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Waldbrände, ein Unglück bei einer Grillfeier und ein Autounfall: Einsatzkräfte mussten anspruchsvolle Aufgaben lösen – 300 Helfer wurden bei nächtlicher Katastrophenschutzübung in Stadtallendorf gefordert

(Pressemitteilung 146/2014 vom 28.04.2014)

Marburg-Biedenkopf –– Rund 300 Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes, der Feuerwehr, des Technischen Hilfswerks (THW) und des Rettungsdienstes haben am Samstagabend bei Stadtallendorf für den Ernstfall trainiert. Im Rahmen einer nächtlichen Übung galt es an drei anspruchsvollen Übungsszenarien unterschiedliche Aufgaben zu lösen. In die Übungsplanung und Vorbereitung waren auch Erkenntnisse aus dem Einsatz des Katastrophenschutzes während des Elbe-Hochwassers im Juni 2013 eingeflossen.

Neben der Zusammenstellung von Einheiten aus verschiedenen Teilkomponenten aus dem gesamten Landkreis Marburg-Biedenkopf wurde die Zusammenarbeit dieser Einsatzkräfte, die Arbeit und Orientierung in unbekanntem Gelände und bei Nacht sowie Aufgabenstellungen aus den Bereichen Brandbekämpfung, technische Hilfeleistung sowie Rettung und Versorgung von Verletzten geübt. Die enge Zusammenarbeit und Vernetzung mit den Forstbehörden war ebenfalls ein wichtiger Bestandteil. Aktiv mitgewirkt haben auch 36 angehende Rettungsassistenten des DRK Rettungsdienst Mittelhessen, die mit dieser Übung zum Ende ihrer theoretischen Ausbildung am Bildungszentrum des DRK eine realistische Trainingsmöglichkeit bekamen. Ein Unglück während einer Grillfeier, Waldbrände und ein schwerer Verkehrsunfall waren die Ausgangsszenarien.

Das Übungsdrehbuch sah vor, dass es während einer Grillfeier an der „Forstkapelle“ bei Stadtallendorf durch ein plötzlich hereinbrechendes, kurzes Unwetter zu einem Unglück kam. Starke Windböen ließen Bäumen umknicken, durch Blitzschlag wurden Menschen verletzt, eine Gasflasche explodierte und setzte den Wald in Brand. Die Versorgung und Befreiung der zum Teil unter Bäumen eingeklemmten Verletzten, die Koordinierung und Organisation der Rettungsarbeiten und die Bekämpfung eines Waldbrandes – dies alles auf engstem Raum und mit nur einer Zufahrt waren die Aufgaben, die die Einsatzkräfte zu lösen hatten.

Das zweite Übungsszenario sah einen ausgedehnten Waldbrand vor, den es zu bekämpfen galt. Die Einsatzkräfte hatten hier den Auftrag, möglichst sparsam mit dem vorhandenen Löschwasser umzugehen und eine stabile Wasserversorgung mittels so genanntem Pendelverkehr aufzubauen. Dabei pendeln Tanklöschfahrzeuge zwischen einem Hydranten und der Brandstelle hin und her und bringen Löschwasser. Die Herausforderung hierbei war, in Zusammenarbeit mit der Forstbehörde Fahrtrouten und einen Einbahnverkehr so festzulegen, dass sich auf den Waldwegen keine Fahrzeuge begegnen und diese Fahrtrouten in der Dunkelheit erkennbar zu machen. Zudem musste die Einsatzstelle umfassend beleuchtet werden. Diese Aufgabe übernahmen Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks mit leistungsfähigen Scheinwerfern.

An der dritten Station schließlich wurden die Einsatzkräfte mit den Folgen eines schweren Verkehrsunfalls konfrontiert. Mehrere Verletzte, nach dem Drehbuch zum Teil in den Autowracks eingeklemmt, mussten dabei versorgt, mit technischem Gerät befreit und abtransportiert werden.

Wichtige Ziele der Übung waren zudem das Führen und Leiten verschiedener Einheiten des Katastrophenschutzes und die Abstimmung der Einsatzkräfte untereinander. Zudem wurde die Zusammenstellung von Löschzügen aus verschiedenen Teileinheiten geübt. Für die angehenden Rettungsassistenten kam es darauf an, die besonderen Arbeitsabläufe bei einem größeren Schadenereignis mit vielen Betroffenen und Rettungskräften in geschütztem Rahmen zu trainieren. Während ihres Übungseinsatzes wurden die Rettungs-Teams von erfahrenen Dokumentatoren aus dem Einsatzdienst begleitet, um die Einsatzabläufe im Nachgang zu besprechen.

