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Eine bunte Spanschachtel und eine Trachtenhaube sind die Exponate des Monats Mai 2011 im Hinterlandmuseum – Ausstellungsstücke stammen aus der Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts

(Pressemitteilung Nr. 152/2011 vom 03.05.2011)
Marburg-Biedenkopf – Eine Spanschachtel und eine Haube, die zur Trachtenkultur des Hinterlandes gehören, bilden die Exponate des Monats Mai 2011 im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf. Sie wurden von Ingeborg und Edgar Achenbach aus Bad Endbach-Hartenrod gestiftet. Die Objekte stammen aus dem Besitz von Anna Weiß aus Bottenhorn (geboren um 1870), der Großmutter der Stifterin.

Spanschachtel ist datiert auf das Ende des 19. Jahrhunderts (nach 1892) und besteht aus Holz und Papier. Auf dem Deckel der ovalen Schachtel befindet sich eine kolorierte Druckgrafik. Diese zeigt die Aufführung eines Puppentheaterstücks im Freien vor einem Publikum in städtischer Kleidung. Alle Blicke der Zuschauer sind auf ein kleines mobiles Handpuppentheater gerichtet; ein Schild über der Bühne weist mit der Aufschrift „lustiges Casperl/Theater“ auf die dargebotenen Stücke hin. Dem Stück folgen nicht nur Kinder, sondern auch zahlreiche Erwachsene. Das Theaterstück wird mit zwei Handpuppen gespielt: einem schwarzen Teufel und einer Figur in historischer Soldatenuniform, die dem preußischen König Friedrich II. dem Großen (der „Alte Fritz“) sehr ähnlich sieht. Die schwarz-weiß-rot quergestreiften Fähnchen links und rechts des Bühnenaufbaus zeigen die Nationalflagge des Deutschen Kaiserreiches nach 1892. Musikalisch untermalt wird die Theateraufführung durch einen Drehorgelspieler.
Am Rand des Schachteldeckels findet sich die interpretierende Aufschrift: „Wo sich Hanscasperl läst nur sehn, gleig eine menge Leute steh’n.“

Spanschachteln wurden überwiegend in Thüringen hergestellt und von dort nach Hessen exportiert. Auf dem Deckel brachte man häufig florale, figürliche oder szenische Darstellungen an. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden diese gemalt, danach jedoch in Form von Druckgrafiken aufgebracht. Die Produktion der Schachteln endete zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

In Hessen dienten die Spanschachteln vor allem der Aufbewahrung von kleinteiligen Trachtenstücken, darunter Hauben, Bändern oder Schmuck. Daher sind diese Schachteln hier auch unter dem Namen „Haubenschachteln“ bekannt. Bei den im Hinterland und im Hinterlandmuseum vorhandenen Exemplaren fällt auf, dass hierunter Schachteln mit Druckgrafiken, also aus der Spätzeit der Herstellung, besonders zahlreich sind. Dies belegt im Hinblick auf die Verwendung der Spanschachteln auch die Bedeutung der Trachten im Hinterland noch im ganzen 19. Jahrhundert. Auch die gestiftete Spanschachtel, die aus Bottenhorn stammt, entstand erst zu Ende des 19. Jahrhunderts. Zur selben Zeit wurde auch die Haube geschaffen, die möglicherweise in ihr aufbewahrt wurde.

Diese Haube („Dellmutsche“), das zweite Exponat besteht aus Leinen, Wollstoff und Seide und ist ebenfalls auf das Ende des 19. Jahrhunderts datiert. Die aus schwarzem Stoff gefertigte Haube wurde in Bottenhorn getragen. Sie gehört als sogenannte „Dellmutsche“ zur Frauentracht des Amtes Biedenkopf. Verdeckt werden die Nahtstellen des Mittelstücks mit den Seitenteilen durch ein breites schwarzes Seidenband. Der dreieckige Abschluss an den Seitenteilen der Haube verdeckt die Ohren der Trägerin. Hier befindet sich der Ansatz der zum Kinn ausgerichteten Bindebänder. Die Bänder bestehen aus einem groben Wollstoff. Im unteren Bereich ist die Haube mit einem schmalen Seidenband eingefasst.

(Öffnungszeiten des Hinterlandmuseums: 1. April bis 15. November, dienstags bis sonntags: 10 bis 18 Uhr).
 

  Ingeborg und Edgar Achenbach aus Bad Endbach-Hartenrod sind die Stifter der Spanschachtel und der Trachtenhaube, die das Exponat des Monats Mai im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf bilden. (Foto: Landkreis)
Ingeborg und Edgar Achenbach aus Bad Endbach-Hartenrod sind die Stifter der Spanschachtel und der Trachtenhaube, die das Exponat des Monats Mai im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf bilden.
(Foto: Landkreis)

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