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Straßensperrung zwischen Roth und Niederwalgern wird tausenden Teichmolchen und Erdkröten das Leben retten – Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde Weimar und Naturschutzbund ziehen zum Schutz der Tiere an einem Strang

(Pressemitteilung 70/2014 vom 03.03.2014)

Marburg-Biedenkopf – Zum Schutz geschützter Amphibienarten wird die Kreisstraße 59 zwischen den Weimarer Ortsteilen Roth und Niederwalgern ab Mittwoch, 5. März 2014, nachts für den Verkehr gesperrt. Grund sind Teichmolche und Erdkröten die jetzt zu Beginn des Frühjahrs bei milder werdenden Temperaturen in großer Zahl von ihren Winterquartieren zu den Laichgewässern wandern, um sich fortzupflanzen. Auf dieser nächtlichen Wanderung müssen sie die Kreisstraße überqueren. Dort geraten sie jedoch in Lebensgefahr durch Autos, die die Tiere überfahren und in der Vergangenheit auch in bereits großer Zahl getötet haben.

In einer Gemeinschaftsaktion haben sich jetzt die Gemeinde Weimar, der Landkreis Marburg-Biedenkopf, die Ortsgruppe Fronhausen des Naturschutzbundes (NABU) und die Verkehrsbehörden dazu entschlossen, die Kreisstraße 59 bis voraussichtlich 20. April 2014 in der Zeit von 19:00 Uhr bis 06:00 Uhr für den Verkehr zu sperren, um die Tiere zu schützen. Der Schutz gilt aber auch den Autofahrern. Denn durch die überfahrenen Tiere wird die Fahrbahnoberfläche glatt wie Schmierseife, wodurch das Risiko von Unfällen besteht.

„Alle Beteiligten ziehen hier an einem Strang, wobei vor allem das Engagement der NABU-Mitglieder erwähnt werden muss: Sie sorgen durch ihren ehrenamtlichen Einsatz dafür, dass die Sperrschilder abends aufgestellt werden“, betonte Landrätin Kirsten Fründt, die den engagierten Helfern für ihren Einsatz dankte. Sie dankte auch der Gemeinde Weimar für deren schnelles, engagiertes und unbürokratisches Handeln.

„Im Gegenzug übernehmen Mitarbeiter des gemeindlichen Bauhofes morgens den Abbau der Sperrschilder, so dass die Straße tagsüber wieder frei befahrbar ist“, ergänzte Weimars Bürgermeister Peter Eidam. Für ihn ist es selbstverständlich, dass im Interesse des Arten- und Naturschutzes gemeinsam und schnell gehandelt wird. Er rechnet auch fest mit dem Verständnis der Autofahrer.

Landrätin und Bürgermeister bezeichneten den Einsatz das NABU als vorbildlich. In den Vorjahren hatten die aktiven Naturschützer bereits Zäune aufgestellt, um die Tiere am Überqueren der Straße zu hindern, sie haben sie dann an den Zäunen eingesammelt und auf die andre Straßenseite getragen. Die NABU-Mitglieder übernahmen auch eine Zählung der Tiere, woraufhin schnell klar wurde, dass ein Schutzzaun alleine kaum ausreichend ist. Gemeinsam haben sich dann der Landkreis Marburg-Biedenkopf mit seiner Naturschutz- und Verkehrsbehörde, die Gemeinde Weimar, der NABU und die Polizei darauf verständigt, die Straße nachts zu sperren, auch weil der enorme Arbeits- und Zeitaufwand im Zusammenhang mit den mobilen Schutzzäunen für die Ehrenamtlichen des NABU nicht mehr zumutbar ist und der Schutz der Tiere in diesem Bereich eine Sperrung der Straße notwendig macht.

Ab Mittwoch, 5. März 2014, wird mit mobilen Absperrelemente eine Vollsperrung der K 59 im Bereich der Martinsweiher vorgenommen, für die Verkehrsteilnehmer befinden sich Hinweise auf die Sperrung schon an den Abzweigungen auf die K 59, damit eine Umfahrung frühzeitig möglich ist. Die Nutzung der Straße während der Sperrungszeiten für die Landwirtschaft, die Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge wird durch die mobilen Absperrelemente gewährleistet. Die Polizei wird die Absperrung und deren Beachtung regelmäßig kontrollieren.

Dokumentierte Wanderaktivitäten an der K59
(Quelle: Angaben des NABU -> nächtlichen Zählungen über die letzten Jahre):

2009:
ca. 8.000 Teichmolche
ca. 1.000 Erdkröten
1 Bergmolch
2 Zauneidechsen

2011:
ca. 7.000 Teichmolche
ca. 2.000 Erdkröten

2013:
ca. 8.000 Teichmolche
ca. 1.100 Erdkröten
2 Bergmolche

(z.B. in der Nacht vom 9. auf den 10. März 2013 knapp 2.000 Amphibien in einer Nacht)



Gemeinschaftlich für den Amphibienschutz. (Foto: Landkreis)


Gemeinschaftlich für den Amphibienschutz: Polizeioberkommissar und Schutzmann vor Ort Martin Agel, Bürgermeister Peter Eidam, Landrätin Kirsten Fründt, Björn Behrendt (NABU Fronhausen) Rita Rohrbach (Gemeinde Weimar) und Stefan Wagner (NABU Fronhausen) informierten über die Straßensperrung, die ab Mittwoch nachts an der Kreisstraße 59 zwischen den Weimarer Ortsteilen Roth und Niederwalgern eingerichtet wird.

 An keinem anderen Amphibienzaun in Deutschland werden so viele Teichmolche gezählt, wie an dem bei Niederwalgern. Foto: Landkreis


Weimar ist bei den Teichmolchen "Rekordhalter": An keinem anderen Amphibienzaun in Deutschland werden so viele Teichmolche gezählt, wie an dem bei Niederwalgern. Allein 8.000 dieser Tiere wurden dort laut NABU im vergangenen Jahr gefunden. Das Exemplar auf dem Foto wurde an anderer Stelle abgelichtet.

Eine Erdkröte beim Überqueren einer Fahrbahn. Foto: Landkreis


Bis zu 2.000 Erdkröten überqueren Jahr für Jahr zu Beginn der Laichsaison die Kreisstraße 59. Das Exemplar auf dem Foto wurde an anderer Stelle abgelichtet. 
 
(Fotos: Stephan Schienbein/Landkreis Marburg-Biedenkopf)
 

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