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Saisoneröffnung im Schlossmuseum Biedenkopf – Landrätin Fründt eröffnet Sonderausstellung zum Thema „Populäre Druckgrafik im Hinterland“

(Presemitteilung 119/2014 vom 03.04.2014)

Marburg-Biedenkopf – Landrätin Kirsten Fründt eröffnete im kreiseigenen Schlossmuseum Biedenkopf die Sonderausstellung „Im Bilde - Populäre Druckgrafik im Hinterland“. In ihrer Einführung verwies die Landrätin darauf, wie schön dieses Schloss sei. Der Kreis habe in den letzten Jahren zudem sehr viel investiert, um zum Beispiel auch den Schlosshof für kulturelle Veranstaltungen nutzen zu können. Als Beispiel nannte sie das Muscial „Eingefädelt“, das im letzten Jahr im Schlosshof sehr erfolgreich und eindrucksvoll aufgeführt wurde. „Das Schlossmuseum ist immer einen Besuch wert und die attraktiven und interessanten Sonderausstellungen setzen sich gerade auch mit der heimischen Geschichte des Hinterlandes auseinander. Das macht es für die Menschen in der Region und darüber hinaus so interessant“, so Kirsten Fründt.

Die aktuelle Sonderausstellung zeigt eine Auswahl an Druckgrafiken, die - soweit bekannt - vorwiegend an den Wänden von Privathäusern, aber auch in Gasthäusern der Region hingen. Alle ausgestellten Bilder befinden sich heute im Bestand des Hinterlandmuseums Schloss Biedenkopf. Dabei erhebt die Sammlung des Museums beziehungsweise die Sonderausstellung keinen Anspruch auf eine vollständige Aufnahme der in dieser Region vorhandenen druckgrafischen Bildwerke. Die gezeigten Werke wurden seit der Mitte des 19. bis zum frühen 20. Jahrhundert als sogenannte „populäre Druckgrafik“ von zahlreichen Kunstbildverlagen herausgebracht.

Im 19. Jahrhundert äußerte sich die Besinnung auf das häusliche Leben und die damit verbundene Wohnkultur unter anderem mit der steigenden Nachfrage nach Bildern. Ab der zweiten Jahrhunderthälfte konnten auch weniger wohlhabende Bevölkerungsschichten Wandschmuck erstehen, da dieser jetzt durch verschiedene technische Entwicklungen als Druckgrafik preiswert zur Verfügung stand. Die Darstellungen folgten einer leicht verständlichen Bildsprache und orientierten sich am Geschmack der Käufer. Schriftlich aufgebrachte Informationen wie Bildttitel oder Name des Malers, Zeichners, Stechers, Verlegers oder Druckers sowie erklärende Texte lieferten zudem notwendige Hintergrundinformationen.

In den unteren Bevölkerungsschichten war die künstlerische Qualität und Originalität eines Bildes bei der Auswahl eines Bildes als heimischer Wandschmuck wohl zweitrangig. Kauf entscheidend war eher der gezeigte Bildinhalt. Ab den 1860er Jahren gehörten Bilder wie Möbelstücke zur Wohnungseinrichtung. Wandbilddrucke - gleich welcher Qualität – wurden mit Kunst gleichgesetzt und es war für die Allgemeinheit der Käufer bedeutungslos, dass diese Kunst tausendfach reproduziert wurde. Die meisten Verlage brachten Serien heraus, die in losem thematischem Zusammenhang kombiniert aufgehängt werden konnten. Die Bildfolgen, so genannte Suiten, bildeten eine abgeschlossene Einheit. Die Nummerierung beziehungsweise die Hängung der Bilder folgte dem dargestellten Handlungsablauf. So wurden literarische Vorlagen illustriert oder zeitliche Abläufe dargestellt. Auch Gegenstücke, so genannte Pendants und Vorher-Nachher-Darstellungen waren sehr beliebt. Existierten keine Gegenstücke oder Folgebilder, lieferten die Verlage dazuerfundene Werke. Der Verkauf der Grafiken erfolgte wohl auch im Hinterland über Ladengeschäfte und Hausierhandel.

Beliebt waren gerade im protestantischen Hinterland solche Bilder, die historische Ereignisse der Reformation bzw. Szenen aus dem Leben Martin Luthers illustrieren. Darüber hinaus wurden mythologische, historische und literarische Themen dargestellt, wie zum Beispiel die legendäre Geschichte der Genoveva von Brabant, ihres Mannes Pfalzgraf Siegfried sowie seines Statthalters Golo. Daneben fanden Familienszenen im Lebenslauf Eingang in den Wandbildschmuck des 19. Jahrhunderts.

So wurden die Schritte vom ersten Zusammentreffen eines Paares über die Verlobung, Hochzeit, Geburt der Kinder bis zum Tod eines der Ehepartner thematisiert. In diesen Bereich fallen auch Darstellungen elterlicher Ratschläge, die nicht nur Wandschmuck waren, sondern auch als Lebensspruch für die Kinder dienten. Darstellungen von Schlachten, Fürstenporträts oder festliche Anlässe – wie etwa die Enthüllung des Ludwigmonumentes in Darmstadt 1844 – gehörten ebenso zum Wandbildschmuck jener Zeit. Sehr verbreitet waren zudem Bilder mit Szenen rund um die Jagd.

Die Sonderausstellung im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf ist noch bis zum 29. Juni 2014 zu sehen.

Landrätin Kirsten Fründt eröffnete im kreiseigenen Schlossmuseum in Biedenkopf die Sonderausstellung „Populäre Druckgrafik im Hinterland“. Foto: Landkreis

Landrätin Kirsten Fründt eröffnete im kreiseigenen Schlossmuseum in Biedenkopf die Sonderausstellung „Populäre Druckgrafik im Hinterland“.
Foto: Landkreis

Claudia Röhl (Bildmitte) und Gerald Bamberger vom Schlossmuseum Biedenkopf erläuterten Landrätin Kirsten Fründt die Sonderausstellung. Foto: Landkreis

Claudia Röhl (Bildmitte) und Gerald Bamberger vom Schlossmuseum Biedenkopf erläuterten Landrätin Kirsten Fründt die Sonderausstellung. Foto: Landkreis

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