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Zwei Jahre Pflegestützpunkt Marburg-Biedenkopf – Trägerübergreifende Konstruktion hat viele Vorteile für die Kunden

(Pressemitteilung Nr. 132/2012 vom 28.03.2012)
Marburg-Biedenkopf – Am 1. April 2010 wurde der Pflegestützpunkt Marburg-Biedenkopf eröffnet. Seinen Sitz hat er im Beratungszentrum (BIP), Am Grün 16, in Marburg. „Dieser räumliche Zusammenschluss mit anderen, für die Altenhilfe und Pflege relevanten Träger, erleichtert Absprachen bei komplexer Hilfeplanung“, erläuterte Erster Kreisbeigeordneter Dr. Karsten McGovern, der nach zwei Jahren ein positives Resümee dieser bisherigen Arbeit zog. „Mit der trägerübergreifenden Konstruktion wurde die Grundlage für eine qualifizierte ganzheitliche, abgestimmte Beratung und Unterstützung zu allen leistungsrechtlichen, sozialen und organisatorischen Fragen rund um die Pflege geschaffen“, so Dr. McGovern.

Außerdem arbeiten die Pflegestützpunkte nach dem Grundsatz der Wettbewerbsneutralität. Ein Pflegeberater der Pflegekasse sowie eine Fachkraft für Altenhilfeberatung bilden das Beratungs-Team im Stützpunkt. Für die Ratsuchenden ist der Pflegestützpunkt eine Anlaufstelle, in der man anbieterunabhängig eine umfassende Unterstützung erfährt.

Von einer solchen Unterstützung durch den Pflegestützpunkt (PSP) sprach Frank Grein, der sich im Februar aus einer Notsituation heraus (sein Vater hatte einen akuten Schub im Zusammenhang mit seiner Demenzerkrankung) an das PSP gewandt. Nachdem er erst vergebens an verschiedenen Stellen erfolglos Hilfe suchte, sei ihm das Beratungsangebot des PSP wie ein Lichtblick erschienen. Dort habe er klar strukturierte Hinweise und viele wichtige Tipps erhalten, sodass er diese Hilfe in der Notsituation wie „ein Fels in der Brandung“ empfunden habe.

„Seit Bestehen des Pflegestützpunktes Marburg-Biedenkopf am 1. April 2010 wurden insgesamt 848 Klienten beraten, wobei die Akzeptanz und Inanspruchnahme von Beginn an gut waren“, so Ruth Schlichting von der Stabsstelle Altenhilfe. Mit wachsender Bekanntheit dieser Beratungseinrichtung sei auch die Anzahl der Menschen gestiegen, die Rat im Pflegestützpunkt suchen würden. Allein in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres haben demnach 184 Menschen erstmalig Kontakt zum Pflegestützpunkt aufgenommen.

Meistens sind es Angehörige, die sich an den PSP wenden (713 von 848). Im Rahmen der Beratungstätigkeit wurden insgesamt 390 Hausbesuche geleistet. Die Mitarbeiter des PSP fahren bei Bedarf grundsätzlich alle Städte und Gemeinden im Landkreis an. Hausbesuche ermöglichen einen umfassenden Einblick in die spezifische häusliche Pflegesituation und geben verlässlich Auskunft über den tatsächlichen individuellen Bedarf.

Die Unterstützungsleistungen des Pflegestützpunktes orientieren sich an den objektiven Bedarfen und an persönlichen Fragestellungen und Wünschen der Ratsuchenden. Statistisch betrachtet werden die Leistungen des PSP unterschieden zwischen Einmal-Kontakten, ausführlicher Beratung (Hilfe zur Selbsthilfe) und Case Management (Organisation und Begleitung von Versorgungsarrangements). Eine solche Begleitung ist bei sehr komplexen Problem- und Fragestellungen erforderlich. Sie wurde bisher in 81 Fällen geleistet.

Einmalig in Hessen ist die enge Zusammenarbeit von Leistungsanbietern und Spezialdiensten mit dem Pflegestützpunkt in einem Haus. Der intensive Kontakt zu diesen Leistungsanbietern und Spezialdiensten (z.B. Alzheimer Gesellschaft, Betreuungsverein, Hospizdienst, Mobile Rehabilitation) sowie Selbsthilfe- und Bürgergruppen. Gemeinsam kann man zu einer ganzheitlichen und optimalen Versorgung der Betroffenen beitragen. Mit diesen Partnern gab es im genannten Zeitraum 796 Kontakte. Auch Städte und Gemeinden des Kreises spielen eine wichtige Rolle. Kommunale Ansprechpartner in den Verwaltungen fungieren als Mittler zwischen Ratsuchenden und Pflegestützpunkt. Besonders intensiv ist die Zusammenarbeit mit Klinik-Sozialdiensten, der Alzheimer Gesellschaften, den Pflegekassen und Beratungsstellen.

