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Routine-Untersuchung macht PCB-Belastung an Breidenbacher Mittelpunktschule deutlich – Erhöhte Messwerte in verschiedenen Räumen / Kreis plant schnelle Sanierung und bietet Betroffenen Untersuchung an

Marburg-Biedenkopf – Bei Schadstoffmessungen sind an der Mittelpunktschule (MPS) in Breidenbach in verschiedenen Klassenräumen der Mittelstufe erhöhte Werte von polychlorierten Biphenylen (PCB) nachgewiesen worden. Die Schadstoffmessungen fanden im Vorfeld einer geplanten energetischen Sanierung der Schule routinemäßig statt. „Da wir eine Gesundheitsgefährdung nicht ausschließen können, haben wir sofort weitere Maßnahmen veranlasst und umgesetzt“, teilte der Erste Kreisbeigeordnete und Schuldezernent Dr. Karsten McGovern am Donnerstag in Breidenbach mit.

Polychlorierte Biphenyle (PCB), die früher unter anderem als Weichmacher und Flammschutzmittel in Baustoffen eingesetzt wurden, sind künstlich hergestellte chemische Substanzen, die überall in der natürlichen Umgebung vorkommen. PCB werden vom Menschen hauptsächlich über die Nahrung aufgenommen und können in größeren Mengen gesundheitsschädlich sein.

Im Gebäude der Mittelstufe der Mittelpunktschule wurden PCB in Deckenplatten, einer Wandölfarbe und an Verdunklungsrollos nachgewiesen. Diese sind sehr wahrscheinlich die primären Quellen für die PCB-Belastung. Der Stoff reichert sich vor allem in Staub an. Daher können PCB-Belastungen bereits durch eine intensive Reinigung, die Beseitigung von Staub und eine gute Lüftung wirkungsvoll gesenkt werden.

Die Untersuchungsergebnisse mit den erhöhten PCB-Werten hat der Landkreis Marburg-Biedenkopf als Schulträger unmittelbar vor den Winterferien erhalten. Die Messungen ergaben zunächst erhöhte Werte in vier der fünf untersuchten Räumen. Daraufhin hat der Kreis weitere Messungen auch in den anderen Räumen veranlasst. Die Messergebnisse sagen aus, dass die PCB-Werte in der Raumluft in 7 Klassenräumen in einem tolerierbaren Bereich liegen (weniger als 300 Nanogramm PCB pro Kubikmeter Luft). In 14 weiteren Räumen ist die Konzentration so, dass mittelfristig eine Sanierung stattfinden muss (300 bis 3000 Nanogramm PCB pro Kubikmeter Luft). In 3 Räumen war die Raumluft jedoch stark belastet (mehr als 3000 Nanogramm PCB pro Kubikmeter Luft). 1 Nanogramm (ng) ist der milliardste Teil eines Gramms.

Die Ferienzeit nutzte der Kreis dann, um die betroffenen Räume intensiv zu reinigen und zu belüften, wodurch die PCB-Belastung deutlich gesenkt werden konnte. Dies haben erneute Messungen bestätigt. „Wir orientieren uns bei unseren Maßnahmen an der PCB-Richtlinie des Landes Hessen, die als eine der strengsten Vorgaben in diesem Bereich in Deutschland gilt. Im Vordergrund steht für uns natürlich die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte, die an der Schule unterrichten“, erklärte Dr. McGovern.

Da die ergriffenen Maßnahmen erfolgreich waren und die Messwerte gesenkt werden konnten, lässt der Kreis in Abstimmung mit der Schulleitung die Nutzung der Räume unter bestimmten Voraussetzungen bis auf weiteres zu. Dazu gehören eine tägliche, intensive Reinigung der betroffenen Räume sowie regelmäßige Belüftungsmaßnahmen. Außerdem finden weitere Schadstoffmessungen statt. Die nächste ist bereits für die nächsten Tage geplant. Darüber hinaus informieren Kreis und Schule die Eltern und Schüler sowie den Lehrkörper ausführlich über den Sachstand.

