Link auf das Hauptmenü Link auf die Untermenüpunkte Link auf Inhaltsbereich
Erfolgreicher Dolmetscherservice des Landkreises – Weitere 24 Teilnehmerinnen und Teilnehmern legen die Prüfung zur Dolmetscherin oder zum Dolmetscher für den Dolmetscherservice (DolMa) ab

(Pressemitteilung 88/2015 vom 13.03.2015)

Marburg-Biedenkopf – Ramazan Salman von Ethnomedizinischen Zentrum e.V. in Hannover lobte das DolMa-Angebot des Landkreises in den höchsten Tönen: Aus seiner Sicht ist der Landkreis damit unter den ersten Zehn in Deutschland. Salman, der bundesweit in diesem Bereich tätig ist und auch bei der Dolmetscherausbildung in Marburg-Biedenkopf mithilft, hob sowohl die Qualität des Angebots hervor als auch die Bedeutung für ausländische Mitbürger. Bildlich gesprochen erklärte er, dass die Abkürzung DolMa einerseits für Dolmetscherservice Marburg stehe, andererseits jedoch sei Dolma in der Türkei eine zu füllende, leere Paprika. Es ginge im übertragenen Sinn also darum, mit diesem Angebot die Leere „mit professionellem Sich-Verstehen“ zu füllen, so Salman.

„Es ist sehr wichtig, unseren nicht-deutschen Mitbürgerinnen und Mitbürgern die Möglichkeit zu geben, sich hier wohlzufühlen. Dazu gehört besonders die Überwindung sprachlicher Barrieren bei den wichtigen Behördengängen und Arztbesuchen“, erläuterte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow, dem dieses sinnvolle Projekt sehr wichtig ist, weil die Dolmetscher aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen eine andere menschliche Anteilnahme mit einbringen.

Wie überall in Deutschland finden auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf viele Flüchtlinge Schutz. Die Kommunikation stellt für sie eine Herausforderung dar, da sie meist ohne Deutschkenntnisse einreisen. Um alle Migrantinnen und Migranten zumindest teilweise bei der Kommunikation zu unterstützen, entstand 2010 unter anderen für diese Gruppe der Dolmetscherservice (DolMa) des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Tschetscheinisch, Persisch (Farsi) und Somalisch sind die Sprachen, die das Repertoire des Angebots neuerdings ergänzen. Insgesamt werden jetzt bereits 35 Sprachen angeboten.

24 Teilnehmerinnen und Teilnehmern legten diese Woche die Prüfung zur Dolmetscherin oder zum Dolmetscher ab. Dass der kontinuierliche Ausbau des Angebots wichtig ist, zeigen die Zahlen: Im Jahre 2014 kamen die Dolmetscherinnen und Dolmetscher 946 Mal zum Einsatz, 2013 waren es noch 300 Einsätze weniger. Auch die Anzahl der Interessierten, die ihr sprachliches Talent für eine gute Sache einsetzen möchten, ist seit dem ersten Durchgang des Lehrgangs im Jahr 2009 deutlich gestiegen.

Um die Ausbildung bei DolMa erfolgreich durchlaufen zu können, müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die sprachlichen Voraussetzungen schon mitbringen. Inhalte des Lehrgangs sind sowohl Methodik des Dolmetschens als auch Fachvokabular.

Wenn eine Institution Bedarf an dem Dolmetscherservice für das Sozial- und Gesundheitswesen im Landkreis sieht, muss sie sich beim Landkreis melden und mitteilen, welche Sprache für den Einsatz benötigt wird und ob die Dolmetscherin oder der Dolmetscher besondere Anforderungen erfüllen muss. Die Kosten des Einsatzes trägt die Auftrag gebende Einrichtung. Nicht nur die Mitbürgerinnen und Mitbürger, die kein Deutsch sprechen, profitieren von diesem Einsatz: Auch für Ärztinnen und Ärzte sowie für die Pflegekräfte ist es einfacher, mithilfe eines Dolmetschers mit ihren Patientinnen und Patienten zu kommunizieren. Fehlbehandlungen aufgrund von sprachlichen Missverständnissen werden so ausgeschlossen. “Wir möchten eine adäquate Gesundheitsversorgung für alle Bewohnerinnen und Bewohner garantieren“, betonte Marian Zachow.

