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Gemeinsame Pressemitteilung der Agentur für Arbeit Marburg und des Landkreises Marburg-Biedenkopf: Projekt "In" bietet schwerbehinderten Menschen Perspektiven, wieder zu arbeiten – Erstes Gemeinschaftsprojekt von KreisJobCenter und Arbeitsagentur Marburg bei bundesweitem Projektwettbewerb erfolgreich / Bund fördert das Projekt mit über 900.000 Euro

(Pressemitteilung 071/2015 vom 02.03.2015)

Marburg-Biedenkopf – Das KreisJobCenter und die Agentur für Arbeit haben gemeinsam den Zuschlag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zur Realisierung des Konzepts „Inklusion durch Information, Beratung und Coaching, Innovative Personalentwicklung“ („In“) im Rahmen des „Programms der Bundesregierung zur intensivierten Eingliederung und Beratung schwerbehinderter Menschen“ erhalten.

Der deutsche Arbeitsmarkt läuft trotz flauer Konjunktur gut. Bundesweit gesehen ist die positive Entwicklung der vergangenen Jahre an schwerbehinderten arbeitslosen Menschen jedoch fast spurlos vorübergegangen. Sie sind weitaus häufiger arbeitslos und warten deutlich länger auf eine neue Arbeitsstelle als Nichtbehinderte. Nach dem „Inklusionsbarometer 2014“ der Aktion Mensch ist die Situation schwerbehinderter Menschen auf dem Arbeitsmarkt kaum besser als im Mittel der vergangenen fünf Jahre.

„Hier setzen wir an. Unser Ziel ist die nachhaltige Verbesserung des Zugangs zum Arbeitsmarkt. Dies wollen wir erreichen, indem wir die Arbeitgeber besonders intensiv über die Potenziale schwerbehinderter Menschen informieren und dafür werben, sie einzustellen“, sagt Volker Breustedt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Marburg. Gleichzeitig sei es wichtig, die Betroffenen intensiv zu coachen und ihnen so das Selbstvertrauen zurückzugeben, das bei langer Arbeitslosigkeit oft verlorengehe.

Das sieht auch der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Dezernent für das KreisJobCenter, Marian Zachow, so: „Schwerbehinderte sind trotz oft überdurchschnittlicher Qualifikation häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als der Durchschnitt der nicht behinderten Erwerbstätigen – dabei ist auch ihre Motivation zur Arbeitsaufnahme besonders hoch! Daher ist der Leidensdruck bei den betroffenen Menschen sehr groß und nicht selten resultiert dann aus langer Arbeitslosigkeit eine besondere psychische Belastung.“

Im Rahmen dieses Projekts soll aktiv in über 350 Betrieben in der Region Marburg-Biedenkopf für inklusive Arbeitsplätze geworben werden. Durch intensive Beratung der Betriebe und die Begleitung der schwerbehinderten Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer sollen 40 schwerbehinderte Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer passgenau vermittelt werden. 45 weitere schwerbehinderte Projektteilnehmende sollen im Projekt aktiviert und für eine Integration vorbereitet werden, und 15 Personen außerhalb des Projektes können durch die intensivierte Beratung und Betreuung von Betrieben zusätzlich durch die Besetzung bislang unbesetzter Pflichtarbeitsplätze integriert werden. Durch zielgruppenspezifisches individuelles Coaching sollen die Projektteilnehmenden systematisch auf die Eingliederung in den Arbeitsmarkt vorbereitet werden. Die enge Begleitung bietet permanente Unterstützung während des gesamten Prozesses, insbesondere bei auftretenden Schwierigkeiten oder Hemmnissen.

Darüber hinaus wird in dem Projekt ein einheitliches und für Arbeitsagentur und KreisJobCenter standardisiertes Akquise- und Beratungskonzept für die Ansprache von Unternehmen mit Beschäftigungsmöglichkeiten für Schwerbehinderte entwickelt. Ebenso wird ein Leitfaden für die Betreuung schwerbehinderter Menschen in der Arbeitsvermittlung und -beratung erarbeitet, der die Arbeit der Arbeitsvermittlerinnen und -vermittler, Fallmanagerinnen und -manager und Betriebsberaterinnen und -berater optimieren kann.

