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Gefahren in heimischen Wäldern und Feldern durch Übertragung von Krankheiten bei Wildtieren auf Haustiere und manchmal auch auf Menschen – Beispielweise Staupe, Aujeszky-Krankheit und Tularämie / Hunde sollen angeleint werden

(Pressemitteilung 156/2016 vom 13.04.2016)

Marburg-Biedenkopf – Im Landkreis Marburg-Biedenkopf wie auch in anderen hessischen Landkreisen hat die Zahl der an Staupe erkrankten Wildtieren in letzter Zeit erheblich zugenommen, vornehmlich bei Waschbären. Bei der Staupe handelt es sich um eine durch Viren hervorgerufene hoch ansteckende Infektionskrankheit bei Hunden und anderen Fleischfressern wie Fuchs, Frettchen, Nerz, Wiesel und Waschbär, aber auch bei Seehunden. Die Infektion bei der letztgenannten Tierart erregte Ende der 1980er Jahre besondere Aufmerksamkeit, als ein massenhaftes Sterben von Seehunden an der Nordseeküste auftrat. Eine Infektion von Katzen ist zwar möglich, jedoch zeigen diese Tiere keine Krankheitssymptome.

Für Menschen ist die Staupe ungefährlich. Das Virus bei den Tieren ist eng verwandt mit dem Masernvirus beim Menschen. Die Übertragung erfolgt durch Speichel, Nasen-, Augensekret, Kot und Urin von infizierten Tieren. Empfängliche Tiere können sich somit direkt über diese Ausscheidungen, zum Beispiel durch gegenseitiges Belecken, infizieren oder nehmen den Erreger mit kontaminierten Futter, Wasser oder aus der Umgebung auf. Niest oder spuckt etwa ein Waschbär ins Gras, kann es für einen Hund gefährlich werden, wenn er es aufleckt oder Gras frisst, was Hunde bekanntlich gern tun. Besonders Jungtiere sind gefährdet. Das Virus ist gegenüber allgemeinen Umwelteinflüssen wenig stabil, so dass es außerhalb des lebenden Organismus nur wenige Tage ansteckend bleibt. Dennoch ist der Erreger gegenüber Trockenheit und tiefen Temperaturen vergleichsweise widerstandsfähig. Gängige Desinfektionsmittel allerdings inaktivieren das Virus sehr schnell.

Eine Staupe-Erkrankung verläuft in der Regel sehr schwerwiegend, oft tödlich oder mit bleibenden Schäden. Typische Symptome dieser Erkrankung sind Zeichen einer Allgemeininfektion wie hohes Fieber und Abgeschlagenheit. Abhängig von den weiterhin spezifisch betroffenen Organsystemen können unterschiedliche Verlaufsformen mit Durchfall, Erbrechen oder gegebenenfalls Symptome einer Atemwegsinfektion, häufig begleitet von einer starken Bindehautentzündung, beobachtet werden. Im weiteren Erkrankungsverlauf ist auch eine Schädigung von Gehirnzellen möglich. Daher wird häufig auch von zentralnervösen Störungen Staupevirus-infizierter Tiere berichtet.

Gegen Staupe gibt es keine effektive Behandlungsmöglichkeit. Bei Haustieren stellt die Impfung die wichtigste Prophylaxe-Maßnahme dar. Junge Hunde sind ab einem Alter von acht Wochen impffähig. Eine regelmäßige Impf-Auffrischung sollte zu den selbstverständlichen Pflichten eines jeden Hundehalters gehören. Wichtig in Zusammenhang mit der Staupe-Infektion ist noch darauf hin zu weisen, dass zentralnervöse Störungen bei Wildtieren prinzipiell auch Hinweis auf eine Tollwut-Infektion sein können. Deutschland und damit auch Hessen sind seit 2007 Tollwut-frei.

Staupe ist weder anzeige- noch meldepflichtig. Daher gibt es keine bundesweit verlässlichen Zahlen. Der Erregernachweis bei Wildtieren ist deutlich angestiegen. Dem gegenüber steht eine zu beobachtende Nachlässigkeit der Hundehalter bezüglich der Impfung ihrer Hunde. So erklärt Prof. Dr. Theo Mantel, Präsident der Bundestierärztekammer: „Allerdings beobachten wir in punkto Impfschutz bei vielen Tierhaltern eine leichtsinnige Haltung, die besonders für Welpen und alte Hunde gefährlich ist“.

