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Landkreis, Uni-Klinikum und Patientenverbände werben für den „Tag der Organspende“ am 1. Juni – Das Ziel: aufklären, informieren und verlorenes Vertrauen zurückgewinnen / In Deutschland warten 12.000 Menschen auf ein Spenderorgan
(Pressemitteilung Nr. 182/2013 vom 22.05.2013)

Marburg-Biedenkopf – 12.000 Menschen in Deutschland warten auf Rettung – Rettung durch eine Organspende. Rettung durch eine neue Niere, ein Herz, eine Leber, eine Bauchspeicheldrüse oder eine Lunge. Um auf das Thema Organspende aufmerksam zu machen, findet am Samstag, 1. Juni 2013, der bundesweite „Tag der Organspende“ statt. Auch in Marburg informieren an diesem Tag Patientenverbände und Institutionen über dieses wichtige Thema. Information und Aufklärung sind wichtig, denn die Zahl der Organspender ist in der Vergangenheit zurückgegangen: In den ersten drei Monaten dieses Jahres gab es bundesweit nur 230 Organspender. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 281.

Am „Tag der Organspende“ am 1. Juni stehen an zwei Stellen in Marburg Fachleute für persönliche Gespräche und Informationen zur Verfügung: Jeweils von 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr sind in der oberen Gutenbergstraße/Schlossberg-Center in Marburg und am Tegut-Markt in Marburg-Wehrda Informationsstände aufgebaut. Am Mittwoch warben Vertreterinnen und Vertreter des Kreises, des Universitäts-Klinikums Gießen und Marburg, der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) sowie des Vereins Dialysepatienten und Transplantierte Mittelhessen und des Fördervereins für Organspende und Dialysepatienten Marburg vorab für den „Tag der Organspende“.

„12.000 Menschen warten auf ein lebensrettendes Spenderorgane, aber nur etwa einem Drittel von ihnen kann geholfen werden. Deshalb ist es wichtig, dass über das Thema informiert und aufgeklärt wird und sich noch mehr Menschen dazu bereit erklären, Organspender zu werden“, betonte der Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernent Dr. Karsten McGovern, der selbst auch einen Organspender-Ausweis besitzt. Durch die Negativ-Nachrichten und die Verfehlungen einzelner Transplantationszentren in den vergangenen Monaten habe das Vertrauen der Menschen gelitten. Dieses verlorene Vertrauen gelte es nun wieder zu gewinnen, so Dr. McGovern. „Die schwer kranken Patienten auf den Wartelisten sind auf die Solidarität ihrer Mitmenschen angewiesen“, betonte der stellvertretende Landrat.

Zwei, die dieser Solidarität ihr Leben verdanken, sind der sechsjährige Dariush Babai aus Kassel und der 42 Jahre alte Wolfgang Dickel aus Erndtebrück. Dariush kam mit einer angeborenen Veränderung seines Erbgutes zur Welt, die zu einer Fehlentwicklung der Nieren führte. Seit seinem 3. Lebenstag musste er sich regelmäßig einer Dialyse („Blutwäsche“) unterziehen, mit der Giftstoffe aus seinem Körper herausgefiltert wurden – eine Aufgabe, die normalerweise die Nieren übernehmen. Bei ihm kam zunächst die so genannte Bauchfelldialyse zum Einsatz – eine Prozedur, die nicht sehr angenehm ist und die Lebensqualität eines Kindes deutlich einschränkt. Später musste auf das normale Dialyse-Verfahren umgestellt werden – dies bedeutete dann, drei bis vier mal pro Woche nach Marburg ins Dialyse-Zentrum zu fahren. Seit nunmehr einem Jahr hat er eine neuen Niere, die im Marburger Universitäts-Klinikum transplantiert wurde, und er ist voll leistungsfähig und ein lebhafter, temperamentvoller und charmanter Junge. Seine Mutter Karina Babai berichtete von vielen Einschränkungen während der Zeit der Dialyse. „Jetzt können wir aucvh ins Schwimmbad gehen oder in den Urlaub fahren“, berichtete sie dankbar.

Wolfgang Dickel erkrankte als Kind an Diabetes Typ I (Insulinmangel – die entsprechenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) produzieren kein Insulin, dass für die Aufnahme des Zuckers in die Körperzellen erforderlich ist. Das Insulin muss also von außen zugeführt werden). Als Folge der Diabetes-Erkrankung kam noch eine Schädigung der Nieren dazu, so dass Wolfgang Dickel 2003 dialysepflichtig wurde. Seit 2006 stand er auf der Warteliste für eine Transplantation von Niere und Bauchspeicheldrüse. Im Dezember 2012 pflanzten ihm die Experten am Marburger Klinikum eine neue Niere und eine neue Bauchspeicheldrüse ein – seit dem muss er kein Insulin mehr nehmen und ist auch nicht mehr dialysepflichtig. „Ich habe ein neues Leben geschenkt bekommen“, erzählte er und berichtete von seinem Leidensweg mit vielfältigen Einschränkungen vor der Transplantation. Man könne das Gefühl nicht beschreiben, wenn es einem dann wieder gut geht.

Für alle Beteiligten steht im Vordergrund, dass sich die Menschen trotz aller Verunsicherung mit dem Thema Organspende auseinandersetzen, sich informieren und sich dann im Idealfall dazu entscheiden, Organspender zu werden. „Wichtig ist für uns die Botschaft, dass die bekannt gewordenen Skandale Einzelfälle waren, die die Menschen aber sehr verunsichert haben. Organspende ist lebenswichtig, die nicht an Wert verloren hat“, so die einhellige Meinung.

Am Mittwoch warben Vertreterinnen und Vertreter des Kreises, des Universitäts-Klinikums Gießen und Marburg, der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) sowie des Vereins Dialysepatienten und Transplantierte Mittelhessen und des Fördervereins für Organspende und Dialysepatienten Marburg vorab für den „Tag der Organspende“. Mit dabei waren die Patienten Dariush Babai (6 Jahre) mit seiner Mutter Karina (links neben Dariush) sowie Wolfgang Dickel (rechts neben Dariush) mit seiner Lebensgefährtin Jennifer Bald (vorne, 3. v. re.). Beiden Patienten wurde durch eine Organspende ein neues Leben geschenkt. (Foto: Landkreis)
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Am Mittwoch warben Vertreterinnen und Vertreter des Kreises, des Universitäts-Klinikums Gießen und Marburg, der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) sowie des Vereins Dialysepatienten und Transplantierte Mittelhessen und des Fördervereins für Organspende und Dialysepatienten Marburg vorab für den „Tag der Organspende“. Mit dabei waren die Patienten Dariush Babai (6 Jahre) mit seiner Mutter Karina (links neben Dariush) sowie Wolfgang Dickel (rechts neben Dariush) mit seiner Lebensgefährtin Jennifer Bald (vorne, 3. v. re.). Beiden Patienten wurde durch eine Organspende ein neues Leben geschenkt. (Foto: Landkreis)
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