Der Fachbereich Gesundheit („Gesundheitsamt“) des Landkreises Marburg-Biedenkopf sowie externe und unabhängige Experten des Hygiene-Instituts der Justus-Liebig-Universität Gießen sind bei den bisher durchgeführten und den noch geplanten Schritten eingebunden.

„Wir möchten schnellstens dafür sorgen, dass in den Räumen wieder ohne PCB-Belastung unterrichtet werden kann. Daher werden wir mit der Sanierung der Schule in diesem Jahr so schnell wie möglich beginnen und sie abschnittsweise fortsetzen. Dabei ist geplant, dass immer vier Klassen ausgelagert werden und nach der Sanierung wieder in den betreffenden Gebäudetail einziehen. Bis Ende 2015 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein“, teilte Dr. McGovern mit. „Die betroffenen Schulklassen werden dafür in mehrere Klassenraum-Container, die auf dem Schulgelände aufgestellt werden, umziehen. Welche Klassen dies sind und wie der genaue Zeitablauf aussieht, wird derzeit geplant und dann über die Schulleitung mitgeteilt“, erläuterte der Schuldezernent.

Zwar werde von Experten darauf hingewiesen, dass es bisher keine Hinweise auf schädigende Wirkungen bei Personen gebe, die PCB im Innenraum ausgesetzt waren. Gleichwohl bietet der Kreis den Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrkräften ein so genanntes Bio-Human-Monitoring, also eine Blutuntersuchung an, bei der Auffälligkeiten in der PCB-Belastung festgestellt werden können. Der Ablauf dieser Untersuchung wird vom Landkreis derzeit geplant und organisiert. Durch diese Untersuchung entstehen den Eltern keine Kosten. Über den Kostenrahmen der eingeleiteten Maßnahmen und der anstehenden Sanierung können derzeit noch keine seriösen Aussagen getroffen werden.


Stichwort PCB:

Die polychlorierten Biphenyle (PCB) gehören chemisch zur Gruppe der chlorierten aromatischen Kohlenwasserstoffe. Ausgangsverbindung ist das Biphenyl, also zwei miteinander verbundene Phenylringe, an denen wiederum bis zu zehn Chloratome angeordnet sein können. Je nach Anzahl der Chloratome, die mit den Phenylringen verbunden sind, können mehr als 200 verschiedene Verbindungen entstehen. Die PCB wurden ab Mitte der 1950er Jahre in einer Vielzahl von Produkten in geschlossenen und offenen Anwendungen eingesetzt. Zu den geschlossen Anwendungen etwa gehört der Einsatz als Kühl- und Isolierflüssigkeit in Transformatoren und Kondensatoren oder als Hydrauliköl.

In offenen Anwendungen fanden PCB Verwendung als Weichmacher in Kunststoffen und als Flammschutzmittel, beispielsweise in Fugendichtmassen, Anstrichen und Beschichtungen, Klebstoffen, Deckenplatten oder Kabelummantelungen. Seit 1983 werden PCB in Deutschland nicht mehr hergestellt.


Stichwort PCB-Richtlinie:

Die PCB-Richtlinie des Landes Hessen sieht vor, dass für stark belastete Bereiche („Interventionswert“: mehr als 3000 ng/m3) neben den Sofortmaßnahmen wie Belüftung und Reinigung ein Sanierungsplan erstellt und die Sanierung baldmöglichst durchgeführt werden muss. Außerdem sind weitere Kontrollanalysen erforderlich. Wenn sich durch die Sofortmaßnahmen die Messwerte nicht innerhalb von drei Monaten auf unter 3000 ng/m3 senken lassen, sollten die betroffenen Räume geschlossen werden.

In Räumen mit einer problematischen Belastung (PCB-Konzentration 300 bis 3000 ng/m3) fordert das Land eine intensive Suche nach der Quelle der Belastung sowie regelmäßige gründliche Reinigung und verstärktes Lüften der Räume. Wenn die Quelle der Belastung erkannt ist, soll auch hier eine Sanierung erfolgen.

Wenn die PCB-Konzentration im tolerablen Bereich liegt („Vorsorgewert“ – weniger als 300 ng/m3), sind nach der Richtlinie das regelmäßige Aufnehmen von Staub, an den sich die Substanz bindet, sowie regelmäßiges Lüften ausreichend.

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