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Vor der Einschulung müssen 2.400 Kinder im Kreis zum Arzt: Fast 90 Prozent sind fit für den „Ernst des Lebens“ – Untersuchung durch Amtsärzte hilft Kindern und Eltern Störungen oder Erkrankungen früh zu entdecken und früh Hilfe einzuleiten

(Pressemitteilung Nr. 064/2012 vom 29.02.2012)
Marburg-Biedenkopf – Das neue Schuljahr beginnt zwar erst im August, doch für die Schulanfänger beginnen bereits jetzt die schulärztlichen Untersuchungen, die bis kurz vor den Sommerferien stattfinden. In Hessen ist diese Untersuchung für alle Kinder, die eingeschult werden sollen, verpflichtend. Ärztinnen und Ärzte der Gesundheitsämter untersuchen die Kinder. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf werden die rund 2.400 Kinder von vier schulärztlichen Teams untersucht, je nach Entfernung der Gemeinde entweder vor Ort in der Grundschule oder in Marburg im Fachbereich Gesundheit.

„Die Aufgabe der ärztlichen Schuleingangsuntersuchung ist es, Entwicklungsauffälligkeiten, Entwicklungsstörungen, chronischen Erkrankungen oder Behinderungen vor der Einschulung zu erkennen, um frühzeitig Schritte zur individuellen Förderung des Kindes einzuleiten“, erläutert der Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernent Dr. Karsten McGovern.

„Bei fast 89 Prozent der untersuchten Kinder können aus schulärztlicher Sicht die Regelschule und damit der Besuch des ersten Schuljahrs empfehlen“, sagt Dr. McGovern. Für 7 Prozent der Kinder laute die Empfehlung, Rückstellung für ein Jahr vom Besuch der ersten Klasse und Besuch einer Vorklasse oder Verbleib in der Kindertagesstätte. Bei etwa 4 Prozent der untersuchten Kinder ist eine zusätzliche sonderpädagogische Förderung zum Schulbesuch nötig, die entweder an der zuständigen Grundschule oder einer Förderschule erfolgen kann. Die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchung werden hessenweit einheitlich dokumentiert und anonymisiert ausgewertet. „Die Daten für den Landkreis Marburg-Biedenkopf sind – von sinkenden Kinderzahlen abgesehen – recht stabil und liegen gut im hessenweiten Durchschnitt“, teilt Dr. McGovern mit.

Bei der schulärztlichen Untersuchung wird neben der körperlichen Untersuchung, die auch Seh- und Hörtests umfasst, insbesondere der Entwicklungsstand jedes Kindes in einem standardisierten Verfahren überprüft. Dabei werden Aspekte der Wahrnehmung, Motorik und Sprache mit altersgerechten Aufgaben und einfachen Übungen abgefragt.

Die Beratung der Eltern zu Präventionsthemen wie Impfen, Bewegung und Ernährung, Auswirkungen von Medienkonsum, Sprachförderung oder Erziehung ist ein weiterer Aspekt der Untersuchung. Die Beratung der Schulen ist ein zusätzlicher Aufgabenschwerpunkt, um eventuell nötige pädagogische Hilfen einleiten zu können.

Bei den meisten Kindern ist beim Gewicht alles im grünen Bereich

Erfreulich ist die geringe Anzahl neu entdeckter körperlicher Befunde, da die ärztliche Versorgung durch die niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte mit den Vorsorgeuntersuchungen auch schon vor den verpflichtenden Untersuchungen gut wahrgenommen wurde. Auch der Impfstatus der Einschulungskinder ist erfreulich gut, so die Feststellung des Kreises.

Bei den erfassten Befunden liegen Sehfehler und Hörstörungen sowie Übergewicht vorne, gefolgt von Atemwegs- und Hauterkrankungen. Bei einer genaueren Betrachtung der Gewichtsverteilung nach BMI oder Körpermasseindex zeigt sich, dass etwas über 9 Prozent aller Kinder Untergewicht und genau so viele Übergewicht haben. Knapp 82 Prozent der Einschulungskinder liegen aber mit ihrem Gewicht im Normbereich. Bei den Mädchen sind es etwas mehr Untergewichtige, bei den Jungen etwas mehr Übergewichtige. Der BMI beschreibt das Verhältnis zwischen Körpermasse und Größe (BMI = Körpermasse in Kilogramm geteilt durch Körperlänge in Metern).

