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Gemeinsame Pressemitteilung der Philipps-Universität Marburg und des Landkreises Marburg-Biedenkopf Erfolgreiches gemeinsames Projekt des Landkreises Marburg-Biedenkopf und der Philipps-Universität Marburg: Ein positives Bespiel für frühe Gewaltprävention – Handbuch zum Programm „Prävention in KiTa und Schule“ veröffentlicht

Marburg-Biedenkopf – Derzeit ist das Thema Gewalt in unserer Gesellschaft wieder hoch aktuell. Sowohl für die Betroffenen, als auch für die Gesellschaft hat aggressives Verhalten Einzelner negative Auswirkungen. Das Problem beschränkt sich dabei nicht auf schwere Gewaltakte, die in der Öffentlichkeit besonders wahrgenommenen werden. Auch systematisches „Mobbing“, also die wiederholte Ausgrenzung, körperliche Drangsalierung oder verbale Beschimpfung einzelner Kinder, ist ein schwerwiegendes Problem. Dieser Entwicklung gilt es, entschieden entgegenzutreten.

Da bei der Entstehung von Gewalt frühkindliche Erfahrungen und Lernprozesse eine zentrale Rolle spielen, hat sich der Landkreis Marburg-Biedenkopf bereits 2010 dazu entschlossen, in Kooperation mit der Philipps-Universität Marburg, durch die AG Sozialpsychologie ein ganzheitliches Programm entwickeln zu lassen, mit dem der Entstehung von Gewalt und Aggression bereits in Kindertagesstätten und Grundschulen präventiv begegnet wird. Das Programm „Prävention in KiTa und Schule (PiKS)“ ist in verschiedenen Kindertageseinrichtungen und Schulen im Landkreis Marburg-Biedenkopf erfolgreich in die pädagogische Arbeit integriert worden. Dabei werden auf mehreren Ebenen Maßnahmen zur Prävention umgesetzt: Die Kinder erhalten ein wöchentliches Training zum Lösen von Konflikten, die Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher werden in spezifischen Themen zu Gewaltprävention fortgebildet und die Einrichtungen als Ganze stimmen immer wieder ein einheitliches Vorgehen bei aggressivem Verhalten der Kinder ab. Außerdem werden Eltern und außerschulische Einrichtungen wie zum Beispiel Sportvereine einbezogen.

Einrichtungen, die PiKS bereits umgesetzt haben, sind sehr zufrieden mit dem Programm. Die Leiterinnen teilnehmender Kindertagesstätten und Schulen in der Stadt Wetter Doris Wabnegg (Stadt Wetter), Andrea Morbitzer (Die Arche), Helke Bender (Grundschule Amönau) und Petra Steuber (Burgwaldschule Wetter) bemerken eine deutliche Veränderung: „Bevor wir mit PiKS begonnen haben, waren ‚Soziale Kompetenzen‘ einfach ein abstrakter Begriff. Nun haben wir den Augenmerk darauf und die entsprechende Förderung völlig in unseren Alltag integriert, sodass die Kinder in unseren Einrichtungen von Beginn an lernen, dass es gute Alternative zu gewalttätigem Verhalten gibt.“

Dr. Steffi Pohl und Prof. Dr. Ulrich Wagner von der Philipps-Universität Marburg führten in den letzten Jahren projektbegleitend eine umfassende Evaluation des Programmes durch: „Hierin zeigte sich, dass durch PiKS tatsächlich das Verhalten von Kindern und die Wahrnehmung diese Verhaltens durch Eltern, Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrkräfte verändert werden kann – besonders, wenn PiKS von außen gut begleitet wird.“

Als Ergebnis der konstruktiven Zusammenarbeit zwischen Landkreis und Universität wird in dieser Woche ein umfassendes Manual zum Programm PiKS veröffentlicht. Hierin erhalten nicht nur Kindertageseinrichtungen und Grundschulen einen umfassenden Einblick, wie frühe Gewaltprävention, unter Einbeziehung des gesamten Umfeldes der Kinder, erfolgreich gelingen kann. Landrätin Kirsten Fründt regt an: „Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn das vorgelegte Manual zu PiKS auf breites Interesse stößt und zahlreiche Kindertageseinrichtungen und Schulen dazu inspiriert, Gewaltprävention zum Thema ihrer konzeptionellen Arbeit mit den Kindern und Eltern zu machen.“ Das Manual steht ab sofort unter www.marburg-biedenkopf.de/ fjs/dokumentationen und dort unter Projekte zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Eine besondere Auszeichnung erhielt das gemeinsame Projekt PiKS im Jahr 2013 mit der Verleihung des Deutschen Förderpreises Kriminalprävention. In der Laudatio wurde besonders der mehrdimensionale Ansatz von PiKS herausgestellt, in dem die für die Kinder zentralen Räume des sozialen Lernens, Elternhaus, Kindertagesstätte und Schule zum gemeinsamen Raum der Gewaltlosigkeit gemacht werden. PiKS beschränkt sich, wie viele andere Programme, eben nicht nur auf KiTa und Schule selbst, sondern zeigt im gesamten sozialen Umfeld der Kinder auf, was jeder der Beteiligten gegen die Entwicklung von Gewalt tun kann.

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