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Welt-Tuberkulose-Tag am 24. März 2011: Tuberkulose – Aufgabe und Herausforderung des öffentlichen Gesundheitsdienstes

(Pressemitteilung Nr. 101/2011 vom 22.03.2011)
Marburg-Biedenkopf – Weltweit ist die Tuberkulose (Tb) nach wie vor die am häufigsten zum Tode führende, heilbare Infektionskrankheit. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehen von 9,4 Millionen Erkrankungsfällen und 1,7 Millionen Todesfällen (zumeist in Afrika und Asien) allein für das Jahr 2009 aus. 2009 wurden europaweit 329.391 Neuerkrankungen (Deutschland 4.444) und 46.241 Todesfälle an Tuberkulose registriert. Aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf wurden dem Fachbereich Gesundheit im Jahr 2010 zehn Fälle von Tuberkulose gemeldet. In Hessen waren es 414 Fälle. Im Vergleich dazu waren es 2009: 6 Fälle im Kreis (393 in Hessen), 2008: 14 (398), 2007: 13 (471) und 2006: 6 (467).

Neben Migranten, die aus Ländern mit hohem Tb-Vorkommen stammen, hat der Fachbereich Gesundheit in den letzten Jahren wiederholt junge, anderweitig gesunde Menschen ohne Migrationhintergrund als Erkrankungsfälle beobachtet. Die zunehmende weltweite Mobilität und Aufenthalte in Ländern mit hohem Tb-Vorkommen begünstigen diese Entwicklung. Als zusätzliches Problem verzeichnet auch der Fachbereich Gesundheit eine zunehmende Anzahl von Fällen, bei denen die Tuberkelbakterien gegen eines oder mehrere der eingesetzten Antibiotika resistent sind.

"Die wesentliche Aufgabe der Tb-Fürsorge des öffentlichen Gesundheitsdienstes umfasst die Beratung von Tb-Erkrankten und die Überwachung der Behandlung sowie die sogenannte Umgebungsuntersuchung. Diese verfolgt das Ziel der Identifizierung von Personen, die aufgrund ihres Kontaktes zu der erkrankten Person auf das Vorliegen einer möglichen Tb-Infektion untersucht werden müssen", erläuterte der Gesundheitsdezernent des Landkreises, Erster Kreisbeigeordneter Dr. Karsten McGovern.
Hierfür steht dem Fachbereich Gesundheit mit dem sogenannten IGRA seit 2007 ein moderner Blut-Test zur Verfügung. Im Fall eines auffälligen Befundes werden die betroffenen Personen unverzüglich einem Lungenfach- bzw. Kinderarzt zur weiteren Abklärung vorgestellt. Glücklicherweise - aber keinesfalls selbstverständlich - kann der Fachbereich Gesundheit auf eine enge und gute Kooperation mit den niedergelassenen Lungenfach- und Kinderärzten sowie den entsprechenden Fachabteilungen des Universitätsklinikums zurückgreifen und dadurch eine kompetente und umfassende Betreuung und Behandlung der Betroffenen gewährleisten.

Voraussetzung einer erfolgreichen Behandlung ist die Schaffung eines Vertrauensverhältnisses, vor allem aber die regelmäßige Einnahme der erforderlichen Medikation. Dagegen drohen bei unzuverlässiger Einnahme Resistenzentwicklung und Therapieversagen, so dass der Fachbereich Gesundheit in derartigen Fällen die Medikamenten-Einnahme durch die sogenannte direkt observierte Therapie (DOT) sicherstellen muss. Hierbei wird der Schluckakt in der Regel von einem geeigneten Pflegedienst täglich während der Dauer der Behandlung überwacht. Derartige Problemfälle erfordern einen intensiven und regelmäßigen Kontakt zu der erkrankten Person, dem Pflegedienst und dem Hausarzt, aber auch wiederholte Vor-Ort Termine und begleitete Transporte zu Kontroll-Untersuchungen. Entziehen sich Erkrankte mit ansteckungsfähiger Lungentuberkulose trotz allem der Behandlung, so müssen sie auf unsere Veranlassung zwangsweise abgesondert und in spezialisierten Kliniken behandelt werden.

Alle diese Maßnahmen zielen darauf ab, Tb-Erkrankungen frühzeitig zu erkennen, eine wirkungsvolle Behandlung sicherzustellen und eine Weiterverbreitung der Erkrankung zu verhindern. Organisation und Überwachung von Diagnostik und Behandlung der Erkrankten, der Kontaktpersonen sowie deren oft jahrelange Nachbetreuung, die in Kooperation mit den Kliniken, den niedergelassenen Fach- und Hausärzten erfolgt, stellt eine äußert arbeitsintensive und verantwortungsvolle Aufgabe des öffentlichen Gesundheitsdienstes dar.

Auf der Homepage des Landkreises (www.marburg-biedenkopf.de) findet sich unter "Gesundheit" und dann unter "Fachbereich Gesundheit" sowie schließlich unter "Infoblätter" das dort abrufbare Informationsblatt, in dem alles Wissenswertes für an Tuberkulose Erkrankte und deren Kontaktpersonen zusammengefasst dargestellt ist.
 

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