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Exponat des Monats im Schloss Biedenkopf ist ein preußischer Offiziersdegen – Hinterlandmuseum setzt erfolgreiche Ausstellungsreihe in der neuen Saison fort

(Pressemitteilung Nr. 148/2012 vom 04.04.2012)
Marburg-Biedenkopf – Auch in der gerade angelaufenen Saison setzt das Hinterlandmuseum im kreiseigenen Biedenkopfer Schloss die erfolgreiche Reihe „Exponat“ des Monats fort. Für den Monat April haben Museumsleiter Gerald Bamberger und Mitarbeiterin Claudia Röhl aus dem Fundes des Museums ein besonderes Ausstellungsstück hervor geholt: ein nach 1889 gefertigter preußischer Infanterieoffizierdegen. Gestiftet wurde das Exponat des Monats von dem kürzlich verstorbenen Zweiten Vorsitzenden des Schlossvereins, Dieter Rossbach. Er hatte als Kind im Haus seines Urgroßvaters noch mit dem Degen gespielt. Der Urgroßvater, Willi Hosch, war Landeswegemeister der Provinz Hessen-Nassau mit Sitz in Dillenburg.

Das aktuelle Exponat des Monats ist eine Version eines nach 1889 gefertigten preußischen Infanterieoffizierdegens. Zu dem Degen gehörig ist eine schwarze Metallscheide mit einem Tragering. An ihm konnte die Stichwaffe an der Seite mit Koppel und Portepee, einer Art Gürtel, befestigt werden.

Als Zeichen ihres Ranges führten die Offiziere verschiedener Waffengattungen im Deutschen Reich von 1880 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges Degen. Neben Waffen für Offiziere wurden auch so genannte „Beamtendegen“ hergestellt. Für Bahn-, Bergbau- und Postbeamte galten strenge Regeln bei der Anfertigung ihrer „Seitenwaffe“, also eine Waffe, die an der Seite getragen wird. Für Postbeamte wurde etwa das Emblem eines Posthorns mit auf die Grifffläche gebracht. Auch andere Beamte konnten Waffen erwerben, die dem Grundmodell eines Infanterieoffizierdegens sehr ähnlich sehen.

Der im oberen Bereich gebogene Griff der im Museum gezeigten Waffe schließt mit einer messingfarbenen Griffkappe ab. Die Kappe ist plastisch ausgearbeitet und wurde mit Blattwerk und Wappen mit dahinter gekreuzten Stichwaffen sowie einem Ritterhelm verziert. Die schwarz gefärbte, lederne Grifffläche selbst war wohl ehemals mit einer Kordel umwickelt. Heute ist nur noch die standardmäßig angebrachte plastische messingfarbene Verzierung von zwei ineinander verschlungenen und bekrönten Initialen „WR II.“ erhalten. Auf dem klappbaren, messingfarbenen Scharnier des Griffbügels befindet sich der bekrönte preußische Wappenadler mit Schwert und Szepter und den Initialen „WR II.“, auf der Brust. Die Initialen „W“ und „R“ stehen für Kaiser Wilhelm II.

Der Degen hat eine gerade, schmucklose und einschneidige Klinge. Auf die Klinge wurde der Name des Waffenproduzenten zweifach geprägt „WEYERSBERG/ & CO./ SOLINGEN“. Unter dem Namen „W.K.C.“ produziert die auch heute noch existierende Firma nach eigenen Angabe jährlich etwa 15.000 Paradewaffen für Ministerien, Militärschulen und Uniformausstatter. Die heute als Firmennamen verwendeten Buchstaben „W.K.C“ stehen für Geschäftspartner. Laut Firmengeschichte lässt sich die Waffenproduktion der Weyersbergs bis zurück in das 16. Jahrhundert verfolgen. Im Jahre 1883 schlossen sich die Familien Weyersberg und Kirschbaum zusammen, letztere hatte sich mit dem Handel von Solinger Waffen einen Namen gemacht. Fortan wurde unter dem Namen „Weyersberg, Kirschbaum & Cie.“ produziert.

Die gezeigte Degenvariante konnte von den Waffenherstellern nach einem von Kaiser Wilhelm II. am 22. März 1889 genehmigten Beschluss gefertigt werden. Es entstanden einige Varianten des Degens, die sich mehr oder weniger an das Reglement für Offizierswaffen hielten. Diese Waffen wurden entweder für den Alltag oder als reine Salonwaffen hergestellt. Das Infanterieoffizierdegenmodell 1889 (IOD M 1889) wurde von verschiedenen Waffenfabrikanten produziert.

Das Hinterlandmuseum ist geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr außer montags. Oster- und Pfingstmontag steht das Museum allerdings ebenfalls den Besuchern offen.
 

  Ein preußischer Infanterieoffiziersdegen ist im April das Exponat des Monats im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf. (Foto: Landkreis)
Ein preußischer Infanterieoffiziersdegen ist im April das Exponat des Monats im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf. (Foto: Landkreis)

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