Link auf das Hauptmenü Link auf die Untermenüpunkte Link auf Inhaltsbereich
Landkreis benennt die Otto-Ubbelohde-Preisträger des Jahres 2013 – Brigitte Koischwitz, Eckhard Hofmann und Jürgen Homberger sowie der Verein „Dialekt im Hinterland e.V.“ sind die Preisträger
(Pressemitteilung Nr. 159/2013 vom 02.05.2013)

Marburg-Biedenkopf – „Aus insgesamt 67 Vorschlägen hat die Jury dieses Jahr die Preisträger ermitteln müssen. Das ist immer enorm viel Arbeit für die Jury, einerseits weil es so viele Bewerbungen sind und andererseits weil es so viele gute Bewerbungen sind“, erläuterte Landrat Fischbach. Er gratulierte den diesjährigen Preisträgern, die Ende Juni im kreiseigenen Schloss in Biedenkopf den Preis in einer feierlichen Veranstaltung überreicht bekommen. Die diesjährigen Preisträger sind Brigitte Koischwitz (Gladenbach-Römershausen), Eckhard Hofmann und Jürgen Homberger (ein Zwei-Mann-Team aus dem Ebsdorfergrund) sowie der Verein „Dialekt im Hinterland e.V.“ mit Sitz in Breidenbach.

Die Jury zur Vergabe des Otto-Ubbelohde-Preises hatte in ihrer Sitzung am 24. April 2013 die genannten Personen und den Verein dem Kreisausschuss für den Otto-Ubbelohde-Preis vorgeschlagen. Der Kreisausschuss hat in seiner Sitzung am 2. Mai diese Vorschläge bestätigt. Der Preis ist mit drei Mal 1.000 Euro dotiert. Auch die Jury hob besonders die Qualität der Bewerbungen hervor.

Informationen zu den diesjährigen Preisträgern:

Brigitte Koischwitz

Ihr Jahrzehnte währendes Engagement für das Leben auf dem Dorf und auch für den Landkreis ist hier besonders hervorzuheben. Als Autorin zahlreicher Bücher mit dem Schwerpunkt ländlicher Lebenswelten zeichnet sie ein Bild des dörflichen Lebens in unserem Landkreis, das interessante Alltagsgeschichten auf amüsante Art und Weise darstellt. Ihre Geschichten und Gedichte, die zu weiten Teilen auch in der heimischen Region spielen, hat sie inzwischen in 15 Büchern und einem Hörbuch veröffentlicht. Seit 20 Jahren schreibt sie wöchentlich die Kolumne „Brigittes Landleben“ im Hinterländer Anzeiger, die sich ebenfalls vorwiegend mit dem Leben in der heimischen Region auseinandersetzt.

Darüber hinaus ist sie mit Lesungen und dem populären Ein-Frau-Theater in Hessen und in der ganzen Bundesrepublik unterwegs. Brigitte Koischwitz versteht es, ihr Publikum mitzunehmen und zu begeistern. Außerdem führt sie seit der Gründung vor 15 Jahren das Kunst- und Kulturhaus Alte Schule in Bad Endbach. Es ist zu einem kulturellen Mittelpunkt des Kneipp-Heilbades geworden und in drei Bereiche gegliedert: das Kneipp-Museum, eine Galerie von Brigitte Koischwitz sowie den Raum für Wechselausstellungen und Veranstaltungen. Im Laufe jeden Jahres finden hier viele interessante Veranstaltungen, Vorträge, Ausstellungen oder etwa Kreativ-Angebote statt. Brigitte Koischwitz präsentiert auch dort regelmäßig und zu individuellen Terminen für Gruppen ihr bekanntes "Ein-Frau-Theater". In Anerkennung ihres besonderen Engagements für das Leben in unserem Landkreis, mit dem sie sich in Form von Publikationen sowie auf der Bühne auseinandersetzt, zeichnet der Landkreis Marburg-Biedenkopf Brigitte Koischwitz mit dem Otto-Ubbelohde-Preis 2013 aus.

