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Frauen gehen der Frage nach, ob neues Unterhaltsrecht bei der Begleitung der Kinder und Jugendlichen in ihrer Berufs- und Lebensplanung vermittelt wird – Fortbildung der Arbeitsgemeinschaft „Mädchengerechte Jugendhilfe im Landkreis Marburg-Biedenkopf“

(Pressemitteilung Nr. 357/2011 vom 01.01.2011)
Marburg-Biedenkopf – Die Folgen des seit 2008 verabschiedeten Unterhaltsrechts für die pädagogische Arbeit mit Mädchen waren das Thema einer Fortbildung, zu der die Arbeitsgemeinschaft „Mädchengerechte Jugendhilfe im Landkreis Marburg-Biedenkopf“ in der vergangenen Woche eingeladen hat. Im Rahmen dieser Veranstaltung richteten die Teilnehmerinnen im Besonderen den Blick auf die Frage, ob und wie die Neuregelungen des Unterhaltsrechts im Bereich der Berufsorientierung, in den Kindergärten, Schulen und der Jugendarbeit aufgegriffen worden ist und dort bei der Begleitung der Kinder und Jugendlichen in ihrer Berufs- und Lebensplanung vermittelt wird.

Sehr kreativ entwickelten die Teilnehmerinnen eine Reihe von Ideen, wo und wie erreicht werden könnte, dass Mütter und Väter gleiche Verantwortung für Hausarbeit und Kindererziehung übernehmen. Einen besonderen Augenmerk warfen die Frauen dabei auf die Vermittlung von konfliktbezogener Kommunikationskompetenz, mit der insbesondere Mädchen frühzeitig lernen könnten, auch „unangenehme“ Punkte wie z.B. eine gerechte Planung der finanzieller Absicherung vor der Ehe zu thematisieren, eigene Interessen im Blick zu behalten und durchzusetzen.

Insbesondere aber waren sich alle einig, dass es zunächst einmal darum gehen muss, Jungen und Mädchen darüber zu informieren, wie die aktuelle Rechtsgrundlage aussieht. Erst dann können sie beginnen, in ihrer weiteren Berufs-, Lebens- und Familienplanung in einen fairen Aushandlungsprozess miteinander zu gehen. Der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft versicherte am Ende, diesen Gedanken weiter zu verfolgen und in die Gremien und Arbeitskreise des Landkreises zu tragen.

Die Arbeitsgemeinschaft Mädchengerechte Jugendhilfe hat im vergangenen Jahr ein Positionspapier zur Zielsetzung von Mädchenarbeit verabschiedet. Um Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen, muss es danach Ziel der Arbeit sein, in der Sozialisation von Mädchen und Jungen darauf hinzuwirken, dass beide Geschlechter in die Lage versetzt werden, unabhängig von ihrer Beziehungs- und Familienkonstellation, eigenständig für ihren Lebensunterhalt zu sorgen und ein Bewusstsein von gleichwertiger Verantwortung und Übernahme von Familienarbeit und Kindererziehung für beide Geschlechter zu entwickeln.

Das Unterhaltsrecht greift im Wesentlichen diesen Gedanken der gleichberechtigten Verantwortung auf und das mit deutlichen Konsequenzen. Ohne Übergangsregelung und ohne entsprechende Bewusstseinschaffung bei den Frauen und Männern sowie Mädchen und Jungen, wurde damit das „Modell Hausfrau und Mutter“ als finanziell abgesicherter Lebensentwurf abgeschafft. „Doch die Realität sieht anders aus und dies mit entscheidenden Konsequenzen, zumeist für Frauen“, sagte die Referentin Mareike Sander im Rahmen der Fortbildung. „Denn nach wie vor verständigen sich junge Paare vor der Hochzeit nicht darüber, wie eine gleichberechtigte und finanziell gerechte Familienplanung aussehen könnte“. Viel zu oft siege bei Frauen die „rosarote Wolke vor der Vernunft“. Eine hohe Scheidungsrate und das veränderte Unterhaltsrecht begünstigten damit die weitere Zunahme von weiblicher Armut.

Weitere Informationen erhalten sind beim Fachbereich Familie, Jugend und Soziales – Geschäftsführung der Arbeitsgemeinschaft Mädchengerechte Jugendhilfe, Angela Schmidt, unter der Telefonnummer 06421/405-1684 und per E-Mail unter AGMaedchen@marburg-biedenkopf.de erhältlich. Die Präsentation der Referentin ist im Internet unter http://jugendportal.marburg-biedenkopf.de/content/Das_neue_Unterhaltsrecht.html eingestellt.
 

  Referentin Mareike Sander (links) und Ida Rathgeber vom Vorstand der AG Mädchen. (Foto: Landkreis)
Referentin Mareike Sander (links) und Ida Rathgeber vom Vorstand der AG Mädchen. (Foto: Landkreis)

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