Link auf das Hauptmenü Link auf die Untermenüpunkte Link auf Inhaltsbereich
Neujahrsempfang des Landkreises – Präsident des Umweltbundesamtes Flasbarth lobte Landkreis Marburg-Biedenkopf für seine Aktivitäten im Rahmen der Energiewende
(Pressemitteilung Nr. 039/2013 vom 01.02.2013)
Marburg-Biedenkopf – „Es zeichnet den Landkreis besonders aus, dass er schon vor Fukushima den Weg zur Energiewende eingeschlagen hat. Sie sind damit auf einem guten und richtigen Weg und ein Vorreiter“, sagte Jochen Flasbarth, der Präsident des Umweltbundesamtes auf dem Neujahrsempfang des Landkreises. Er war von Landrat Robert Fischbach als Festredner eingeladen worden und referierte über die Energiewende mit ihren Chancen und Problemen aber auch über die Arbeit des Landkreises aus seiner Sicht.

Im Ausland, so Flasbarth, sei das Wort „Energiewende“ in den Sprachgebrauch aufgenommen worden, etwa als „german Energiewende“ und man würde mit großem Interesse verfolgen, was in Deutschland passiere. Ein Drittel der Leute würden die Deutschen als „bekloppt“ in dieser Frage bezeichnen, ein anderes Drittel habe dazu noch viele Fragen und ein Drittel verfolge hoch interessiert, wie Deutschland dieses Thema anpacke, nach dem Motto „wenn einer das schafft, dann die Deutschen!“ Der Präsident des Umweltbundesamtes verwies darauf, dass im Jahr 2011 etwas beendet wurde, was die Gesellschaft zuvor tief gespalten hatte, nämlich das Setzen auf die Atomenergie. Aus dieser dann entstandenen Aufbruchstimmung könne man viel Kraft ziehen. Selbst wenn diese Aufbruchstimmung ein Stück weit verloren gegangen sei, sei der Weg jetzt beschritten und besitze viel Potenzial.

Wichtig war ihm der Hinweis auf die Verankerung der Energiewende in der Region. Nur wenn das hier auch eine Umsetzung erfahre, könnten die Ziele der Bundesregierung erreicht werden. Diese sind beispielsweise bis zum Jahr 2050 den Endenergieverbrauch um 50 Prozent zu senken. Dieser Energieverbrauch solle dann zu 60 Prozent aus erneuerbaren Energien erfolgen und der Anteil erneuerbarer Energien beim Strom solle sogar dann 80 Prozent betragen.

Nach jetzigem Wissenstand sind es vor allem zwei Säulen, die für die Energiewende wichtig sind, einerseits die Fotovoltaik und andererseits die Windenergie. Die Fotovoltaik besitzt ein großes Potenzial. Man solle aber auch nicht zu sehr auf die freien Flächen ausweichen, sondern lieber vorhandene Dach- und Freiflächen dafür nutzen. Fotovoltaik dürfe nicht in Konkurrenz zu agrar genutzten Flächen treten. „Die andere Säule, die Windkraft bietet ein Vielfaches an Potenzial von dem, was wir wirklich brauchen. Das bedeutet, man wird in die glückliche Lage versetzt, auswählen zu können, wo Windenergie sinnvoll genutzt werden kann“. Man werde mehr Rücksicht auf unterschiedlichste Belange nehmen können. Dennoch werde es natürlich im Einzelnen vor Ort zu Problemen kommen, aber insgesamt seien die Prognosen für die Nutzung der Windkraft in Studien noch viel besser, als er selbst das erst vermutet habe.

Zum Ausbau der Stromnetze sagte er, dass der Netzausbau vor dem Bau von Energiespeichern stehen würde. Insgesamt wären Investitionen für diesen Ausbau in Höhe von 20 Milliarden Euro notwendig. Das höre sich viel an, sei aber im Vergleich zu den Kosten für das Bundesfernstraßennetz von 23,48 Milliarden Euro – und das jährlich – anders zu bewerten. Flasbarth zeichnete insgesamt ein Mut machendes Bild von der Energiewende in Deutschland.

Zuvor hatte Landrat Fischbach kurz auf wesentliche Fragestellungen des Landkreises hingewiesen. Besonders hob er den Haushalt 2013 hervor, bei dem Marburg-Biedenkopf der einzige Landkreis in Hessen sei, der seinen Haushalt ausgleichen und sogar noch ein Plus von knapp fünf Millionen Euro aufweisen könne. Bei dem Neujahrsempfang 2010 habe er noch von einem strukturellen Defizit von 235 Millionen Euro nach damaligen Schätzungen für Ende 2013 gesprochen. Tatsächlich seien es aber „nur“ 114 Millionen Euro.

Er nannte das Thema Versorgung mit schnellem Internet nach wie vor als eines der wichtigsten Zukunftsthemen, denn die Breitbandversorgung sei so wichtig, wie eine gute Verkehrsanbindung. Es sei ein beispielloser Kraftakt gewesen, zusammen mit den Städten und Gemeinden die Breitband GmbH zu gründen und den Weg für Investitionen von fast 50 Millionen Euro zu ebnen. Für die außerordentlich gute Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden bedankte er sich ausdrücklich.

Bei der Gesundheitsregion Marburg-Biedenkopf hob er die gemeinsamen Anstrengungen zum Erhalt der Geburtshilfe in Biedenkopf hervor. Gerade nach der sich jetzt abzeichnenden Lösung für das Partikeltheraphiezentrum sei es außerordentlich wichtig, beim Universitätsklinikum nicht wieder alles zu zerreden. „Alle zusammen werden wir es schaffen, das Bild des Universitätsklinikums wieder besser darzustellen“, so Fischbach. Es sei der Motor dieser Gesundheitsregion.

Das Thema Klimaschutz sei natürlich nach wie vor eines der zentralen Ziele des Landkreises und man habe hessenweit eine Vorreiterrolle übernommen, was sich auch darin zeige, dass der Bund den Landkreis als einen von drei Landkreisen in Deutschland in das Masterplanprojekt mit aufgenommen habe und bei dieser Aufgabe mit fast einer Dreiviertelmillion Euro fördere. Der Landkreis wolle seinen Beitrag zur Energiewende leisten. Landrat Fischbach bedankte sich auch bei Regierungspräsident Lars Witteck für die Unterstützung bei den Anstrengungen des Kreises und in Mittelhessen.

Anschließend konnten sich die knapp 300 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und gesellschaftlichem Leben im Foyer untereinander austauschen und diskutieren.

Der Präsident des Umweltbundesamtes Jochen Flasbarth
Download Druckversion
Der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth

Der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth (links) war auf Einladung von Landrat Robert Fischbach (rechts) zum Neujahrsempfang des Landkreises nach Marburg gekommen und referierte zum Thema Erneuerbare Energien.
Download Druckversion
Der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth (links) war auf Einladung von Landrat Robert Fischbach (rechts) zum Neujahrsempfang des Landkreises nach Marburg gekommen und referierte zum Thema Erneuerbare Energien.

Landrat Robert Fischbach begrüßte beim Neujahrsempfang des Landkreises zahlreiche Gäste aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und gesellschaftlichem Leben.
Download Druckversion
Landrat Robert Fischbach begrüßte beim Neujahrsempfang des Landkreises zahlreiche Gäste aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und gesellschaftlichem Leben.


Download Druckversion

Fotos: Landkreis

[ schliessen ]