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Gemeinsame Pressemitteilung des Landkreises Marburg-Biedenkopf und der Universitätsstadt Marburg: „Ich bin sicher, dass Sie mich annehmen werden“ – Regionales Übergangsmanagement organisierte dritten Fachtag zum Übergang Schule-Beruf

(Pressemitteilung Nr. 067/2012 vom 17.02.2012)
Marburg-Biedenkopf – 110 Fachkräfte aus Jugendhilfe, Schule, Wirtschaft, und Politik kamen im Rahmen einer Fachtagung in Marburg zusammen, um sich zum Thema „Strategien, Strukturen und Individualität – Sichtweisen auf den Übergang Schule-Beruf“ auszutauschen. Die Fachtagung fand im Tagungsgebäude des Landkreises Marburg-Biedenkopf statt und wurde vom Regionalen Übergangsmanagement (RÜM) – ein gemeinsames Projekt des Landkreises Marburg-Biedenkopf und der Universitätsstadt Marburg durchgeführt. Welche Chancen bietet ein regional verankertes Übergangsmanagement? Wer sind „die“ Jugendlichen von heute? Wie sehen ihre Alltagswelten aus? Was bedeutet dies für den Übergang Schule-Beruf? Wie effektiv sind Netzwerke am Übergangssystem? Diese und weitere Fragen wurden gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis erörtert.

Auf der Tagesordnung standen Referate und Gesprächrunden mit Akteuren am Übergang Schule-Beruf. Schon im Eingangsvortrag machte Matthias Müller vom Deutschen Jugendinstitut in Halle deutlich, dass durch ein Übergangsmanagement eine regional abgestimmte Berufsorientierung von jungen Menschen erreicht werden kann. Insbesondere sind es schulspezifische Arrangements in der Berufsorientierung, die dazu beitragen Jugendliche erfolgreich in Ausbildung zu bringen. Um Schulen dabei zu unterstützen sind jedoch Netzwerke erforderlich, an denen sich wichtige regionale Partnerinnen und Partner beteiligen. Müller hob den Stellenwert einer kommunalen und interessensfreien Koordination von Angeboten durch ein RÜM sowie die Entwicklung von Qualitätsstandards in der Berufsorientierung hervor.

„Die strategische Ausrichtung des RÜM ermöglicht in diesem Sinne eine optimale Bündelung und effiziente Verwendung vorhandener Ressourcen. Die Zusammenarbeit regionaler Akteure in Netzwerken wird durch die strukturelle Ausrichtung des RÜM intensiviert“, so Erster Kreisbeigeordneter Dr. Karsten McGovern.

Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach hob die vielen Erfolge des RÜM und der gemeinsamen Netzwerkarbeit hervor. „Dauerhaftigkeit ist nicht selbstverständlich für Netzwerke. Die Kontinuität wie beispielsweise im Dialogforum Arbeitgeber-Schule deutet daraufhin, dass hier auch mit Blick nach vorne eine gute Grundlage für die Zusammenarbeit geschaffen wurde.“

Die Aufgaben des RÜM bestehen darin, lokale Bündnisse mit der Wirtschaft, insbesondere zwischen Schulen und Unternehmen auf- bzw. auszubauen und lokale Netzwerke zu begleiten. Weitere Schwerpunkte liegen in der (interkulturellen) Elternarbeit, Datenoptimierung, und Beratung von Schulen.

Inga Borchard vom Sinus Institut Berlin stellte in ihrem Vortrag die Ergebnisse einer Jugendmilieustudie vor. Anhand von anschaulichen Bildern erläuterte sie Wertorientierungen, Lebensstile, ästhetische Präferenzen und soziale Lage von Jugendlichen und formulierte Thesen für den Übergang Schule-Beruf.