Auch bei notwendigen Behördengängen kommt es zu weniger Missverständnissen. Oft konnten die Menschen, die der deutschen Sprache nicht richtig mächtig sind, nicht verstehen, welche sozialen Dienste ihnen zur Verfügung stehen und so konnten diese nicht vollständig in Anspruch genommen werden. Mit Hilfe der Dolmetscherinnen und Dolmetscher wurde dieses Problem nun aus der Welt geschaffen.

„Auch wir haben sehr gute Erfahrungen mit DolMa gemacht, sagte der Diplom-Gesundheitswissenschaftler Sefa Elmaci. Es sei es ja schon für deutsch Sprechende schwierig, Ärzte in ihrer Fachsprache zu verstehen, aber jemand der kein Deutsch könne, habe dann größte Probleme und entsprechende Ängste. Die Dolmetscher könnten dann wieder Ruhe reinbringen und die Patienten fühlten sich selbst verstanden und verstehen dadurch, was die Ärzte mitteilen. Auch die Ärzteschaft wüsste diese Angebote immer mehr zu schätzen, so Elmaci.

Dafür wären den Dolmetscherinnen und Dolmetschern medizinische Fachbegriffe erläutert worden, damit diese gut übersetzt werden können. Das erläuterte Iraylo Manauski, einer der Dolmetscher, die gerade ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben. Genauso wie er fand auch Aneela Raza die Ausbildung sehr interessant. Sie steht nach der erfolgreichen Ausbildung jetzt für die Übersetzung der Sprachen Urdu (v.a. Indien) und Punjabi (v.a. Pakistan) zur Verfügung.

„Interessant ist, dass wir auch Sprachen wir Amharisch, Tigrinya oder Dari im Angebot der Dolmetscher haben, also Sprachen die die meisten Menschen hier regional gar nicht so leicht zuordnen können. Damit können wir eine wichtige Hilfe leisten“, ergänzte Claus Schäfer von der Stabsstelle Integration des Landkreises. Dass es sich um ein gutes Angebot handele, könne man auch daran sehen, dass seit dem Beginn von Dolma die allermeisten Dolmetscherinnen und Dolmetscher immer noch zur Verfügung stehen.

Amharisch ist übrigens die Amtssprache von Äthiopien und wird vor allem dort gesprochen, aber auch in Eritrea oder etwa in Kenia. Tigrinya ist die Amtssprache in Eritrea, wird aber ebenso in Äthiopien gesprochen und Dari ist schließlich ein Persisch, welches in Afghanistan beheimatet ist.

Neben der Stabsstelle Integration ist zudem das Gesundheitsamt des Kreises Ansprechpartner für das Angebot (Koordinierungsstelle DolMa beim Gesundheitsamt, Tel.: 06421 405-4185).


DolMa steht für ein erfolgreiches und in Deutschland noch sehr seltenes Angebot eines Dolmetscherservices (v.l.n.r.), Aneela Raza (Dolmetscherin für Urdu und Punjabi), Sefa Elmaci (Diplom-Gesundheitswissenschaftler), Janine Hözel (Ausbildungsleiterin DolMa), Iraylo Manauski (Dolmetscher für Bulgarisch und Russisch), Erster Kreisbeigeordneter Marian Zachow, Claus Schäfer (Stabsstelle Integration) und Ramazan Salman (Ethnomedizinisches Zentrum e.V. Hannover). Foto: Landkreis


DolMa steht für ein erfolgreiches und in Deutschland noch sehr seltenes Angebot eines Dolmetscherservices (v.l.n.r.), Aneela Raza (Dolmetscherin für Urdu und Punjabi), Sefa Elmaci (Diplom-Gesundheitswissenschaftler), Janine Hözel (Ausbildungsleiterin DolMa), Iraylo Manauski (Dolmetscher für Bulgarisch und Russisch), Erster Kreisbeigeordneter Marian Zachow, Claus Schäfer (Stabsstelle Integration) und Ramazan Salman (Ethnomedizinisches Zentrum e.V. Hannover).
Foto: Landkreis

[ schließen ]