Eckhard Hofmann und Jürgen Homberger

Als Zwei-Mann-Autorenteam, das im Ebsdorfergrund aktiv ist, haben die beiden Autoren beispielsweise sowohl für die Hessische Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege (HVT) als auch für den Arbeitskreis Dorfgeschichte Dreihausen ganz außergewöhnliche Publikationen erstellt, die der Jury aufgrund der hohen Qualität besonders preiswürdig erschienen. Dazu zählt etwa die Veröffentlichung „Tagewerk und Abendmahl“, das von der HVT herausgegeben wurde. Es handelt sich um eine ganz hervorragende Veröffentlichung mit einzigartigen Einblicken in das Leben in der Mitte der 50er Jahre im Landkreis und in der Region. Die beiden Autoren haben den damaligen Fotografen dieser Fotos in Berlin ausfindig gemacht und dieses beeindruckende Werk mit sehr ausdrucksstarken Fotos zusammen mit dem Fotografen geschaffen. Sie haben damit ein Zeitzeugnis der besonderen Art erarbeitet. Aber auch die Veröffentlichung „Sterben und Tod auf dem Lande“, die vom Arbeitskreis Dorfgeschichte Dreihausen herausgegeben wurde, ist von außergewöhnlich hoher Qualität. Das Thema „Sterben und Tod“ wird heute als Tabuthema meist aus dem Leben verdrängt. Zeichnet sich ein Todesfall ab, befinden sich die Sterbenden heute nur noch selten zu Hause. Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein gab es vor allem in ländlichen Gebieten viele „Bräuche“ oder Rituale, die den Sterbeprozess bis zur Beerdigung begleiteten. Eckhard Hofmann und Jürgen Homberger berichten in „Sterben und Tod auf dem Lande“, detailreich von längst vergangenen Bräuchen in Dörfern im Marburger Land. Hinzu kommen weitere Veröffentlichungen der beiden Autoren zum Thema Tracht. In Anerkennung ihrer Aufarbeitung für die Alltags- und Trachtengeschichte in unserer Region, zeichnet der Landkreis Marburg-Biedenkopf Eckhard Hofmann und Jürgen Homberger mit dem Otto-Ubbelohde-Preis 2013 aus.

Der Verein Dialekt im Hinterland e.V.

Zweck des Vereins ist die Förderung, Pflege und der Erhalt der Mundart im Hinterland. Dies soll insbesondere verwirklicht werden durch den Zusammenschluss und die Unterstützung aller in der Mundart im Hinterland tätigen Kräfte, durch die Erforschung der Hinterländer Mundart(en), durch die Dokumentation der Mundart in Wort, Schrift und Bild sowie durch die Förderung der aktiven und passiven Sprachfähigkeit in der Mundart. Mit vielen kreativen Ideen setzt der Verein seine Ziele um. Eine Innovation stellt beispielsweise im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf der "Plattschwätzkasde" dar, der neben der Trachtenausstellung aufgestellt wurde. Seit August 2011 können Besucher auf einem Computer mitsamt einem übergroßen Touchscreen Karten und weitere Informationen über die Verbreitung der unterschiedlichen Dialekte im Hinterland aufrufen. Dazu sind jeweils gesprochene Dialektbeispiele von CDs zu hören. Das ist für Kinder wie Erwachsene interessant und lehrreich zugleich. Zwei dieser Geräte wurden von einer IT-Schulklasse der Beruflichen Schulen Biedenkopf entwickelt und gebaut. Ein weiteres Gerät befindet sich im Regionalmuseum in Gladenbach-Weidenhausen. Die Hörbeispiele entstammen einem gemeinsamen Projekt des Vereins "Dialekt im Hinterland" und dem Sprachatlas der Philipps-Universität Marburg unter Leitung von Professor Heinrich J. Dingeldein. Besonders hervorhebenswert ist hierbei diese hervorragende Zusammenarbeit des Vereins mit den Beruflichen Schulen Biedenkopf und dem Deutschen Sprachatlas. Beim Projekt Dialektfrühling arbeitete der Verein 1999 eng mit dem Hinterländer Anzeiger zusammen und in insgesamt 60 Veranstaltungen ging es darum, die Bandbreiten der Dialekte aufzuzeigen. Die Dokumentation der Hinterländer Dialekte erfolgte durch die Herausgabe von zwölf CD. Die erste CD erschien 2003, die letzte 2010. Den meisten Menschen dürfte der Verein jedoch durch die Veröffentlichung „Gemorje Hennerlaand“ bekannt sein, die seit 2005 zwei Mal jährlich herausgegeben wird und neben der eigenen Veröffentlichung auch im Hinterländer Anzeiger erscheint. Zu erwähnen bleibt schließlich noch die Datenbank Hinterländer Mundart, ein Projekt, das in Zusammenarbeit mit der Philipps-Universität Marburg im Sommersemester 2013 startet.

In Anerkennung des besonderen Engagements für die Erhaltung der heimischen Dialekte und für die Dialektforschung zeichnet der Landkreis Marburg-Biedenkopf den Verein Dialekt im Hinterland e.V. mit dem Otto-Ubbelohde-Preis 2013 aus.

Illustrationen von Otto Ubbelohde aus den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm: „Die Sterntaler“ (Foto: Landkreis)
Download Druckversion
Illustrationen von Otto Ubbelohde aus den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm: „Die Sterntaler“.
(Foto: Landkreis)

[ schliessen ]