Dr. McGovern sprach ein Lob an RÜM und alle beteiligten Akteure aus, für die konkreten Ergebnisse und deren Engagement am Übergang Schule-Beruf. Auch bei einem vorgestellten Beispiel, dem regionalen OloV-Netzwerk, wurde eine erfolgreiche Zusammenarbeit hervorgehoben. „Der Übergang-Schule-Beruf kann zu einer Standtortfrage werden. Dazu brauchen wir einen Konsens in der Region. Wir müssen gemeinsam versuchen, dass uns der Übergang Schule-Beruf gelingt“, ergänzte Dr. McGovern.

Die Moderatorin und Sozialwissenschaftlerin Andrea Nispel, die die Teilnehmenden durch den Fachtag führte, fasste zusammen, dass man Jugendliche nur erreicht, wenn ihnen Respekt entgegengebracht wird.

Nach der Pause hatten ehemalige Auszubildende die Möglichkeit von ihren Erfahrungen und Eindrücken auf dem Weg von der Schule in Ausbildung zu berichten. Ali Kotüz, der vor kurzem seine Ausbildung zum Krankenpflegehelfer bei der Elisabeth von Thüringen Akademie für Gesundheitsberufe (Marburg) beendete und nun fest im Berufsleben steht, hob hervor, wie wichtig ein selbstbewusstes Auftreten im Bewerbungsgespräch ist. „Ich bin sicher, dass Sie mich annehmen werden.“ Mit diesem Selbstbewusstsein und seinen Fähigkeiten konnte Ali Kotüz seinen damaligen Ausbildungsbetrieb von sich überzeugen.

Nach einem Impulsvortrag von Ralph Kersten vom Regionalen Übergangsmanagement Offenbach über die Chancen und Herausforderungen der Netzwerkarbeit, berichteten regionale Akteure aus unterschiedlichen Handlungsfeldern am Übergang Schule-Beruf über ihre Interessen und Erwartungen an Netzwerke.

„Grundvoraussetzungen für ein funktionierendes Netzwerk sind ein ehrlicher Umgang miteinander und das Klären der eigenen Motivation“, sagte Dr. Gerd Hackenberg, Leiter der Abteilung Aus- und Weiterbildung der Industrie- und Handelskammer Lahn-Dill. Katharina Gruß, Geschäftsführerin operativ der Agentur für Arbeit, schlussfolgerte: „Netzwerkarbeit zahlt sich für die Region, den einzelnen Jugendlichen, für die Institutionen und Betriebe aus.“ Auch Burkhard Schuldt, Schulamtsdirektor beim Staatlichen Schulamt für den Landkreis Marburg-Biedenkopf unterstrich: „Es muss noch mehr in Netzwerke investiert werden, um möglichst viele Jugendliche in Ausbildung zu bringen und Abbrüche zu vermeiden.“ Thorsten Schmermund, Technical Operations Manufacturing der Siemens Healthcare Diagnostics Products GmbH Marburg, erklärte, dass wir Netzwerkarbeit als eine soziale Verantwortung des Unternehmens betrachten, die ein Gewinn für alle Beteiligten darstelle. Claus Schäfer, Leiter des Büros für Integration Marburg-Biedenkopf betonte für den Bereich der Zusammenarbeit mit Migrantenorganisationen, dass es das Ziel sein müsse, Netzwerke dauerhaft auf die Beine zu stellen und darauf zu achten, dass Ehrenamtliche nicht überfordert werden.

Das Regionale Übergangsmanagement Marburg-Biedenkopf nutzte den Fachtag auch, um eigene Arbeitsschwerpunkte zu präsentieren. „Auf die vielen Projekte und positiven Ergebnisse unserer Arbeit sind wir sehr stolz. Die Umsetzung der Ansätze ist jedoch nur in Kooperation und durch die Unterstützung unsere Netzwerkpartner möglich gewesen. Der eigentliche Erfolg unserer Arbeit liegt in dieser Zusammenarbeit“ betonte Projektleiterin Evelyne Rößer.
 

 
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