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Kiebitze sollen erhalten bleiben – Landwirte wollen Gelege schützen

(Pressemitteilung 120/2016 vom 31.03.2016)

Marburg-Biedenkopf – Der Landkreis Marburg-Biedenkopf hatte durch seinen Fachdienst Agrarförderung / Agrarumwelt eine Informations-Veranstaltung zum Erhalt der Kiebitze im Gasthaus zur Sonne in Kirchhain angeboten, die von 35 Landwirten und Vogelschützern besucht wurde. Der Kiebitz ist ein vom Aussterben bedrohter Zugvogel, der in früheren Zeiten besonders im Ohmgrund in großer Zahl gebrütet hat. Dominik Heinz vom NABU Landesverband Hessen führte in seinem Vortrag aus, dass der Kiebitz seit dem Rückgang der Feuchtgebiete meist auf bewirtschafteten Feldern anzutreffen ist. Dort findet er die offenen Flächen mit fehlender oder kurzer Vegetation, die er für sein Brutgeschäft braucht. Daher kommt den Landwirten beim Schutz der Kiebitze eine herausragende Rolle zu.

Herr Heinz stellte ein neues Kiebitz-Projekt des NABU im Bundesprogramm Biologische Vielfalt („BPBV Kiebitz“) vor und betonte, dass sich der Kiebitz als „Sympathieträger“ besonders gut für ein Artenschutzprojekt in der Agrarlandschaft eignet. Im Projekt sollen Schutzmaßnahmen in der normalen Agrarlandschaft entwickelt und erprobt werden. Diese sollen vor allem den Bruterfolg steigern und in Agrarumweltmaßnahmen übersetzt werden. „Ohne ein Handeln wird der Kiebitz in wenigen Jahren in Hessen verschwunden sein“, mahnt der Experte. Vorgeschlagene Maßnahmen, von denen auch weitere Arten profitieren, sind: Kiebitz-Inseln auf Ackerstandorten schaffen, Bewirtschaftungsruhe in Sommerungen umsetzen (z. B. verzögerte Maisaussaat) sowie Gelegeschutz.

Anschließend stellte Heike Weichert vom Fachdienst Agrarförderung / Agrarumwelt des Kreises die derzeitigen Instrumente der Agrarförderung vor, die beim Erhalt des Kiebitzes helfen können. Hier gibt es im Hessischen Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen (HALM) zahlreiche Möglichkeiten, etwa über Grünland-Extensivierung und Brache-Streifen im Ackerland. Außerdem können ökologische Vorrangflächen (ÖVF), die im Rahmen des sogenannten „Greening“ relevant sind, sinnvoll für die Kiebitze eingesetzt werden (z.B. Feldrand ÖVF). Dabei muss von den aktuellen Brutgebieten der Kiebitze im Landkreis ausgegangen werden, die von vielen ehrenamtlichen Vogelschützern beobachtet und betreut werden.

Bereits in der Vergangenheit wurden die Gelege der Kiebitze von ehrenamtlichen Vogelschützern markiert und anschließend von den Landwirten bei der Bearbeitung ausgespart. Diese Zusammenarbeit wollen die Landwirte gerne weiter intensivieren. „Durch direkte Kontakte zu den Vogelschützern können wir bei Bedarf viel schneller reagieren“ brachte es Volker Lenz, Ortslandwirt von Kirchhain, auf den Punkt.

Da Kiebitze während ihrer Suche nach geeigneten Brutplätzen ganz besonders empfindlich auf Störungen reagieren, werden Spaziergänger und besonders Hundehalter dringend gebeten, einen weiträumigen Abstand zu den Bodenbrütern einzuhalten und die Vögel möglichst nicht zu beunruhigen sowie Hunde anzuleinen.

Weitere spezielle Fördermaßnahmen für den Schutz der Kiebitze können von interessierten Landwirten in Anspruch genommen werden. Informationen: Landkreis Marburg-Biedenkopf, Fachbereich Ländlicher Raum und Verbraucherschutz, Heike Weichert, Tel: 06421 405-6301, E-Mail: WeichertH@marburg-biedenkopf.de

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