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Erhöhte Aufmerksamkeit in der Bevölkerung für die Belange des Kinderschutzes – Dr. McGovern: „Menschen achten mehr auf Kinder!“ / Landkreis Marburg-Biedenkopf registriert steigende Zahl von Gefährdungsmeldungen / Zahl der Inobhutnahmen wegen akuter Gefährdung konnte leicht gesenkt werden

(Pressemitteilung Nr. 126/2011 vom 15.04.2011)
Marburg-Biedenkopf – Die Sensibilität in der Bevölkerung für die Belange des Kinderschutzes ist deutlich gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt der Landkreis Marburg-Biedenkopf, nach dem die Gefährdungsmeldungen beim zuständigen Fachbereich Familie, Jugend und Soziales für das Jahr 2010 ausgewertet worden sind. So sind im vergangenen Jahr 275 auf Kinder und Jugendliche bezogene Meldungen beim Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) des Landkreises eingegangen. Im Jahr zuvor waren es 193 Gefährdungsmeldungen.

Der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern begrüßt diese Entwicklung ausdrücklich und weist darauf hin, dass die zahlreichen Informationen und Veranstaltungen zu diesem Thema Erfolge zeigen. „Die Menschen sind für dieses Thema sensibler geworden und achten mehr auf Kinder und Jugendliche und deren Wohlergehen.“ Diese erhöhte Aufmerksamkeit sorge dann zwangsläufig für mehr Meldungen. „Trotz der gestiegenen Zahl an Gefährdungsmeldungen konnte die Zahl der Inobhutnahmen wegen akuter Gefährdung auf gleichem Niveau gehalten und sogar leicht gesenkt werden“, sagte Dr. McGovern. Im Jahr 2010 mussten 69 in Obhut genommen werden; in den beiden Vorjahren waren es jeweils 74.

Besonders auffällig ist dabei die höhere Anzahl von Meldungen aus der Nachbarschaft und aus der Verwandtschaft, die sich Sorgen um das Wohlergehen der betroffenen Kinder machen. So kamen in 2010 insgesamt 43 Meldungen aus der Verwandtschaft oder aus dem familiären Umfeld (2009: 29) und 43 aus der Nachbarschaft (2009: 23). Auch die anonymen Mitteilungen stiegen von 2009 (15) auf 2010 (27) an.

Die Interpretation der Daten führt auch zu der Feststellung, dass die Vernetzung und Kooperation mit anderen Institutionen wichtiger Bestandteil der Arbeit des Landkreises ist. So ist ein deutlicher Anstieg der Meldungen über die Polizei (von 19 im Jahr 2009 auf 49 in 2010) zu verzeichnen. „Sonstige“ Hinweisgeber sind zum Beispiel auch Vermieter, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Verwaltungen, von Einrichtungen der stationären und freien Jugendhilfe sowie auch Betroffene selbst.

„Die Bearbeitung der Gefährdungsmeldungen hat bei uns oberste Priorität“, betonte Dr. McGovern. Von den 275 auf Kinder oder Jugendliche bezogene Meldungen seien 93 sofort, also noch am gleichen Tag, und 47 umgehend (1 bis 2 Tage nach Eingang) überprüft worden. Aufgrund zum Teil langjähriger Erfahrungen sowie fundierter Aus- und Fortbildung sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ASD in der Lage, Gefährdungsmeldungen einzuordnen und deren Dringlichkeit einzuschätzen – also zu entscheiden, ob sofort reagiert werden muss.

181 der Meldungen führten zu Hausbesuchen

181 der 275 Meldungen sind zunächst in Form von Hausbesuchen überprüft worden, davon die überwiegende Mehrheit mit der Beteiligung von zwei Mitarbeitern des ASD. Die Auswertung der Gefährdungsmeldungen für 2010 hat ferner ergeben, dass bei 69 Kindern oder Jugendlichen (rund 25 Prozent) keine Gefährdung und kein Hilfebedarf gesehen wurden. Bei 43 Kindern oder Jugendlichen wurde nach einer Gefährdungsmeldung eine akute Gefährdung gesehen. Die Kinder wurden dann in der Regel sofort in Obhut genommen und zu einer Bereitschaftspflegefamilie gebracht. Bei den akuten oder drohenden Gefährdungen standen die Vernachlässigung (hier insbesondere bei Kleinkindern) und die körperliche Misshandlung im Vordergrund.

