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Gemeinsame Pressemitteilung des Landkreis Marburg-Biedenkopf und des Diakonisches Werkes Oberhessen: Suchtprävention bei Jugendlichen ist eine Querschnittsaufgabe im Landkreis Marburg-Biedenkopf – Bündelung vorhandener Ressourcen koordiniert und vernetzt verschiedene Programme und Projekte

(Pressemitteilung Nr. 134/2012 vom 30.03.2012)
Marburg-Biedenkopf – Vernetzte Akteure, ein breites Maßnahmenpaket und ein ganzheitlicher Ansatz – auf diese drei Säulen stützt sich das Gesamtkonzept in Sachen Sucht- und Alkholprävention bei Kindern und Jugendlichen im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Die Akteure sind der Landkreis Marburg-Biedenkopf mit dem Fachbereich Gesundheit, das Diakonische Werk Oberhessen mit der Sucht- und Drogenberatung sowie die Städte und Gemeinden im Kreis. „Wir sind einer der wenigen Landkreise, die ein strukturiertes Gesamtkonzept für den Bereich Alkoholprävention haben“, teilte der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern am Freitag in Marburg mit.

Ausgangspunkt für die Entwicklung dieses Konzepts waren die Ergebnisse der schulärztlichen Untersuchung bei Jugendlichen im Landkreis aus dem Jahr 2008 und die Fallzahlentwicklung der stationären Aufnahmen mit der Diagnose „Alkoholvergiftung“ in der Universitäts- Kinderklinik Marburg. „Sowohl der hohe Anteil der Jugendlichen, die regelmäßig Alkohol in gesundheitsschädlicher Weise konsumieren, als auch die im Bundestrend liegende Zunahme der Alkoholvergiftungen bei Kindern und Jugendlichen wurden als Problem erkannt und zum Anlass genommen, die Präventions- und Interventionsmaßnahmen in unserem Landkreis unter die Lupe zu nehmen und ein Konzept auf den Weg zu bringen“, erläuterte Dr. McGovern.

Wurden im Jahr 2006 insgesamt 32 Patienten im Alter unter 18 Jahre mit der Diagnose Alkoholvergiftung in der Marburger Kinderklinik behandelt, waren es im Jahr 2008 sogar 79. Dieser Anstieg konnte gestoppt werden. Im vergangenen Jahr waren es 61 Patienten.

Die Bausteine dieses Gesamtkonzeptes sehen sowohl vorbeugende Maßnahme, als auch reaktive, also erzieherische Maßnahmen vor. Dazu gehört auch das Projekt „HaLt – Hart am Limit Proaktiv“, eine kommunal verankerte Präventionsstrategie mit dem Ziel, Alkoholexzesse und schädlichen Alkoholkonsum im Vorfeld zu verhindern. Schlüsselbegriffe für diesen Projektbaustein sind Verantwortung und Vorbildverhalten von Erwachsenen im Umgang mit Alkohol, die konsequente Einhaltung des Jugendschutzgesetzes bei Festen, in der Gastronomie und im Einzelhandel sowie eine breite Sensibilisierung der Bevölkerung. Neben der Ordnungspolitischen Maßnahmen, wie die Neuregelung der Genehmigung von Festveranstaltungen, werden spezielle Multiplikatorenfortbildungen angeboten. Regionale und lokale Präventionsarbeitskreise werden fortlaufend informiert und beraten.

Für den Landkreis haben Präventionsmaßnahmen einen hohen Stellenwert. Der Grundsatz „Vorbeugen ist besser als Heilen“ gilt ganz besonders im Bereich der Prävention von Suchterkrankungen. „Der Landkreis möchte an die guten Erfolge der Nikotinprävention im Kinder- und Jugendalter anknüpfen und das gestiegene Gesundheitsbewusstsein auch auf den Umgang mit Alkohol zu übertragen“, so Dr. Karsten McGovern.

Maik Dietrich-Gibhardt, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Oberhessen, erklärt: „Die gestiegenen Fallzahlen von Kindern und Jugendlichen, die mit einer Alkoholvergiftung in die Marburger Kinderklinik eingeliefert wurden, haben wir auch in unserer Sucht- und Drogenberatung schon lange mit Sorge betrachtet. Bereits Anfang 2009 haben wir deshalb das Modellprojekt ‚Hart am Limit – (HaLT)‘ an den Start gebracht, als Kooperationsprojekt der Sucht- und Drogenberatung des Diakonischen Werkes Oberhessen, des Landkreises, der Stadt Marburg und der Marburger Universitätskinderklinik“. Neben dem reaktiven Baustein, in dem Berater aus der diakonischen Sucht und Drogenberatung Kinder und deren Eltern nach einer schweren Alkoholvergiftung noch im Krankenhaus begleiten, ist der proaktive Baustein von zentraler Bedeutung für die nachhaltige Reduzierung des Komatrinkens.

Thomas Graf von Fachstelle für Suchtprävention des Diakonischen Werkes Oberhessen, stellte den Jahresbericht des Projektes „HaLt proaktiv“ vor: „Wir haben es geschafft, Suchtprävention zu einer Querschnittsaufgabe im Landkreis Marburg-Biedenkopf zu machen. HaLt proaktiv im Landkreis Marburg-Biedenkopf steht für einen breit aufgestellten und ganzheitlichen Präventionsansatz, der Programme zur Stärkung der Kinder schon im Kindergartenalter und Grundschulalter mit einschließt aber auch Risikogruppen gezielt anspricht“.

