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Konfirmationsschein aus dem Jahr 1910 ist Exponat des Monats April im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf – Monika Strohmann stellt das historische Dokument zur Verfügung
(Pressemitteilung Nr. 098/2013 vom 27.03.2013)

Marburg-Biedenkopf – Das Exponat des Monats April im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf ist ein Konfirmationsschein von Anna Weber aus dem Jahre 1910. Ein Konfirmationsschein ist ein amtliches Dokument, mit dem der Pfarrer die Konfirmation bescheinigte. Darüber hinaus enthält der Schein auch den Konfirmationsspruch („Denkspruch“) und diente dem Konfirmanden so zur Erinnerung und Andacht. Meist wurde der Schein gerahmt und zum Beispiel in der Stube aufgehängt.

Der Konfirmationsschein wurde dem Museum von Monika Strohmann aus Biedenkopf überlassen. Zu den Vorfahren ihres Ehemannes Heinrich Strohmann gehörte Anna Weber. Monika Strohmann stiftete noch zwei weitere Scheine aus dem familiären Umfeld von Anna Weber: Der eine von ihrem Ehemann Friedrich Homrighausen aus dem Jahr 1915 und der andere für die gemeinsame Tochter Elli Homrighausen, die 1942 in Wallau konfirmiert wurde.

Der Brauch, die Denksprüche an die Konfirmanden auszuteilen, kam wahrscheinlich um 1800 auf. Hieraus entwickelten sich die Konfirmationsscheine. Das älteste gedruckte Blatt wurde 1817 in Stuttgart verlegt. In Hessen sind die frühesten Konfirmationsscheine in der Mitte des 19. Jahrhunderts nachweisbar, das älteste Exemplar im Bestand des Hinterlandmuseums wurde 1868 in Biedenkopf ausgestellt.

Anfangs waren die Konfirmationsscheine meist kleinformatig und enthielten überwiegend Text, daneben auch eine oder mehrere schwarz-weiße Darstellungen als Holzschnitte oder Lithografien. Seit den 1880-er Jahren benutzte man die Chromolithografie (farbiger Steindruck) als Druckverfahren und die nun zahlreichen Bilder auf den größer und aufwändiger gewordenen Blättern drängten den Text etwas in den Hintergrund.

Die Komposition auf dem mit einer Chromolithografie bedruckten Blatt lehnt sich an einen Altaraufsatz an, ist sehr detailreich und farbenfroh. Die Überschrift über dem mittleren Teil gibt den Zweck des Blattes an: „Zum Andenken an die Konfirmation.“ Darunter steht der Denkspruch: „Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, Seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was Er dir Gutes getan hat. Psalm 103, 1.2.“ Aus dem zentralen Text erfährt man, dass „Anna Weber, geboren am 15. August 1896, getauft am 6. September 1896 nach empfangener Unterweisung im Worte Gottes“ am 28. März 1910 in der evangelisch-lutherischen Kirche zu Wallau vom Ortspfarrer Karl König konfirmiert und „nunmehr zum heiligen Abendmahl zugelassen“ wurde.

Vermerkt ist auch die Bibelstelle der Konfirmationspredigt, nämlich 1. Timotheus 1, 8. Unterhalb des Textes findet sich eine Darstellung von Jesus im Kreise seiner zwölf Jünger beim letzten Abendmahl. Auch ein Medaillon mit Bibel, Kelch, Kreuz und Anker nimmt auf die Abendmahlsthematik Bezug. Hinzu treten Ährenbündel und Weinreben mit einem auf zwei Spruchbändern aufgeteilten Bibelvers (Johannes 15, 5): „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ und „Wer in Mir bleibet, und Ich in Ihm, der bringet viel Frucht.” Neben dem zentralen Text greifen zwei Darstellungen mit der Taufe das andere wichtige Thema der Konfirmation auf. Links sieht man die Taufe Jesu, begleitet von einem Spruch aus Matthäus 3, 17: „Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe.“ Rechts ist die Kreuzigung Jesu platziert, die durch einen Spruch aus dem Römerbrief 6, 4 in Bezug zur Taufe gesetzt wird: „So sind wir ja mit Ihm begraben durch die Taufe in den Tod.“

Die Bekrönung der gesamten Komposition bildet eine Darstellung des auferstandenen und segnenden Jesus. Als Erläuterung findet sich: „Sei getreu bis in den Tod, so will Ich Dir die Krone des Lebens geben. Offenbarung, 2.10.“

Gedruckt wurde der Konfirmationsschein von Johannes Schrodt in Frankfurt/Main, der zahlreiche solcher „Gedenkblätter“ im Angebot hatte. Der vorliegende Konfirmationsschein trug die Nummer 19 und war mit unterschiedlichen „Denksprüchen“ lieferbar.

Das Hinterlandmuseum im Schloss Biedenkopf ist ab 1. April täglich außer montags von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet. Das Museum ist an Ostermontag geöffnet.



Das Exponat des Monats April im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf ist ein Konfirmationsschein von Anna Weber aus dem Jahre 1910 (Foto: Landkreis)

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Das Exponat des Monats April im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf ist ein Konfirmationsschein von Anna Weber aus dem Jahre 1910.


Der Konfirmationsschein wurde dem Museum von Monika Strohmann aus Biedenkopf überlassen.  (Foto: Landkreis

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Der Konfirmationsschein wurde dem Museum von Monika Strohmann aus Biedenkopf überlassen. 
(Fotos: Landkreis


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