Immerhin 72 Kinder waren erst im Alter von 0 bis 3 Jahren, hier liegt eine deutliche Steigerung zu 2009 (43) vor. Da diese Kinder in der Regel noch nicht in Kinderbetreuungseinrichtungen sind, ist vom ASD in der Bearbeitung dieser Konstellationen höchste Sorgfalt an den Tag zu legen.
Als Maßnahmen nach Überprüfung der Meldungen kommen neben der weiteren Begleitung beispielsweise eine Inobhutnahme, die Einleitung einer Hilfe zur Erziehung, Vermittlung an eine Erziehungsberatungsstelle, Vermittlung an Kinderärzte oder an niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiater oder auch an die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Betracht.

Aufgrund der gestiegenen Anforderungen und steigender Fallzahlen hat der Landkreis Marburg-Biedenkopf verstärkt in das Personal des ASD investiert. Neben Stellenzuwächsen ist auch in die Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter investiert worden, hier stehen auch in 2011 weitere hausinterne Fortbildungen an. Durch weitere strukturelle Maßnahmen wie die Einführung von Teamleitungen im ASD, die Intensität der Hilfeplanung und die Einführung und Weiterentwicklung des Fach- und Finanzcontrollings ist es für 2010 gelungen, die Haushaltsansätze stabil zu halten. Insbesondere im stationären Bereich hat es keine Fallzahlerhöhungen gegeben, obwohl die notwendigen Hilfen gewährt wurden. Dies zeige, so der Fachbereichsleiter Uwe Pöppler, dass der eingeschlagene Weg richtig ist.

Für Dr. Karsten McGovern und auch für den Fachbereichsleiter Uwe Pöppler ist es erfreulich, dass die freien Träger der Jugendhilfe vor Ort den Weg „Vorrang der ambulanten Maßnahmen“ mitgegangen sind. Diese haben auch in ihr Personal investiert, um die ambulanten Hilfen durchführen zu können, und sich auch inhaltlich entsprechend ausgerichtet. Die Jugendhilfeträger nehmen ihre Verantwortung für den Kinderschutz somit in Absprache mit dem Landkreis Marburg-Biedenkopf wahr und leisten ihren Beitrag dazu.

Ein weiterer Baustein des Kinderschutzes sind die Überprüfungen nach dem Hessischen Kindergesundheitsschutzgesetz. Das Hessische Kindervorsorgezentrum in Frankfurt meldet den örtlich zuständigen Jugendämtern die Namen der Kinder, deren Eltern die notwendigen Vorsorgeuntersuchungen nicht durchgeführt haben. Auch hier gab es bei der Bearbeitung durch den ASD des Landkreises eine Fallzahlsteigerung von 300 im Jahr 2009 auf 327 in 2010. Bei den Überprüfungen stellte sich jedoch heraus, dass in etwa zwei Drittel der Fälle bereits die Vorsorgeuntersuchung durch die Eltern bei einem Arzt durchgeführt worden waren. In keinem der Fälle konnte ein Hinweis auf eine Kindeswohlgefährdung festegestellt werden.

Anhang: Grafische Darstellung der Zahlen (PDF, ca. 450 KB)

  Der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent Dr. Karsten McGovern (li.) und der Leiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) beim Landkreis, Jürgen Rimbach,  stellten die Jahresstatitistik der Gefährdungsmeldungen vor. Sie gehen offensiv mit dem Thema Kindeswohlgefährdung um und verfolgen das Ziel, dann einzugreifen, wenn es nötig ist, aber Eltern auch zu befähigen und dabei zu helfen, Probleme und Überforderung bei der Kindererziehung in den Griff zu bekommen. Sie appellieren an Eltern, nicht zu lange zu warten, wenn sie sich überfordert fühlen sondern frühzeitig Beratung und Unterstützung in Anspruch zu nehmen. (Foto: Landkreis)
Der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent Dr. Karsten McGovern (li.) und der Leiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) beim Landkreis, Jürgen Rimbach, stellten die Jahresstatitistik der Gefährdungsmeldungen vor. Sie gehen offensiv mit dem Thema Kindeswohlgefährdung um und verfolgen das Ziel, dann einzugreifen, wenn es nötig ist, aber Eltern auch zu befähigen und dabei zu helfen, Probleme und Überforderung bei der Kindererziehung in den Griff zu bekommen. Sie appellieren an Eltern, nicht zu lange zu warten, wenn sie sich überfordert fühlen sondern frühzeitig Beratung und Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
(Foto: Landkreis)

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