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Kreis informierte über Rahmenbedingungen bei der Nutzung von Windenergie – Vorträge über Genehmigungsverfahren und Betreibermodelle / Landrat Fischbach: „Wir brauchen die Windkraft, um Klimaschutzziele zu erreichen!“
(Pressemitteilung Nr. 186/2013 vom 24.05.2013)

Marburg-Biedenkopf – Die rechtlichen, technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bei der Nutzung von Windenergie hat der Landkreis Marburg-Biedenkopf in den Mittelpunkt einer Informationsveranstaltung gestellt. Knapp 100 Interessierte waren ins Landratsamt gekommen, um die Vorträgen von Marion Ruppel (Regierungspräsidium Gießen), Armin Raatz von der Dienstleistungsagentur „MUT Energiesysteme“ und Ulf Schmidl, einem Projektierer und Betreiber von Windkraftanlagen, zu verfolgen. „Wir möchten informieren und Hintergründe dieser komplexen Materie beleuchten“, sagte Landrat Robert Fischbach bei der Begrüßung.

Marion Ruppel vom Gießener Regierungspräsidium (RP) informierte anschaulich über die Schritte des Genehmigungsverfahrens, das zum Bau einer Windkraftanlage nötig ist. Wie sie erläuterte, müssen nicht nur die eigentliche Windenergieanlage sondern auch begleitende Maßnahmen wie Bauflächen oder die Anlage von Wegen genehmigt werden. Der Ablauf des Genehmigungsverfahrens ist in der Bundes-Immissionsschutz-Verordnung geregelt, die entweder die Möglichkeit eines vereinfachten oder die eines förmlichen Verfahrens vorsieht.

Wie Marion Ruppel weiter ausführte, sei das Regierungspräsidium die Genehmigungsbehörde, die andere Behörden in das Verfahren einbindet. So werden die Landkreise zu den Themen Bauaufsicht und Brandschutz gehört, das RP selbst überprüfe unter anderem die Aspekte Arbeitsschutz, Regionalplanung, Bauleitplanung, Naturschutz, Forsten oder Landwirtschaft und beteiligt die Kommune, die Luftfahrt- und Straßenverkehrs- und Denkmalschutzbehörden. Von großer Bedeutung ist nach ihrer Aussage die Vollständigkeit und Übersichtlichkeit der Antragsunterlagen, damit das Genehmigungsverfahren ohne Verzögerung ablaufen könne. Sie riet Planern, Projektierern und Betreibern dazu, frühzeitig mit der Genehmigungsbehörde, also dem RP, und den Nachbarkommunen Kontakt aufzunehmen, um die Akzeptanz vor Ort zu schaffen. Das Regierungspräsidium stehe für Informationen und Ratschläge zur Verfügung. Hilfestellungen sind auch im Internet unter www.rp-giessen.hessen.de zu finden.

Armin Raatz von MUT-Energiesystem in Kassel (MUT steht für Mensch, Umwelt, Technik) beleuchtete das Thema „Regionale Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien – Effekte und Möglichkeiten durch Bürgerbeteiligung. Er erläuterte die Vor- und Nachteile verschiedener Modelle der Bürgerbeteiligung wie Einzelunternehmen, Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) oder Genossenschaft. Wie er erläuterte, müsse vor der Gründung eines Modells zwischen Aufwand und Risiko sowie zwischen Gewinn und Wertschöpfung abgewogen werden. Er sagte, dass die regionale Wertschöpfung stark vom Betreibermodell abhängig sei und dass sich das Genossenschaftsmodell als Betreiberform etabliert habe. Bei einem Betreibermodell, bei dem das Kapital zu 100 Prozent aus der Region kommt und auch der Firmensitz des Betreibers in der Region liegt, sei die Wertschöpfung sieben mal so groß wie bei einem Modell ohne regionales Kapital, erläuterte Armin Raatz.

Als dritter Referent der Veranstaltung berichtete Ulf Schmidl von „Höhen und Tiefen“ bei der Planung und im Betrieb. Sein Fazit: Man dürfe sich auch von Rückschlägen oder Verzögerungen nicht entmutigen lassen. Er betonte, wie wichtig eine gute Vorplanung mit einer Messung der Windgeschwindigkeiten für die spätere Wirtschaftlichkeit sei. Auch komme es auf die Wahl des richtigen Anlagentyps an. „Wichtig für das Gelingen eines Projekts ist außerdem die Wahl eines erfahren Partners“, so Schmidl. Er hob außerdem hervor, dass wirtschaftliche Prognosen eines Windparks auf 20 Jahre gerechnet werden müssten. Dabei spiele die Vergütung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nur eine kleine Rolle.

Landrat Robert Fischbach betonte, dass die Windenergie unverzichtbar sei, um die Energiewende zu meistern und um die Klimaschutzziele des Landkreises zu erreichen. Der Kreis hat sich bereits 2007 das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2040 alle Energie, die hier benötigt wird, aus regionalen Quellen zu erzeugen. Wie er berichtete, sind im Landkreis Marburg-Biedenkopf aktuell 36 Windenergieanlagen in Betrieb. Nach aktuellen Planungen könnten im Landkreis auf zwei Prozent der Gesamtfläche des Kreises 168 Anlagen mit einer Leistung von je drei Megawatt betrieben werden. „Das hört sich im ersten Moment nach viel an. Rein rechnerisch sind dies aber nur rund acht Anlagen pro Kommune“, so der Landrat. Im Landkreis sei also durchaus Potenzial zur Nutzung von Windkraft vorhanden. Er sieht darin eine Möglichkeit, zum Beispiel durch Energiegenossenschaften sowohl eine breite Beteiligung und Akzeptanz als auch eine regionale Wertschöpfung zu erreichen.

Die Präsentationen zu den Vortragen sind im Internet unter www.regio-energie.org eingestellt.


Die rechtlichen, technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bei der Nutzung von Windenergie hat der Landkreis Marburg-Biedenkopf in den Mittelpunkt einer Informationsveranstaltung gestellt. Knapp 100 Interessierte waren dazu ins Marburger Landratsamt gekommen. (Foto: Landkreis)
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Die rechtlichen, technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bei der Nutzung von Windenergie hat der Landkreis Marburg-Biedenkopf in den Mittelpunkt einer Informationsveranstaltung gestellt. Knapp 100 Interessierte waren dazu ins Marburger Landratsamt gekommen.
(Foto: Landkreis)
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