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Das Exponat des Monats April im Schlossmuseum Biedenkopf ist eine Tabaksdose – 1809 gab es in Biedenkopf 38 Anzeigen wegen des Tabakrauchens auf der Straße

(Pressemitteilung 120/2014 vom 03.04.2014)

Marburg-Biedenkopf – „Jeden Monat wird aus dem nicht dauerhaft gezeigten Bestand des Schlossmuseums in Biedenkopf ein Exponat gezeigt, das im Zusammenhang mit dem Hinterland steht. Für die Stifter dieser Exponate ist es besonders schön, wenn sie ihr Exponat in einer gesonderten Vitrine in der Burgküche im Schloss sehen können“, sagte Landrätin Kirsten Fründt. Für die Bürgerinnen und Bürger, die sich das Exponat des Monats anschauen würden, würden zudem auch immer eine interessante Geschichte und Erläuterungen zu den regionalen Ausstellungsstücken angeboten.

Das erste Exponat des Monats der Saison 2014 ist eine Tabaksdose aus Messing aus dem 18. Jahrhundert in den Maßen 3,5 x 13 x 8 cm (H,B,T). Gestiftet hat sie ein Bürger aus dem Hinterland.

Die Dose ist queroval, der Deckel lässt sich an einem Scharnier aufklappen. Die Dose besteht aus Messing und ist allseitig mit graviertem Dekor versehen. Deckel und Boden sind im Aufbau identisch gestaltet. Im Zentrum befindet sich ein quadratisches Bildfeld, die Darstellungen sind inhaltlich ähnlich und zeigen ein Liebespaar, das in einer Art Veranda sitzt. Bei dem Bild auf dem Boden hält der Mann eine lange Pfeife in der Hand. Die Darstellungen werden gerahmt von zwei Posaune blasenden Engeln, die flächig mit Blattwerk verwoben sind. Darunter finden sich Inschriften in holländischer Sprache. Die Seiten der Dose sind reich profiliert.

Die Tabakpflanze kommt aus Amerika und verbreitete sich im Laufe des 16. Jahrhunderts in Europa. Zunächst nur als Heilmittel geschätzt, wurde Tabak zunehmend zu einem Genussmittel und überwiegend geraucht. Im 18. Jahrhundert war aber auch das Schnupfen sehr populär. Die für den Schnupftabak bestimmten Dosen aus dieser Zeit sind meist als Kunstobjekt aus besonderem Material und aufwändig gestaltet. Sie können die unterschiedlichsten Darstellungen zeigen, sogar mit religiösem oder politischem Inhalt. Diese neu gestiftete Dose ergänzt die kleine Sammlung des Hinterlandmuseums vortrefflich.

Die Dose lässt sich in das 18. Jahrhundert datieren und entstand aufgrund der Inschrift in Holland, das damals ein Produktionszentrum dieser Waren war. In dieser Zeit gab es bereits Handelsbeziehungen von Biedenkopf nach Holland, so dass die Dose schon in alter Zeit den Weg ins Hinterland gefunden haben könnte. Auch Tabak konnte man hier im 18. Jahrhundert kaufen, z.B. in Geschäften in Biedenkopf, wo es etwa Tabak aus Virginia gab.

Wie verbreitet der Tabakkonsum allgemein etwa in Biedenkopf war, zeigen indirekt Strafen. Eine „Instruktion für einen Polizeidiener zu Biedenkopf“ aus dem Jahre 1803 verbot auch das Rauchen von Tabak „über der Straße, in den Scheuen oder Ställen“. Jedoch nur mit mäßigem Erfolg: 1809 gab es 38 Anzeigen wegen des Tabakrauchens auf der Straße, 1811 34 Anzeigen und 1814 noch 14 Anzeigen.

Das Hinterlandmuseum im Schloss Biedenkopf ist ab 1. April täglich außer montags von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet. Das Museum hat auch an Ostern geöffnet.

Das Exponat des Monats April ist eine Tabaksdose aus dem 18. Jahrhundert. Foto: Landkreis/Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf

Das Exponat des Monats April ist eine Tabaksdose aus dem 18. Jahrhundert.
Foto: Landkreis/Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf

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