Link auf das Hauptmenü Link auf die Untermenüpunkte Link auf Inhaltsbereich
Aktionswoche: „Vergessenen Kindern eine Stimme geben“ – Kinder aus Suchtfamilien brauchen Unterstützung

(Pressemitteilung Nr. 056/2012 vom 10.02.2012)
Marburg-Biedenkopf – In Deutschland lebt schätzungsweise jedes sechste Kind unter 18 Jahren mit suchtbelasteten Eltern zusammen. Die weitaus meisten dieser Jungen und Mädchen sind mit der Alkoholkrankheit eines oder beider Elternteile konfrontiert. „Ganz gleich, welches Suchtmittel in der Familie im Vordergrund steht, für die Kinder bedeutet dies immer, dass ihre Situation von Unsicherheit und Angst geprägt ist“, berichtete der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern. Dabei stehe außer Frage, dass auch suchtkranke Eltern ihre Kinder lieben, sie oftmals jedoch nicht in der Lage sind, aufgrund der Erkrankung ihnen Zuwendung und Liebe in dem Maße zu geben, wie sie es für ein gesundes Aufwachsen benötigen.

Ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen aus suchtbelasteten Familien ist durch diese Situation psychisch stark belastet. Untersuchungen haben bestätigt, dass etwa ein Drittel von ihnen selbst Suchtstörungen entwickelt, ein weiteres Drittel psychische und soziale Störungen zeigt und ein Drittel relativ unbeschadet trotz der belastenden Familiensituation ihr Leben gestaltet. „Die bundesweite Aktionswoche vom 12. bis 18. Februar soll unter dem Thema ‚Vergessenen Kindern eine Stimme geben’ als Anlass genommen werden, auf die Situation von Kindern aus suchtbelasteten Familien und auf entsprechende Unterstützungsangebote hinzuweisen, so Uwe Pöppler, Leiter des Fachbereichs Familie, Jugend und Soziales.

„Kinder suchtkranker Eltern brauchen Unterstützung von vertrauenswürdigen Erwachsenen“, sagte Dr. McGovern. Sie müssten die Möglichkeit haben, sich außerhalb ihrer Kernfamilie mit ihren Problemen einem Erwachsenen ihres Vertrauens mitteilen zu können und ihnen müsse die Angst genommen werden, dass sie eine Schuld an der Krankheit der Eltern tragen würden. Dies seien wesentliche Schutzfaktoren, für eine gesunde Entwicklung junger Menschen.

Im Landkreis Marburg-Biedenkopf kommt der Suchthilfe große Bedeutung zu. So arbeitet der Landkreis eng mit den Sucht- und Drogenberatungsstellen zusammen und ist an deren Finanzierung beteiligt. Besonders „Drachenherz“ vom Blauen-Kreuz Marburg, ein Beratungsangebot für Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien, ist hier als wichtiger Ansprechpartner zu nennen. In diesem Zusammenhang muss auch das Projekt HaLt der Fachstelle für Suchtprävention des Diakonischen Werkes Oberhessen Erwähnung finden, das unter anderem aus Mitteln des Landkreises unterstützt wird. Ein Schwerpunkt des Projekts liegt in der Alkoholprävention sowie der fachlichen Begleitung suchtpräventiver Ansätze.

Auch der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) im Fachbereich Familie, Jugend und Soziales unterstützt belastete Familien mit seinen ambulanten Hilfen. Bekommen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ASD mit, dass Eltern in der Familie ein Suchtproblem haben, verfügen sie über die entsprechenden Kenntnisse, welche Unterstützung benötigt wird. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Suchtberatungsstellen kann durch sie zeitnah ein Kontakt hergestellt und Kindern aus suchtbelasteten Familien die notwendige Unterstützung vermittelt werden. Bei der Herausbildung von Schutzfaktoren zur Bewältigung von Risiken durch die jungen Menschen bedeuten die unterschiedlichen, an der Lebenswelt von Mädchen und Jungen orientierten präventiven Angebote eine weitere wichtige Säule zur Stärkung ihrer Persönlichkeitsentwicklung, damit sie belastende Lebenssituationen besser bewältigen können. Dabei ist von zentraler Bedeutung, dass diese Angebote möglichst frühzeitig ansetzen, damit ihre Wirkungen sich zielgerichtet entfalten. Oftmals werden dadurch auch zumeist teurere eingreifende Maßnahmen vermieden.

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf hat sich hier gut positioniert. Stellvertretend kann die Arbeit der Erziehungsberatungsstellen genannt werden, das Projekt „Null bis Sechs“ mit seiner präventiven Beratung von Eltern und Kindertagesstätten aber auch die generationsübergreifende Arbeit des Netzwerkes für Medien, Sicherheit und Aufklärung (Medisa), was durch eine Stärkung der Medienkompetenz einer „Mediensucht“ entgegen wirkten will. Prävention zielt auch auf die Herstellung günstiger Lebensbedingungen, denn diese wirken sich förderlich auf das Aufwachsen der jungen Generation aus.

„Der Landkreis will mit seinem Engagement insbesondere Kindern, die unter erschwerten Bedingungen aufwachsen, die Chance bieten, dass auch sie alle Möglichkeiten zur Gestaltung ihrer Zukunft haben. Von daher ist es ihm ein besonderes Anliegen, dass den betroffenen Kindern und Jugendlichen aus suchtbelasteten Familien mit ihren Problemen im Rahmen der Aktionswoche ausreichend Gehör geschenkt wird“, ergänzte Dr. McGovern.
 

 
[ schliessen ]