Der Arbeitskreis Prävention im Fachbereich Gesundheit hat es sich zur Aufgabe gemacht, Präventionsmaßnahmen effektiv für alle Lebensbereiche von Familien, Jugendlichen und Erwachsenen in einer Strategie zusammenzufassen. Die Ergebnisse dieser Arbeit können über eine extra eingerichtete Internetseite (www.alkohol-prävention.de) abgerufen werden. Die Seite bietet Fachleuten und Pädagogen einen Überblick über die bereits laufenden Maßnahmen im Landkreis und verweist direkt auf die Ansprechpartner vor Ort. „Die empfohlenen Programme haben sich bundesweit als „Best Practice“ bewährt und ihre Wirksamkeit größtenteils über eine wissenschaftliche Evaluierung nachgewiesen“, betonte Dr. Birgit Wollenberg vom Fachbereich Gesundheit des Kreises. Durch die Bündelung vorhandener Ressourcen würden die verschiedenen Programme und Projekte sichtbar und könnten so besser fachlich und zielgruppengerecht koordiniert und miteinander vernetzt werden.

Hierzu zählt auch die konsequente Durchsetzung des Jugendschutzes, gerade auf ländlichen Festveranstaltungen. Im Kern steht eine Festkultur mit Verantwortung. Hierzu wurde das Genehmigungsverfahren unter dem Gesichtspunkt des Jugendschutzes auf Landkreisebene 2009 novelliert und harmonisiert. Günter Becker, Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Gladenbach, bercihtete über seine Erfahrungen: „Die Novellierung des Genehmigungsverfahrens hat bewirkt, dass eine gründlichere und deutlichere Information an die Veranstalter von Vereinsfesten herangetragen wird und dadurch diesen nun wichtige Hilfen für die Umsetzung des Jugendschutzes an die Hand gegeben werden“.

Weitere Informationen:
Der „Arbeitskreis Prävention“ trifft sich vierteljährig im Fachbereich Gesundheit unter Leitung von Frau Gerken Fachbereich Gesundheit, Tel. 06421 405-4141, GerkenG@marburg-biedenkopf.de und Herrn Graf Fachstelle Suchtprävention Diakonisches Werk Oberhessen, Tel. 06428 7333, t.graf@suchtsta.de . Ansprechpartner für die Internetseite ist Frau Dr. Birgit Wollenberg, Fachbereich Gesundheit, Tel 06421 405-4160
Mitglieder des „Arbeitskreises Prävention“ sind Vertreter des Landkreis Marburg-Biedenkopf und des Sportkreises Marburg, der Stadt Marburg, des Staatliches Schulamts Marburg-Biedenkopf, des Kreis- und Stadtelternbeirats, der Jugendkoordination der Polizeidirektion Marburg-Biedenkopf, der JUKO (Jugendkonflikthilfe) Marburg, des Vereins zur Förderung bewegungs- und sportorientierter Jugendsozialarbeit e.V. (BSJ) Marburg, des Blauen Kreuzes Marburg (Projekt Drachenherz) und der Sucht- und Drogenberatung des Diakonischen Werks Oberhessen.
 

  Übergaben den 1. Jahresbericht für das Projekt "HaLt Proaktiv" an den Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Karsten McGovern (2. v. li): Maik Dietrich Gibhardt (v.li.; Diakonisches Werk Oberhessen), Thomas Graf (Diakonisches Werk Oberhessen), Dr. Birgit Wollenberg (Fachbereich Gesundheit) und Günter Becker (Stadt Gladenbach, Ordnungsamt).
Übergaben den 1. Jahresbericht für das Projekt "HaLt Proaktiv" an den Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Karsten McGovern (2. v. li): Maik Dietrich Gibhardt (v.li.; Diakonisches Werk Oberhessen), Thomas Graf (Diakonisches Werk Oberhessen), Dr. Birgit Wollenberg (Fachbereich Gesundheit) und Günter Becker (Stadt Gladenbach, Ordnungsamt).

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Ampel-Prinzip:  Maik Dietrich Gibhardt, Dr. Karsten McGovern und Günter Becker zeigen die farbigen Bänder, die auf Festen das Alter jugendlicher Gäste erkennbar machen: Rot bedeutet Stopp - keinen Alkohol - Person ist jünger als 16. Gelb bedeutet, dass der Gast zwischen 16 und 18 Jahre alt ist, Bier, Wein und Sekt trinken und bis 24:00 Uhr bleiben darf. Gäste über 18 bekommen ein grünes Bändchen an das Handgelenk. Die Bedeutung: Keine Einschränkungen. (Fotos: Landkreis)

Ampel-Prinzip: Maik Dietrich Gibhardt, Dr. Karsten McGovern und Günter Becker zeigen die farbigen Bänder, die auf Festen das Alter jugendlicher Gäste erkennbar machen: Rot bedeutet Stopp - keinen Alkohol - Person ist jünger als 16. Gelb bedeutet, dass der Gast zwischen 16 und 18 Jahre alt ist, Bier, Wein und Sekt trinken und bis 24:00 Uhr bleiben darf. Gäste über 18 bekommen ein grünes Bändchen an das Handgelenk. Die Bedeutung: Keine Einschränkungen.
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Fotos: Landkreis

 

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