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Zwei Stickmustertücher sind die Exponate des Monats Mai im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf – Ausstellungsstücke sind mehr als 100 Jahre alt und zeugen von alter Handarbeitskunst

(Pressemitteilung Nr. 175/2012 vom 26.04.2012)
Marburg-Biedenkopf – Die Exponate des Monats Mai im kreiseigenen Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf sind zwei Stickmustertücher, gestiftet von einer Bürgerin aus Biedenkopf. Die auf einem der Mustertücher gestickten Initialen „H“ und „G“ sowie die Jahreszahl 1881 verweisen auf Henriette Gönner sowie das Entstehungsjahr des Tuches. Gönner wurde 1864 geboren und stammte aus Biedenkopf. Das andere Tuch wurde mit „L. Weis.“ und der Jahreszahl 1906 bestickt. Gemeint ist Lina Weiß, geboren 1892.

Die ältesten in Europa bekannten Mustertücher stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Sie dienten als dreidimensionale Anschauungsobjekte für die eigene Stickarbeit und wurden vielfach über lange Zeit in den Familien aufbewahrt. Man betrachtete sie eher als Kunstwerk denn als Gebrauchsgegenstand. Neben einfachen Mustertüchern haben sich auch in Heftform zusammengenähte Mustertücher und aufgerollte Musterbänder erhalten. Als Sammlung wurden sie an nachfolgende Generationen weitergegeben. Stickmustertücher wurden meist im Rahmen eines Handarbeitsunterrichtes angefertigt. Dieser fand für Mädchen ab dem zweiten Schuljahr statt.

Die Kenntnis der Monogrammstickerei spielte gerade in der Stickerei für die eigene „Aussteuer“ eine große Rolle. Die Markierung einzelner Kleidungs- und Wäschestücke mit Initialen hatte nicht nur dekorative Gründe. Neben der Wiedererkennbarkeit der mit in die Ehe gebrachten Wäschestücke ließen sich beim Waschen, Trocknen und Bleichen in Gemeinschaft eigene Textilien zweifelsfrei erkennen.

Allgemein unterscheidet man zwei Arten von Mustertüchern: die meist in rot auf weißem Grund angefertigten Alphabetstickereien sowie die mitunter sehr bunte Stickereien des Alphabetes mit gegenständlichen Darstellungen. Darüber hinaus enthalten beide Arten oft auch Beispiele unterschiedlicher Stickarten sowie Randstickereien und Ornamente. Vielfach wird die Datierung eines Stickmustertuches durch das Aufbringen von Initialen und Jahreszahlen erleichtert.

Stickmustertücher konnten ganz oder nur an der Stelle, die gerade bestickt wurde, in einen Rahmen gespannt werden. Als Grundstoff der Tücher verwendete man seit dem 19. Jahrhundert Stramin. Auf der groben Struktur des Baumwollstoffes ließen sich gerade die bevorzugten gröberen Wollgarne relativ einfach verarbeiten. Neben Mustertüchern wurden und werden auch Papiervorlagen für Stickmuster hergestellt. Zwar werden Stickmuster auch auf diese Weise anschaulich dargestellt, die Tücher zeigen aber nicht nur exemplarisch die Kunsthandfertigkeit der Stickerin, sondern messen der Handarbeit eine größere Bedeutung zu als der Umzeichnung.

Das Hinterlandmuseum ist täglich außer montags von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet.
 

  Dieses Stickmustertuch stammt aus dem Jahr 1906 und bildet zusammen mit einem ähnlichen Tuch aus dem Jahr 1881 die Exponate des Monats Mai im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf. (Foto: Landkreis)
Dieses Stickmustertuch stammt aus dem Jahr 1906 und bildet zusammen mit einem ähnlichen Tuch aus dem Jahr 1881 die Exponate des Monats Mai im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf.
(Foto: Landkreis)

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