die meist mittellosen Wehrpflichtigen der Kaiserzeit musste die Pfeife erschwinglich sein. Das versuchten die Firmen durch eine Serienproduktion mit einem Umdruckverfahren zu erreichen. Die Endfertigung erfolgte von Malern in den Garnisonsstädten. Die Bildmotive waren von den produzierenden Porzellanfabriken vorgegeben und illustrierten unter anderem Treue, Kameradschaftsgeist sowie die Pflicht zur Wehrbereitschaft. Oft finden sich humorvolle Szenen aus dem Soldatenleben, fröhliche Wirtshausszenen oder auch Abschiedsszenen.

Die Mundspitze (meist Büffelhorn) ist mit Seidengarn an einem beweglichen Pfeifenschlauch aus einem Drahtgewinde befestigt. Auffallend sind eine Scheibe eines Geweihansatzes, eine gedrechselte Tulpenblüte aus hellem Horn sowie eine auf die Spitze gestellte, schwarze würfelartige Form. Die Würfelform wurde mit kleinen Metallbeschlägen: „5 ESC“, „H II.“ unter einer Krone sowie der Zahl „24“ beschlagen. Am Pfeifenrohr selbst wurde ein silbernes Metallblech mit einem uniformierten Soldaten, welcher breitbeinig auf einem Fass sitzt und Pfeife raucht, aufgebracht. Auf dem Fass ist zu lesen „§ 11“; gemeint ist der bekannte Bier-Comment der Studentenverbindungen: „Es wird weitergesoffen“.

Auf einem darunter angebrachten wappenförmigen Emblem ist zu lesen: „Es brennt sich der/ Reservemann/ vergnügt die lange/ Pfeife an/ dabei ein Gläschen für/ den Durst/dann ist die ganze Welt/ ihm Wurst. Ein darunter liegendes Schriftband ergänzt: „RESERVE HAT RUH“ und „PAROLE HEIMAT“. Sprüche dieser Art gibt es auf vielen Reservistenerinnerungen. Besonders augenfällig ist zudem ein springendes Pferd aus silberfarbenem Metall. Es wird von einem übergroßen Hufeisen überspannt. An der linken Seite des Pferdes befindet sich die zum Regiment gehörende weiß-rote Lanzenflagge. Der Pfeifenkopf besteht aus Porzellan und ist oben mit einem Ring aus Metall versehen. Der Ring ist über ein Klappscharnier mit dem Deckel verbunden und zeigt eine kleine detailgetreu herausgearbeitete und mit Metallbeschlägen versehene „Pickelhaube“. Einer der Metallbeschläge zeigt einen bekrönten hessischen Löwen, umgegeben von einem Laubkranz (Lorbeer links/Eichenlaub rechts).

Auf der Vorderseite befindet sich das Hauptbildmotiv: ein Reiter, der die grüne Uniform der hessischen Kavallerie trägt und auf seinem Pferd über ein kleines hölzernes Hindernis springt. Vor dem Hindernis steht ein kleiner Grenzstein mit der Inschrift „4. K“. Umgegeben ist die Szenerie von farbig plastisch gearbeiteten Eichenlaubranken, die im unteren Bereich durch eine rot-weiße Schleife zusammengehalten werden. Überschrieben ist das Reiterbild mit dem Namen des ehemaligen Eigentümers der Pfeife „Res. Engelbach“.

Die Rückseite ziert eine Gasthausszenerie unter freiem Himmel. Zu sehen sind neben der Wirtin vier in hessischer Kavallerieuniform gekleidete Soldaten, die sich um ein großes Bierfass gruppiert haben. Sie erscheinen fröhlich und ausgelassen, einer von ihnen hält ein Schriftstück, einer einen Bierhumpen in der Hand, ein anderer hält die Hand der Wirtin. Über der Szenerie steht der bei Reservistenandenken oft verwendete Spruch: „Brüder stost die Gläser an Hoch lebe der Reservemann“. Darunter werden der Gedenkgrund und Namen listenartig aufgeführt. Es heißt dort: „Andenken an meine Dienstzeit bei der 5. Esk. Leib Drag. Rgt. 2. Großhzl Hess. No. 24 Darmstadt. 1911-1914“. Die Liste nennt nur die Nachnamen und umfasst insgesamt 43 Reservisten, darunter auch den „Res. Engelbach“.

Eine Reservistenpfeife aus dem Jahr 1914 ist als Exponat des Monats Mai im Schloss in Biedenkopf zu sehen. Foto: Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf

Eine Reservistenpfeife aus dem Jahr 1914 ist als Exponat des Monats Mai im Schloss in Biedenkopf zu sehen. Foto: Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf

Eine Reservistenpfeife aus dem Jahr 1914 ist als Exponat des Monats Mai im Schloss in Biedenkopf zu sehen.

Foto: Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf

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