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Regionaler Gesundheitsreport gibt wertvolle Hinweise auf die Versorgungssituation im Landkreis Marburg-Biedenkopf – Überalterung und künftiger Fachkräftebedarf werden deutlich

(Pressemitteilung 172/2014 vom 15.05.2014)

Marburg-Biedenkopf – Vor vier Jahren gab es von der Kassenärztlichen Vereinigung eine erste systematische Darstellung der ambulanten allgemeinärztlichen Versorgungslage in Hessen. Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration sowie die Kassenärztliche Vereinigung Hessen haben nun eine Neuauflage dieser Darstellung in Form des „Regionalen Gesundheitsreportes“ veröffentlicht, mit der erstmalig auf der Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte sektorenübergreifende Versorgungsanalysen und Entwicklungsszenarien bis zum Jahr 2020 dargestellt werden. Aus Sicht des Gesundheitsdezernenten des Landkreises Marburg-Biedenkopf, Dr. Karsten McGovern, bietet der Bericht über den Landkreis Marburg-Biedenkopf wertvolle Hinweise auf die Versorgungssituation und spannt vor allem das Spektrum von der hausärztlichen Versorgung bis zum Bereich der Pflege.

„Dieser Überblick macht deutlich, dass wir künftig noch mehr Sektoren übergreifend denken aber auch handeln müssen. Das wichtigste Ergebnis ist aber, dass wir es fast im gesamten gesundheitlichen System mit einer Überalterung der Fachkräfte zu tun haben und einen erheblichen Bedarf an Ausbildung und Gewinnung von Fachkräften haben werden“, stellte Dr. McGovern fest.

Besonders hervorzuheben sind für den Landkreis Marburg-Biedenkopf folgende Ergebnisse des Berichtes:

Es besteht erheblicher Nachbesetzungsbedarf im Bereich der hausärztlichen aber auch fachärztlichen Versorgung auf dem Land auf. Bis 2020 müssen für 62 der derzeit 167 Hausärztinnen und Hausärzten Nachfolger gefunden werden.

Nach der neuen Bedarfsplanung wird deutlich, dass es eine Zweiteilung der Versorgungssituation gibt. Während es in den Mittelbereichen Gladenbach und Marburg eine Überversorgung mit Hausärzten gibt, weisen die Mittelbereiche Biedenkopf, Kirchhain und Stadtallendorf schon heute eine Unterversorgung auf. Betrachtet man die Altersstruktur, ist der Nachbesetzungsbedarf im Mittelbereich Biedenkopf am brisantesten, da hier der Anteil der über 55-jährigen Hausärzte mehr als 50 Prozent beträgt.

Hessenweit wurde ein Durchschnitt von 5,1 Kilometern Wegstrecke zum Arzt ermittelt. Im Landkreis liegen nur vier Kommunen im Nordkreis mit mehr als sieben Kilometern Wegstrecke deutlich über dem Hessenschnitt. In Breidenbach, Gladenbach und Marburg sind es unter fünf Kilometer.

Bei den Fachärztinnen und Fachärztinnen sieht der Bericht außer bei den Orthopäden eine Überversorgung im Landkreis, wobei es eine hohe Konzentration in Marburg gibt. Entsprechend muss die am Rande des Landkreises wohnende Bevölkerung in neun Städten und Gemeinden Wegstrecken von mehr als 16 Kilometern und in vier Fällen auch von mehr als 22 Kilometern zum Besuch von Fachärzten auf sich nehmen. Auch bei den Fachärzten ergibt sich aufgrund der Alterstruktur ein Nachbesetzungsbedarf, der bei den Augenärzten und Urologen über den Hessenschnitt liegt.

Der Bericht erfasst auch die Situation der Apotheken im Landkreis. Überraschend ist, dass der Landkreis die höchste Apothekendichte bezogen auf die Einwohner in ganz Hessen hat. Die beste Versorgung ist in Angelburg gewährleistet (1.778 Einwohner pro Apotheke). Am niedrigsten ist die Versorgung in Cölbe mit 6.964 Einwohnern pro Apotheke. Die Nähe zu Marburg führt hier offenkundig eher zu einem Nachteil in der Nahversorgung. Bis im Jahr 2020 könnte ein Nachfolgebedarf bei über einem Drittel aller Betriebsinhaber entstehen, wenn diese ihren Betrieb mit 65 Jahren aufgeben würden.

Für das Krankenhausversorgungsgebiet Marburg-Gießen, welches die Landkreise Gießen, Lahn-Dill, Marburg-Biedenkopf und Wetterau umfasst, stellt der Bericht für den Zeitraum von 2005 bis 2012 eine relativ stabile Zahl der Betten in allen Krankenhäusern dar, nachdem es zuvor deutliche Reduzierungen gab. Bei den Fallzahlen gibt es dagegen im gleichen Zeitraum eine 15-prozentige Steigerung. Insgesamt weist die Region ein umfassendes Versorgungsangebot in der stationären Behandlung auf.

Bedeutsam ist, dass der Bericht auch die Pflegebedürftigkeit als Thema aufgreift. Bis 2020 wird von einer Steigerung der Zahl pflegebedürftiger Menschen im Landkreis um 14,1 Prozent ausgegangen, was dem Hessenschnitt entspricht. Bei den an Demenz erkrankten Menschen wird im Zeitraum von 2011 bis 2020 eine Steigerung um 12,6 Prozent vorhersagt.

Betont wird ein wachsender Bedarf an Krankenpflege- und Altenpflegekräften. Zum einen um ausscheidende Fachkräfte zu ersetzen und zum anderen um wachsende Bedarfe abzudecken. Rückblickend hat sich das Angebot an stationärer Pflege im Landkreis seit 2001 gegenüber dem Hessenschnitt unterdurchschnittlich entwickelt, während das ambulante Angebot sich besonders ab Mitte der 2000 Jahre dynamischer entwickelt hat und deutlich über dem Hessenschnitt liegt. „Damit wird aufgezeigt, dass sich die Bemühungen des Landkreises ausgezahlt haben, dem gesetzlich vorgeschriebenen Vorrang ambulanter Hilfe auch wirklich Geltung zu verschaffen“, kommentiert Dr. McGovern diese Ergebnisse.


Regionaler Gesundheitsreport (PDF, ca. 3 MB)


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