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Jede Minute zählt: Neues Konzept verzahnt die schnelle Hilfe für Schlaganfallpatienten in der Region - Einheitliche Ausbildung und standardisierte Abläufe verkürzen die Zeit bis zur Behandlung in der Klinik

(Pressemitteilung Nr. 020/2011 vom 21.01.2011)
Marburg-Biedenkopf – Mit einem neuartigen Konzept wird Schlaganfallpatienten in den mittelhessischen Landkreisen Marburg-Biedenkopf und Gießen geholfen. Ziel dieses Konzeptes ist es, die verschiedenen Behandlungsstufen für Schlaganfallpatienten, insbesondere im Bereich Rettungsdienst und Akutklinik, noch besser miteinander zu vernetzen. Auf diese Weise, so Landrat Robert Fischbach, können die Folgen eines Schlaganfalls für die Patienten deutlich verringert werden. Einheitliche, standardisierte Abläufe helfen, Zeit zu sparen – Zeit, die für die Patienten wichtig ist. Der Kern des neuen Konzepts lässt sich mit einem Satz auf den Punkt bringen: „Time is brain – Zeit ist Gehirn!“

Rund 150.000 Menschen erleiden in Deutschland pro Jahr einen Schlaganfall. Bezogen auf Hessen sind das 342 Menschen pro 100.000 Einwohner. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf wurden im Jahr 2010 456 Patienten mit Symptomen eines Schlaganfalls vom Rettungsdienst versorgt und transportiert, 124 Patienten mehr als im Jahr 2009. „Wir können davon ausgehen, dass diese Zahlen wegen der demografischen Entwicklung weiter steigen werden“, stellte Landrat Robert Fischbach fest. Dr. Erich Wranze-Bielefeld, der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis Marburg-Biedenkopf, erklärte, dass rund ein Viertel der Patienten, die einen Schlaganfall überleben, pflegebedürftig werden, die Hälfte sei nicht mehr arbeitsfähig. „Ziel des Konzeptes ist es daher, diese Zahlen deutlich zu verbessern.“

Unter dem Begriff und der Diagnose „Schlaganfall“ werden zwei völlig verschiedene Erkrankungen zusammengefasst, die aber die gleichen Symptome hervorrufen können: Eine Blutung im Gehirn durch das Platzen eines Blutgefäßes, meist bedingt durch Bluthochdruck, und ein Gefäßverschluss im Gehirn mit einer Unterversorgung einzelner Gehirnbereiche. „Beide Erkrankungen lassen sich von Außen nicht unterschieden. Klarheit bringt erst die Untersuchung mittels Computertomografie (CT) des Kopfes“, so Dr. Wranze-Bielefeld. Bei einer CT-Untersuchung handelt es sich um eine computergesteuerte Röntgenuntersuchung des Kopfes, bei der das Gehirn sichtbar gemacht werden kann und Defekte dort erkennbar werden. Der Gefäßverschluss ist mit einem Anteil von 80 Prozent die weitaus häufigere Form des Schlaganfalls; eine Gehirnblutung wird in 20 Prozent der Fälle festgestellt.

Bei der Behandlung des Schlaganfalls kommt es auf jede Minute an. Denn je früher eine qualifizierte Behandlung beginnt, umso geringer ist der Schaden am Gehirn. So können Blutgerinnsel, die ein Gehirn verstopfen, innerhalb eines Zeitfensters von etwa vier Stunden wieder aufgelöst werden. Dies setzt aber voraus, dass die Diagnose Schlaganfall rasch gestellt, der Patient schnell in eine geeignete Klinik gebracht und er dort ebenso so schnell untersucht wird. „Wenn die Diagnose feststeht, können wir auch zielgerichtet helfen“, betonte Prof. Dr. Wolfgang Oertel, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg (Standort Marburg). Die Klinik für Neurologie ist mit einer „Stroke-Unit“ („Schlaganfall-Einheit“) speziell auf die Untersuchung und Behandlung von Schlaganfallpatienten vorbereitet.

