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Konzept gibt wichtige Empfehlungen zur Schulverpflegung – Beratungsgremium unterstützt Planungen des Kreises

(Pressemitteilung 079/2014 vom 06.03.2014)

Marburg-Biedenkopf – Die Reform des Bildungswesens in Richtung Ganztagsschule sowie Veränderungen im Lebensalltag von Familien rücken das Thema Schulverpflegung verstärkt ins Blickfeld. Ganztagsschulen sind verpflichtet ein Mittagessen anzubieten. Der Landkreis Marburg-Biedenkopf, als Schulträger verantwortlich für die Schulverpflegung, wird sich auch in den kommenden Jahren in diesem Bereich engagieren. Um die weitere Entwicklung der Schulverpflegung an weiterführenden Schulen individuell zu planen, hat der Kreis ein Beratungsgremium zur Gestaltung der Zukunft der Schulverpflegung im Landkreis Marburg-Biedenkopf gebildet.

Dieses Beratungsgremium besteht aus verantwortlichen Personen von Schulen wie Schulleitungen oder Lehrkräfte, die mit dem Thema Schulverpflegung befasst sind, Schülervertretern, Elternvertretern, Schulverwaltung (Staatliches Schulamt), Caterern, Verwaltung für den Bereiche Schule und Gebäudemanagement, Jugend und Gesundheit sowie beratend einer wissenschaftlichen Institution, der Hochschule Niederrhein, Fachbereich Oecotrophologie, also Ernährungswissenschaften.

„Das Gremium vereint damit die wesentlichen Sichtweisen und Kompetenzen – eine Notwendigkeit, um dem facettenreichen Thema Schulverpflegung gerecht zu werden“, stellte der Erste Kreisbeigeordnete und Schuldezernent Dr. Karsten McGovern fest.

„Das Gremium hat Anregungen für die erfolgreiche Umsetzung von Mittagsverpflegung an Ganztagsschulen im Landkreis Marburg-Biedenkopf gegeben“, stellte Dr. McGovern fest. Auf der einen Seite müsse demnach jede Schule zusammen mit ihren Partnern eine individuelle, tragfähige Lösung finden. „Auf der anderen Seite bestimmen die Rahmenbedingungen wie Schulgröße, Räumlichkeiten, Ausstattung der Küche, Preisgestaltung, Preisakzeptanz oder verfügbares Personal die möglichen Optionen“, erläuterte Dr. McGovern. Der Prozess zu einer gesunden Ernährung und großen Akzeptanz eines gesunden Mittagsessens werde Zeit beanspruchen und sei ein Lernprozess für alle Beteiligten.

„Daher ist eine weitere Zusammenarbeit bei der Gestaltung von Schulverpflegung und gesunder Schulkultur sinnvoll, um eine gute und akzeptierte Schulverpflegung in der Region zu etablieren. Diese ist dann auch in der Lage, einen nachhaltigen gesundheitlichen, sozialen, ökologischen und ökonomischen sowie bildungs- und familienpolitischen Nutzen zu entfalten“, betonte der Erste Kreisbeigeordnete.

Zu den Erkenntnissen des Gremiums zählt auch, dass die Gestaltung der Mittagessenangebote an Ganztagsschulen ist nicht nur ein technisch-organisatorisches und ökonomisches Problem und ist kein Spezialistenthema ist. Es ist auch ein pädagogisch-konzeptionelles Thema, das Gegenstand in Schul- und Lehrerkonferenzen sein muss. Mittagsverpflegung ist Bestandteil der Ganztagskultur und damit auch ein soziales Element. Daher sollte jede Schule zunächst ihr individuelles, pädagogisches Konzept entwickeln, das dann zusammen mit den weiteren Akteuren unter gegebenen oder zu verändernden Rahmenbedingungen umgesetzt und laufend beobachtet und gesteuert wird.

Im Verpflegungsbetrieb spielen außerdem professionelle Strukturen, ein rationelles Konzept und die „Kundenorientierung“ die tragenden Rollen. Die Verpflegungsform, Personalqualifikation, räumliche und technische Ausstattung, das Abrechnungs- und Bestellsystem und der Dialog mit Schule und Schülerinnen und Schülern sind Maßgaben für eine dauerhaft hohe Qualität der Speisen bei tragbaren Kosten und hoher Essensteilnahme. Das Ziel einer umfassend hohen Qualität hat Vorrang vor dem Ziel niedriger Kosten. Die Einhaltung der Qualitätsanforderungen muss dokumentiert und überwacht werden, was über eine Zertifizierung möglich ist.