Immerhin 5,4 Prozent der Einschulungskinder leiden aber an dauerhaft zu behandelnden chronischen Erkrankungen und 2,5 Prozent der Kinder haben eine Behinderung. Bei den chronischen Erkrankungen führen Erkrankungen der Atemwege wie Asthma oder Bronchitis, Neurodermitis und Allergien in den Häufigkeiten.

Gut 15 Prozent der Einschulungskinder erhielten in den 12 Monaten vor Schulbeginn Logopädie (Sprachtherapie) und 10 Prozent Ergotherapie. 5 Prozent eines Jahrgangs werden in der Kindertagesstätte im Rahmen einer Integrationsmaßnahme betreut und 3,4 Prozent durch die Frühförderstelle zu Hause gefördert. Nur 1 Prozent aller Kinder besuchte vor Schulbeginn keine Kindertagesstätte.

Im Landkreis Marburg-Biedenkopf haben etwa 25 Prozent der Einschulungskinder einen Migrationshintergrund und eine andere Familiensprache als deutsch. Von diesen Kindern sprechen gut 40 Prozent fehlerfrei deutsch und weitere 38 Prozent mit kleinen Fehlern. Weitere 12 Prozent sprechen mit erheblichen Fehlern deutsch und der Rest verfügt nur über rudimentäre oder keine Deutschkenntnisse. Für diese Kinder bieten die Schulen bereits ein Jahr vor Schulbeginn einen Vorlaufkurs an, um die Deutschkenntnisse zu verbessern und damit einen guten Schulstart zu gewährleisten. 7 Prozent der einzuschulenden Kinder besuchen daher diverse Vorlaufkurse.

Bei der Hälfte aller Schuleingangsuntersuchungen erfolgt eine weitere Beratung der Eltern im Hinblick auf schulvorbereitende Fördermöglichkeiten im den Bereichen Sprache (15 Prozent), Motorik (13 Prozent), Erziehung (11 Prozent) aber auch Ernährung (7 Prozent).

Bei fast 90 Prozent der untersuchten Kinder können aus schulärztlicher Sicht die Regelschule und damit der Besuch des ersten Schuljahrs empfohlen werden. Für 7 Prozent der Kinder lautet die Empfehlung, Rückstellung für ein Jahr vom Besuch der ersten Klasse und Besuch einer Vorklasse oder Verbleib in der Kindertagesstätte. Bei circa 4 Prozent der untersuchten Kinder ist eine zusätzliche sonderpädagogische Förderung zum Schulbesuch nötig, die entweder an der zuständigen Grundschule oder einer Förderschule erfolgen kann.
 

  Henry (5) hat die Schuleingangsuntersuchung – auch ein Sehtest gehört dazu – schon hinter sich. Silvia Mussong, Mitarbeiterin beim Fachbereich Gesundheit des Kreises, führt einige der Tests durch. Foto: Landkreis
Henry (5) hat die Schuleingangsuntersuchung – auch ein Sehtest gehört dazu – schon hinter sich. Silvia Mussong, Mitarbeiterin beim Fachbereich Gesundheit des Kreises, führt einige der Tests durch. Foto: Landkreis

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Henry (5) hat die Schuleingangsuntersuchung - auch ein Hörtest gehört dazu - schon hinter sich. Silvia Mussong, Mitarbeiterin beim Fachbereich Gesundheit des Kreises, führt einige der Tests und Untersuchungen durch. Foto: Landkreis

Henry (5) hat die Schuleingangsuntersuchung - auch ein Hörtest gehört dazu - schon hinter sich. Silvia Mussong, Mitarbeiterin beim Fachbereich Gesundheit des Kreises, führt einige der Tests und Untersuchungen durch. Foto: Landkreis
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