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf als zuständige Katastrophenschutzbehörde hat für diese Übung andere Rahmenbedingungen gewählt als bei Übungen in der Vergangenheit. So wurden die Einsatzkräfte zum größten Teil bereits vorab informiert, in Marsch gesetzt und in einem Bereitstellungsraum gesammelt – so wie es im Ernstfall bei Katastropheneinsätzen auch wäre. „Außerdem haben wir von den Einsatz- und Führungskräften ganz gezielt bestimmte Fertigkeiten abgefordert, um zu sehen, wo es noch Verbesserungsbedarf gibt“, teilte Kreisbrandinspektor Lars Schäfer als Gesamtverantwortlicher mit, der in diesem Zusammenhang dem Vorbereitungsteam der Übung für die gute Arbeit dankte. Auch die Anforderung aller Katastrophenschutz-Löschfahrzeuge des Landes, die im Landkreis Marburg-Biedenkopf stationiert sind, sei ein Novum gewesen. Das Ziel dabei: Die Zusammenarbeit von Einsatzkräften unter einer einheitlichen Führung zu trainieren, die vorher noch nicht miteinander gearbeitet haben. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass diese Situation realistisch ist. Deshalb muss es trainiert werden, damit es im Ernstfall klappt“, erläuterte Schäfer.

Ein Betreuungszug des DRK versorgte die Einsatzkräfte während der gesamten Übungsdauer mit Verpflegung. „Das hatte zwei Effekte: Unsere Betreuungskräfte haben die Versorgung von 300 Personen üben können und die Einsatzkräfte waren sehr gut versorgt“, so Schäfer.

Landrätin Kirsten Fründt, die vor Ort die Arbeit der Einsatzkräfte beobachtete, lobte die große Motivation der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. „Sie sind professionell und mit großem Engagement an die gestellten Aufgaben herangegangen und haben sie gemeinsam gelöst. Das war echte Teamarbeit“, lobte die Landrätin, die auch Dezernentin für Brand- und Katastrophenschutz im Landkreis ist. „Die Eindrücke bei dieser Übung haben mich in meiner Meinung bestärkt, dass der Katastrophenschutz und die Rettungsdienste im Kreis gut aufgestellt und in Lage sind, kompetent zu helfen – auch wenn es mal schwierig wird“, stellte sie fest. Sie dankte allen Einsatzkräften für deren Engagement.

An der Übung beteiligt waren Einsatzkräfte der Feuerwehren aus den Städten und Gemeinden Amöneburg, Angelburg, Bad Endbach, Biedenkopf, Breidenbach, Cölbe, Dautphetal, Ebsdorfergrund, Gladenbach, Kirchhain, Lahntal, Lohra, Marburg, Münchhausen, Rauschenberg, Stadtallendorf, Steffenberg und Weimar. Das THW aus Marburg und Biedenkopf sorgte für Licht und Strom. Die Besatzungen von neun Rettungswagen und zwei Notarzteinsatzfahrzeugen übernahmen den rettungsdienstlichen Part, der von Leitenden Notärzten und Organisatorischen Leitern des Landkreises koordiniert wurde. Seitens des Landkreises Marburg-Biedenkopf waren die Technische Einsatzleitung mit dem Einsatzleitwagen und mehrere Kreisbrandmeister vor Ort und die Informations- und Kommunikationsgruppe sorgte für die Funkverbindung.

Herausforderung für angehende Rettungsassistenten: Bei Dunkelheit und Regen galt es, parallel mehrere "Verletzte" zu versorgen. Foto: Landkreis

Herausforderung für angehende Rettungsassistenten: Bei Dunkelheit und Regen galt es, parallel mehrere "Verletzte" zu versorgen.

Die Rettung von "Verletzten", die unter Bäumen eingeklemmt waren, forderte die enge Abstimmung und reibungslose Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst. Foto: Landkreis

Die Rettung von "Verletzten", die unter Bäumen eingeklemmt waren, forderte die enge Abstimmung und reibungslose Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst.

Um "Verletzte" aus einem umgestürzten Auto zu befreien, setzte die Feuerwehr hydraulische Rettungseräte - hier ein Spreizer - ein. Foto: Landkreis

Um "Verletzte" aus einem umgestürzten Auto zu befreien, setzte die Feuerwehr hydraulische Rettungseräte - hier ein Spreizer - ein.

Fotos: Landkreis Marburg-Biedenkopf


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