Als weitere Infektionskrankheit ist die Aujeszky-Krankheit bei Wildschweinen zu nennen, für die auch Hunde sehr empfänglich sind. Wie im Februar 2016 der Landesbetrieb Hessisches Landeslabor in einer Pressemitteilung erklärte, wurde bei einem Jagdhund das Aujeszky-Virus nachgewiesen. In den hessischen Landkreisen Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Odenwaldkreis, Main-Kinzig-Kreis, Wetteraukreis, Vogelsberg, Hersfeld-Rotenburg und Fulda konnte das Virus bei Wildschweinen nachgewiesen werden. Diese Virusinfektion war in den vergangenen Jahrzehnten eine in Hausschwein-Beständen viel gefürchtete Seuche und konnte durch staatliche Maßnahmen getilgt werden. Daher sind sowohl Hundehalter, aber auch Schweinehalter, angehalten, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Hundehalter sollten ihre Hunde auch aus diesen Gründen nicht frei im Wald und Flur umherlaufen lassen und Jäger keinesfalls ihren Tieren rohes Wildschweinfleisch verfüttern.

Für Schweinehalter gelten aus Gründen der Tierseuchenbekämpfung strenge Vorsorgemaßnahmen, um ein Eindringen von Infektionskrankheiten aus der Wildpopulation in die Schweinebestände zu verhindern. Diese sind vornehmlich in der Schweinehaltungshygieneverordnung aufgeführt. Die Infektion eines Hundes führt unweigerlich zum Tod. Eine Impfung ist nicht möglich. Das Auftreten der Aujeszkyschen Krankheit unterliegt der Anzeigepflicht.

Auch die Tularämie oder Hasenpest sollte in diesem Zusammenhang erwähnt werden. Sie wurde vor nicht langer Zeit in Ortsteilen in den Landkreisen Gießen und Limburg-Weilburg, aber auch vor wenigen Wochen in unserem Landkreis festgestellt. Die Krankheit wird durch Bakterien verursacht. Der Erreger lebt vor allem in Außenparasiten wie Flöhen, Zecken und Stechfliegen, die wiederum wild lebende kleine Säugetiere (wie etwa Hasen, Wildkaninchen, Mäuse, Ratten, Eichhörnchen) infizieren. Eine Übertragung von Tieren auf Menschen ist möglich. Besonders gefährdet sind Jäger, die Wild aufbrechen. Erkrankte Wildtiere zeigen meist kein typisches Fluchtverhalten und verlieren ihre Schnelligkeit. In der Regel sterben sie nach einigen Tagen. Verendetes Wild sollte daher nicht bzw. nur mit Handschuhen angefasst werden. Auch sollte man vermeiden, dass Hunde mit erkrankten Tieren in Kontakt kommen. Der Mensch infiziert sich vorwiegend durch direkten Kontakt mit erkrankten Tieren oder deren Organen. Das Krankheitsbild kann aber je nach Eintrittspforte des Erregers stark variieren. Bei rechtzeitigem Beginn lässt sich Tularämie mit Antibiotika behandeln. Die Heilungschancen sind dann sehr gut. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch kommt praktisch nicht vor. Die Erkrankung bei Hasen und Kaninchen ist meldepflichtig.

Daher appelliert der Landkreis an alle Hundehalter, dass Hunde insbesondere in Waldgebieten grundsätzlich an der Leine geführt werden sollen. Das gilt dem Schutz der Wildtiere, der eigenen Tiere und letztlich auch dem Schutz der Menschen.

Bei Auftreten von verdächtigem Wild sollte der zuständige Jagdpächter informiert werden, der die Tiere tierschutzgerecht tötet. Getötete oder verendete Tiere sollten im Landesbetrieb Hessisches Landeslabor mit Standort in Gießen untersucht werden. Daher wird empfohlen, mit dem Fachdienst Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises Marburg-Biedenkopf Kontakt aufzunehmen, um die oben aufgeführte Sektion im Labor sicherzustellen. Für Rückfragen stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachdienstes unter der Telefonnummer 06421 405-6601 gerne zur Verfügung.

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