Insgesamt wurden vom Pflegestützpunkt über 3.000 Kontakte registriert, davon allein im Jahr 2012 bereits 693 Kontakte. Die bisherige Koordinations- und Vernetzungsarbeit des Pflegestützpunktes weist eine positive Bilanz auf. Zweimal im Jahr werden alle Anbieter, Selbsthilfegruppen, Träger, Vereine etc, die in der Altenhilfe bzw. Pflege tätig sind, zu regionalen Netzwerkkonferenzen eingeladen. Die Treffen bieten einen Rahmen, sich gegenseitig kennenzulernen, Informationen über Angebote, Projekte und Probleme auszutauschen und Verabredungen für die Zusammenarbeit zu treffen. Von den Netzwerktreffen profitiert der Pflegestützpunkt für seine Beratungsarbeit. Auch für die Teilnehmenden erweisen sie sich als Gewinn hinsichtlich Kooperation und Marketing. Den Einladungen folgen rund 140 Pflegeanbieter, Träger, Selbsthilfegruppen und weitere Akteure.

Hintergrund:

In Hessen gibt es derzeit insgesamt 22 Pflegestützpunkte, die auf gesetzlicher Grundlage (SGB XI, § 92c) arbeiten. Das Besondere, ja Einmalige an dieser Beratungseinrichtung ist die Tatsache, dass Pflege- und Krankenkassen sich die Trägerschaft mit den Kommunen teilen.
Der Pflegestützpunkt ist für pflegebedürftige Menschen, pflegende Angehörige, Menschen mit Behinderung gedacht sowie für Menschen, die von Behinderung und Pflege bedroht sind.

Zu den gesetzlichen Aufgaben gehören umfassende unabhängige Auskunft und Beratung zur Auswahl und Inanspruchnahme von Sozialleistungen und Hilfenangeboten, die Koordinierung von Unterstützungsangeboten und Hilfestellung bei der Inanspruchnahme von Leistungen, Zusammenarbeit mit Leistungserbringern, die Vernetzung aufeinander abgestimmter pflegerischer und sozialer Versorgungs- und Betreuungsangebote.

Zu den Zielen des Pflegestützpunktes gehören insbesondere die Hilfe zur Selbsthilfe, eine Entlastung und Unterstützung Angehöriger in Pflegesituationen, eine abgestimmte und zielorientierte Pflege, Versorgung und Betreuung der Pflegebedürftigen, die Vorrangsicherung der häuslichen Pflege und die Förderung einer wohnortnahen sozialen Infrastruktur für ältere Menschen.

 

  Auf zwei erfolgreiche Jahre des Pflegestützpunktes kann zurückgeschaut werden. Wie wichtig diese Arbeit für Kunden ist, erläuterte Frank Grein aus Marburg (rechts). Im Gespräch im BIP (Beratungszentrum mit integriertem Pflegestützpunkt) waren außerdem (v.l.n.r.): Dr. Petra Engel (Stabsstelle Altenhilfe, Stadt Marburg), Dieter Kurth und Ingrid Labitzke (beide Pflegestützpunkt), Ruth Schlichting (Stabsstelle Altenhilfe des Landkreises), Erster Kreisbeigeordneter Dr. Karsten McGovern, Diana Gillmann-Kamm (Pflegestützpunkt). Foto: Landkreis
Auf zwei erfolgreiche Jahre des Pflegestützpunktes kann zurückgeschaut werden. Wie wichtig diese Arbeit für Kunden ist, erläuterte Frank Grein aus Marburg (rechts). Im Gespräch im BIP (Beratungszentrum mit integriertem Pflegestützpunkt) waren außerdem (v.l.n.r.): Dr. Petra Engel (Stabsstelle Altenhilfe, Stadt Marburg), Dieter Kurth und Ingrid Labitzke (beide Pflegestützpunkt), Ruth Schlichting (Stabsstelle Altenhilfe des Landkreises), Erster Kreisbeigeordneter Dr. Karsten McGovern, Diana Gillmann-Kamm (Pflegestützpunkt).
Fotos: Landkreis

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