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Sonderausstellung im Schloss Biedenkopf erlaubt Einblicke in Handarbeitstechniken der vergangenen 250 Jahre – „Von Aufnäher bis Zwirn – Textile Handarbeiten aus dem Hinterland“

(Pressemitteilung Nr. 142/2012 vom 03.04.2012)
Marburg-Biedenkopf – „Von Aufnäher bis Zwirn – Textile Handarbeiten aus dem Hinterland“ ist der Titel der Ausstellung, mit der das Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf die aktuelle Saison gestartet ist. Der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern eröffnete die Ausstellung im kreiseigenen Schloss im Beisein zahlreicher Gäste. „Auch diese Ausstellung wird wieder überwiegend aus dem umfangreichen Bestand des Museums bestritten“, stellte Dr. McGovern fest und unterstrich damit die kulturhistorische Bedeutung des Museums. Zu sehen ist ein Querschnitt an historischen Kleidungs- und Wäschestücken, die in der Region, vorwiegend im häuslichen Umfeld und meist von Frauen gefertigt wurden. Das älteste der gezeigten Exponate datiert in das Jahr 1746, die jüngsten Objekte stammen aus der Zeit um 1930.

Im Vordergrund der Sonderausstellung stehen Stickarbeiten. Sie finden sich auch auf nützlichen alltäglichen Wäschestücken wie etwa Kor- oder Handtüchern. „Gestickte gegenständliche Darstellungen, Initialen oder Jahreszahlen ,erheben’ ein einfaches Stück Stoff zu einem außergewöhnlichen Objekt“, erläuterte Museumsleiter Gerald Bamberger. „Im Prinzip wären nämlich die gezeigten gestickten und umhäkelten Ausstellungsstücke auch unverziert einsetzbar und ihre eigentliche Funktion nicht eingeschränkt. Aber: eine individuelle Handstickerei macht auch einen in größerer Stückzahl produzierten Grundstoff einzigartig“, so Bamberger. Darüber hinaus lasse sich auch noch Jahrhunderte später die Kunstfertigkeit der Stickerin in Augenschein nehmen.

Auf Stickmustertüchern wurden allgemeine Sticktechniken und Motive „zum Anfassen“ illustriert. Mädchen ab der zweiten Klasse übten auf diese Weise für die Stickarbeiten, die sie für die Aussteuer anfertigten. Die eigentlich als eine „Schönschreib-Übung“ gedachten Tücher sind heute selbst kunstvoll gestaltete Einzelstücke. Die Besucher finden in der Ausstellung nicht nur einige dieser Tücher aus dem 19. Jahrhundert, sondern auch gedruckte Stickmustervorlagenbögen.

Auch in der Trachtenkultur des Hinterlandes wurde gestickt, um der Tracht – innerhalb festgelegter Grenzen – ein besonderes Äußeres zu geben. Von der Trägerin selbst wurden meist die Bruststecker, Wischtücher und die Hemdkragen („Killer“) verziert.

Als einfachste Handarbeit, die jeder erlernen musste, galt die Strickerei. Auch sie wird natürlich auch in der Ausstellung berücksichtigt. Im Hinterland war die Handstrickerei Ende des 18. Jahrhunderts so populär, dass der hessen-darmstädtische Kammerrat Philipp Engel Klipstein schrieb: „Ganze Familien sind ohne Licht strickend angetroffen worden. Nachts liegt das Strickzeug unterm Kopfkissen, um bei etwa vorfallender Schlaflosigkeit zum nützlichen Zeitvertreib zu dienen.“

Das Zusammennähen größerer Stoffstücke erleichterten ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in großer Stückzahl industriell produzierte Nähmaschinen. In der Ausstellung werden einige Exemplare in unterschiedlichen Größen präsentiert. Zudem wird kurz der Bereich des Nähens und Ausbesserns thematisiert.

Die Sonderausstellung „Textile Handarbeiten aus dem Hinterland“ ist im Hinterlandmuseum zu sehen bis einschließlich 17. Juni. Vom 30. Juni bis zum 2. September schließt sich eine Sonderausstellung an zu dem Thema „Bierbrauereien an der oberen Lahn“. Darüber hinaus ist in diesem Jahr noch eine dritte Sonderausstellung vorgesehen unter dem Titel „Alte Gesangbücher aus dem Hinterland“. Sie läuft vom 8. September bis zum 3. Oktober.

Das Hinterlandmuseum ist geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr außer montags. Oster- und Pfingstmontag steht das Museum allerdings ebenfalls den Besuchern offen.
 

  Sie eröffneten die Ausstellung im Hinterlandmusuem (v. li.): Erster Kreisbeigeordneter Dr. Karsten McGovern, Bürgermeister Joachim Thiemig, Museumsmitarbeiterin Claudia Röhl,  Museumsleiter Gerald Bamberger und Museumspraktikantin Xin Zheng.
Sie eröffneten die Ausstellung im Hinterlandmusuem (v. li.): Erster Kreisbeigeordneter Dr. Karsten McGovern, Bürgermeister Joachim Thiemig, Museumsmitarbeiterin Claudia Röhl, Museumsleiter Gerald Bamberger und Museumspraktikantin Xin Zheng.

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