Auf Grundlage der Projektergebnisse werden Fortbildungen erstellt, mit denen zukünftig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arbeitsagentur und des KreisJobCenters vor Beginn ihrer Tätigkeit als betriebliche Beraterinnen oder Berater, Arbeitsvermittlerinnen oder -vermittler sowie Fallmanagerinnen oder -manager geschult werden. Diese Leitfäden und der Lehrplan der Fortbildung lassen sich aufgrund der ähnlichen Ausgangssituation in den Bundesländern bundesweit übertragen.

Langfristig soll sich durch eine regional angepasste Umsetzung und die Anwendung der Projektergebnisse eine Prozessoptimierung für die Betreuung und Beratung von schwerbehinderten Menschen mit und ohne psychische Beeinträchtigungen und letztendlich auch für die passende individuelle Betreuung aller arbeitsuchenden Menschen auf den lokalen Arbeits- und Ausbildungsmärkten einstellen.

Als Kooperationspartner des Projektes wurde das Berufsbildungszentrum (BBZ) Marburg ausgewählt. Der besondere Charakter des Projektes, welches neben der direkten Arbeitsmarktintegration auch die psychische Stabilisierung und Motivation der betroffenen arbeitslosen Menschen in den Fokus nimmt, erforderte sowohl eine besondere Arbeitsmarktnähe als auch besondere Kompetenzen in der Gesundheitsfürsorge und Rehabilitation. Das BBZ Marburg arbeitet mit seiner Fachabteilung „berufliche Rehabilitation“ seit 30 Jahren intensiv mit Betrieben, Institutionen sowie Kliniken und Einrichtungen der Rehabilitation zusammen.

An den Standorten Marburg und Biedenkopf wird hierzu je ein barrierefreies Beratungsbüro eingerichtet. In und von den Büros aus sind sowohl die Beraterinnen und Berater sowie Coaches tätig, die die schwerbehinderten Projektteilnehmenden unter anderem dort beraten können, diese aber auch mittels Vor-Ort-Besuchen eng betreuen werden.

Das Projekt wird im Rahmen des Programms der Bundesregierung zur intensivierten Eingliederung und Beratung von schwerbehinderten Menschen gefördert. Das Programm ist Gegenstand der Inklusionsinitiative für Ausbildung und Beschäftigung – eine beschäftigungspolitische Maßnahme des Nationalen Aktionsplans der Bundesregierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Insgesamt werden in einem Zeitraum von drei Jahren 917.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Alle Beteiligten sind stolz darauf, dass es gelungen ist, in enger Kooperation innerhalb weniger Monate ein überzeugendes Konzept vorzulegen. Die bundesweit zur Verfügung stehenden 50 Millionen Euro reichen nicht aus, bundesweit alle eingereichten Projektvorschläge zur Realisierung zu bringen.

Marian Zachow und Volker Breustedt sind sich darin einig: „Wir haben schon viel für die Integration von Schwerbehinderten in beiden Rechtskreisen getan. Dass es uns gelungen ist, als zugelassener kommunaler Träger und örtliche Arbeitsagentur gemeinsam diesen Antrag zu entwerfen und die Unterstützung zu beantragen, ist ein ungewöhnlicher Erfolg. So ist es gelungen, flexibel zusammenzuarbeiten und Fördermittel zu akquirieren, die eine große Hilfe für die schwerbehinderten Menschen und die Arbeitgeber der Region sein werden.“

Sie stellten das neue Projekt in den Räumlichkeiten in der Temmlerstraße in Marburg vor (v.l.n.r.): Daniela Friedrich und Birgit Sturmat-Rosenbaum (beide BBZ), Erster Kreisbeigeordneter Marian Zachow, Volker Breustedt (Leiter der Agentur für Arbeit Marburg) und Andrea Martin (Leiterin des KreisJobCenters). Foto: Landkreis Marburg-Biedenkopf

Sie stellten das neue Projekt in den Räumlichkeiten in der Temmlerstraße in Marburg vor (v.l.n.r.): Daniela Friedrich und Birgit Sturmat-Rosenbaum (beide BBZ), Erster Kreisbeigeordneter Marian Zachow, Volker Breustedt (Leiter der Agentur für Arbeit Marburg) und Andrea Martin (Leiterin des KreisJobCenters).

Foto: Landkreis Marburg-Biedenkopf

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