Symptome weisen den weiteren Weg

Die frühzeitige Hilfe für Schlaganfallpatienten beginnt dabei schon beim Erkennen der Symptome: Lähmungen der Gesichtsmuskulatur mit hängenden Mundwinkeln und Augenlidern, die Lähmung einer Körperhälfte oder verwaschene Sprache sollten die Alarmglocken schrillen lassen. „In solchen Fällen gilt es, sofort per Notruf 112 die Rettungsleitstelle zu verständigen. Die Mitarbeiter dort sind ebenfalls im Erkennen von Schlaganfallsymptomen besonders geschult und werden die Anrufer gezielt danach befragen. Wenn sich der Verdacht erhärtet, schickt die Leitstelle sofort einen Rettungswagen los“, erklärt Maik Klein, der Leiter der Rettungsleitstelle des Landkreises.

Mit den Rettungsdienstmitarbeitern beginne das nächste Glied dieser Kette zu greifen, ergänzte Markus Müller, Geschäftsführer der DRK Rettungsdienst Mittelhessen GmbH. „Alle Rettungsdienstmitarbeiter in den Landkreisen Marburg-Biedenkopf und Gießen sind nach einheitlichen Vorgaben speziell auf das Thema Schlaganfall vorbereitet worden. Es ist also egal, ob ein Rettungswagen des Roten Kreuzes, der Johanniter Unfallhilfe oder des Malteser Hilfsdienstes kommt – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind einheitlich ausgebildet.“ Sie sind danach in der Lage, einen Schlaganfall zu erkennen, zu beurteilen, ob sich ein Patient in Lebensgefahr befindet oder ob seine Situation den Einsatz eines Notarztes am Ort des Geschehens erforderlich macht. Der Rettungsdienst wird den Patienten dann unter ständiger Überwachung aller lebenswichtigen Funktionen auf dem schnellsten Wege in eine Klinik mit „Stroke-Unit“ bringen. „Dem Personal in der Rettungsleitstelle und dem Rettungsdienstpersonal vor Ort kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Sie stellen frühzeitig die Weichen für die weitere Diagnostik und Behandlung“, betonte Dr. Wranze-Bielefeld.

Die nächste, geeignete Klinik wird schon frühzeitig von der Rettungsleitstelle über das Eintreffen eines Schlaganfallpatienten informiert, so dass auch hier schon Vorbereitungen getroffen werden können und ohne Zeitverzug eine CT-Untersuchung stattfinden kann. Im Falle eines Gefäßverschlusses kann dann schnellstmöglich und wenn es medizinisch angezeigt ist, mit der Auflösung des Gerinnsels begonnen werden. „Je frührer ein Gehirnareal wieder durchblutet und mit Sauerstoff versorgt wird, umso besser ist es und umso geringer sind die Folgeschäden. Hier kommt es wirklich auf jede Minute an“, betonten die Verantwortlichen.
 

  "Abgestimmtes Management ist ein Quatensprung in der Versorgung von Schlaganfallpatienten": Kreisbrandinspektor Lars Schäfer (v. li.), Leitstellenleiter Maik Klein, Landrat Robert Fischbach, Dr. Peter Matzdorff (Fachbereich Gesundheit), Prof. Wolfgang Oertel (Klinik für Neurologie), Dr. Erich Wranze-Bielefeld (Ärztlicher Leiter Rettungsdienst), Markus Müller und Heiko Hartmann (beide DRK Rettungsdienst Mittelhessen) stellten in Marburg das neue Schlaganfllkonzept vor. (Foto: Landkreis)
"Abgestimmtes Management ist ein Quatensprung in der Versorgung von Schlaganfallpatienten": Kreisbrandinspektor Lars Schäfer (v. li.), Leitstellenleiter Maik Klein, Landrat Robert Fischbach, Dr. Peter Matzdorff (Fachbereich Gesundheit), Prof. Wolfgang Oertel (Klinik für Neurologie), Dr. Erich Wranze-Bielefeld (Ärztlicher Leiter Rettungsdienst), Markus Müller und Heiko Hartmann (beide DRK Rettungsdienst Mittelhessen) stellten in Marburg das neue Schlaganfllkonzept vor.
(Foto: Landkreis)

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