Link auf das Hauptmenü Link auf die Untermenüpunkte Link auf Inhaltsbereich
Kinderschutz: Gemeinsam gestärkt handeln – Viel Lob für partnerschaftliches Handeln in schwierigen Fragen zum Schutz der Kinder
(Pressemitteilung Nr. 085/2013 vom 18.03.2013)

Marburg-Biedenkopf – Das Thema „Kinderschutz – gemeinsam gestärkt handeln“ stand im Mittelpunkt einer Fachveranstaltung, die der Landkreis Marburg-Biedenkopf in Kooperation mit der Kinderklinik und der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Marburg sowie dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, Bezirk Marburg, im Tagungsgebäude des Landratsamtes durchführte. Die Teilnehmer kamen aus ganz Hessen, schwerpunktmäßig natürlich aus der Stadt Marburg und dem Landkreis Marburg-Biedenkopf, insgesamt waren es mehr als 200 Teilnehmer.

Der Jugenddezernent und stellvertretender Landrat Dr. Karsten McGovern begrüßte es, dass diese Veranstaltung bereits zum zweiten Mal in Kooperation mit der Kinderklinik und der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie durchgeführt werden konnte. Das so wichtige Thema Kinderschutz stehe schon lange auf der Agenda des Kreises. „Man kann ein solches Thema nicht alleine angehen, denn es handelt sich hierbei um ein vielfältiges Geschehen mit vielen Beteiligten. Gerade deshalb ist die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Kliniken und den Kinderärzten von so großer Bedeutung. Wir wissen auch, wie wichtig die Eltern bei diesem Thema sind und sorgen dafür, dass sie Angebote für Unterstützung bekommen. Eltern, die auch aus dem eigenen Elternhaus heraus keine Kenntnis einer richtigen Erziehung erfahren haben, können das auch nicht weitergeben“, so Dr. McGovern. Hier könnten die speziellen Angebote helfen.

Prof. Dr. Rolf Maier, der Direktor der Kinderklinik, betonte, dass er froh und dankbar für das eng geknüpfte Netz von Beratung und Versorgung von gefährdeten Kindern sei: „Die Kinder sind die Drehscheiben, bei denen die Fäden zusammenlaufen und später wieder auseinandergehen. Das heißt, es ist die Aufgabe Beteiligte einzubinden, die sich um Kinder und Eltern kümmern.“ Die Form der Zusammenarbeit laufe seit vielen Jahren ganz hervorragend.

Das sah auch Prof. Dr. Katja Becker so, Direktorin der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Sie verwies darauf, dass zum Beispiel psychisch kranke Kinder von psychisch kranken Eltern besondere Hilfen benötigten. „Es heißt, dass man für die Erziehung eines Kindes ein ganzes Dorf benötigt. Welche Unterstützung benötigen also solche Kinder?“, so Prof. Becker. Auch sie lobte die guten Bedingungen in der Zusammenarbeit sowohl mit dem Landkreis als auch mit der Kinderklinik.

Dr. Stephan Heinrich Nolte ergänzte diese Sicht aus der Perspektive eines Kinderarztes. Oft sei es sehr schwer, bei sehr unklaren Verdachtsfällen wie etwa auf Kindesmisshandlung oder sexuellem Missbrauch Eltern wieder in Praxis zu bestellen. Es gebe keine Zugriffsmöglichkeit, wenn Eltern keine langjährige Beziehung ihrer Kinder zum Kinderarzt aufbauen wollen, obwohl gerade das sinnvoll sei. „Wir kommen doch im Grunde immer schon zu spät. Die U3 erfolgt mit vier Wochen. Für Eltern und Kinder sind aber gerade die ersten Wochen sehr wichtig, um eine Beziehung aufzubauen“, erklärte Dr. Nolte. Deswegen seien aufsuchende Elternangebote auch so wichtig. Bereits werdende Mütter müssten einbezogen werden und auch die Schulen würden eine große Rolle spielen. Das Thema „Elternschaft“ solle seiner Meinung nach als Fach in der Schule angeboten werden. Das sei wichtig!

„Warum ist Elternschaft bislang kein Schulfach?“, pflichtete Dr. McGovern seinem Vorredner bei. Projekte wie Menschenskind und andere aufsuchende Maßnahmen und Projekte des Landkreises hätten allerdings hier schon viel erreicht.

Prof Maier betonte zum Schluss, dass alle Menschen, die mit Kindern zu tun hätten, auch für diese Themen zu sensibilisieren seien. Das könnte helfen, Kindesmissbrauch und Kindesmisshandlung früh zu erkennen oder noch besser. zu verhindern.

„Durch Vorträge von Friedhelm Güthoff, vom Kinderschutzbund Nordrhein-Westfalen, und von Dr. Stefan Heilmann, Richter am Oberlandesgericht wurden sowohl das Bundeskinderschutzgesetz und die daraus folgenden Herausforderungen für die Praxis als auch die Verfahrensweisen im Gericht beleuchtet. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung waren auch die Hinweise von Christine Kalb aus der Praxis einer Kindertagesstätte, die verstärkt Elternarbeit leistet, interessant. Außerdem hat Sabine Pfitzner die Chancen, die in der Zusammenarbeit mit Hebammen liegen, beleuchtet und für eine entsprechende Stärkung plädiert.

Gemeinsam gestärkt zu handeln war das Motto einer Fachveranstaltung in der Kreisverwaltung, bei der das Thema Kinderschutz im Mittelpunkt stand. Auf dem Podium diskutierten (v.l.n.r.): Prof. Dr. Rolf Maier, Friedhelm Güthoff, Prof. Dr. Katja Becker, Dr. Stephan Heinrich Nolte, Erster Kreisbeigeordneter Dr. Karsten McGovern, Dr. Stefan Heilmann, Sabine Pfützner und Christine Kalb. Foto: Landkreis
Download Druckversion
Gemeinsam gestärkt zu handeln war das Motto einer Fachveranstaltung in der Kreisverwaltung, bei der das Thema Kinderschutz im Mittelpunkt stand. Auf dem Podium diskutierten (v.l.n.r.): Prof. Dr. Rolf Maier, Friedhelm Güthoff, Prof. Dr. Katja Becker, Dr. Stephan Heinrich Nolte, Erster Kreisbeigeordneter Dr. Karsten McGovern, Dr. Stefan Heilmann, Sabine Pfützner und Christine Kalb. Foto: Landkreis
[ schliessen ]