Außerdem sind der Kostenaufwand und die Preiskalkulation für eine hochwertige Mittagsverpflegung wegen der Unterfinanzierung des Wirtschafts-Bereichs Schulverpflegung zentrale Themen. Preisreduzierungen sind demnach nur durch effiziente Strukturen und Systeme, eine noch stärkere Subventionierung durch den Schulträger oder aus Bundesmitteln sowie durch die Befreiung von der Umsatzbesteuerung zu erreichen, nicht durch Einsparungen beim Einsatz von Waren, Personal und Service.

Aus Sicht des Schulträgers ist, im Hinblick auf Kompetenzen, Leistungsfähigkeit und klarer Verantwortungsabgrenzungen, daher die Fremdbewirtschaftung vorteilhaft. Die Eigenbewirtschaftung ist mit wesentlich mehr Steuerungs- und Koordinierungsaufwand für die Schule verbunden und setzt qualifiziertes Personal voraus. Eine Übertragbarkeit solcher Eigenbewirtschaftungsmodelle ist vor dem Hintergrund der Haushaltssituation des Landkreises nicht realistisch.

Die Verpflegungssysteme stellen auch ganz unterschiedliche Anforderungen an Räume, Ausstattung und Personal. Die Wahl des Verpflegungssystems legt also langfristig fest, auf welche Art und Weise die Speisen hergestellt werden.

Das Beratungsgremium ist auch zu dem Schluss gekommen, dass insbesondere auch für jüngere Schülerinnen und Schüler ein Menüangebot gemacht werden sollte. Ältere Schülerinnen und Schüler sollten durch attraktive Speisenangebote zu einem geregelten Mittagessen in der Mensa animiert werden. Für kleinere Schulstandorte mit geringen Essenszahlen, küchentechnischer und räumlicher Beschränkung sind die Warmverpflegung oder temperaturentkoppelte Systeme sinnvolle Versorgungsformen. Beim Einsatz der Warmverpflegung ist besonders auf kurze Warmhaltezeiten und eine ausreichende Schulung ausgebenden Personals besonders zu achten.

Der Schulträger sollte daher beim weiteren Ausbau von Standorten an mittelgroßen und großen Schulstandorten temperaturentkoppelte Systeme wie Cook & Chill oder Cook & Freeze einführen. Das Gremium empfiehlt darüber hinaus, die Qualitätsstandards regelmäßig durch externe Begutachtungen überprüfen zu lassen.

Weitere Empfehlungen sind, dass die Schulen sicherstellen müssen, dass die Essenszeiten ausreichend in den Stundenplanungen einschließlich der Wegezeiten berücksichtigt sind. An Mittagspausen sollten mindestens mit 45 Minuten eingeplant werden. Je nach Schul- und Mensagröße sind mehrere Ausgabe- und Pausenzeiten (Schichtbetrieb) vorzusehen. Dadurch kann bei hohen Essenszahlen eine Entzerrung erreicht werden und die Ausstattung in der Mensa unterliegt einer hohen Nutzung.

Außerdem ist eine bargeldlose Abrechnung ist empfehlenswert und sollte nach und nach umgesetzt werden. Auch ein guter Schallschutz ist wichtig, um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Ferner ist auf eine passende Einrichtung unter Berücksichtigung der Interessen der Zielgruppen zu achten, um die Akzeptanz der Räumlichkeiten zu erhöhen. Die Einbeziehung der Schulgemeinde in die Gestaltung der Räumlichkeiten und die Selbstgestaltung der Räumlichkeiten durch die Schulgemeinde trägt schließlich zur Akzeptanzsteigerung bei und sollte ermöglicht und genutzt werden.

Die Schulen, der Landkreis als Schulträger, der Kreisschülerrat und das Kreisjugendparlament haben gemeinsam an dem Konzept zur Mittagsverpflegung an Schulen gearbeitet; hier ein Teil der Arbeitsgruppe (v.li.) Günther Zell, Silas Nowak, der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern, Tim Vollmerhausen, Gerd Nienhaus (Fachbereich Schule und Gebäudemanagement), Sarah Bagdasariants und Klaus Herrmann (Fachbereich Schule und Gebäudemanagement). (Foto: Landkreis Marburg-Biedenkopf)

Die Schulen, der Landkreis als Schulträger, der Kreisschülerrat und das Kreisjugendparlament haben gemeinsam an dem Konzept zur Mittagsverpflegung an Schulen gearbeitet; hier ein Teil der Arbeitsgruppe (v.li.) Günther Zell, Silas Nowak, der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern, Tim Vollmerhausen, Gerd Nienhaus (Fachbereich Schule und Gebäudemanagement), Sarah Bagdasariants und Klaus Herrmann (Fachbereich Schule und Gebäudemanagement).  (Foto: Landkreis Marburg-Biedenkopf)

Illustrationsfoto: Das Konzept gibt wichtige Empfehlungen zur Schulverpflegung.

Illustrationsfoto: Das Konzept gibt wichtige Empfehlungen zur Schulverpflegung.

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